Gegen Rechtsextremismus

Lichter für Frieden und Menschenwürde

Demo gegen Neonazi-Aufmarsch in Wunsiedel

Ein breites Bündnis wehrt sich in Wunsiedel in Oberfranken gegen den jährlichen Aufmarsch von Neonazis.

Bild: Jörg Nürnberger

Rund 500 Menschen haben am Samstag in Wunsiedel mit einem Gottesdienst und Kundgebungen friedlich gegen einen Neonazi-Aufmarsch protestiert.

Unter dem Motto "Lichter für Frieden und Menschenwürde" hatten das Bündnis "Wunsiedel ist bunt", Kirchen und die Stadtratsfraktionen zum demokratischen Widerstand aufgerufen. Bei dem ökumenischen Gottesdienst am Samstag gedachten die Teilnehmer auch der Opfer der Terroranschläge von Paris.

Nach Polizeiangaben beteiligten sich rund 230 Rechtsextremisten am sogenannten "Heldengedenken", das die Szene bereits seit mehreren Jahren am Vortag des Volkstrauertags in Wunsiedel organisiert. Federführend sind dabei Aktivisten der Kleinstpartei "Der Dritte Weg", die als Nachfolgeorganisation des inzwischen verbotenen Neonazi-Netzwerks "Freies Netz Süd" gilt.

Vor einem Jahr war dort das sogenannte "Heldengedenken" der Rechtsextremisten in eine ironische Rahmenveranstaltung eingebettet worden, bei der Spenden für Aussteiger-Initiative "Exit" gesammelt wurden. Erst am vergangenen Sonntag hatten mehr als 1200 Menschen in Schirnding (Landkreis Wunsiedel) gegen eine Veranstaltung der islam- und flüchtlingsfeindlichen "Pegida"-Bewegung an der deutsch-tschechischen Grenze demonstriert.

Wunsiedel gilt als eine Art Pilgerstätte für Neonazis. Auf dem Friedhof befand sich bis 2011 die letzte Ruhestätte von Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß (1894-1987). Nach seinem Tod im Kriegsverbrechergefängnis Berlin-Spandau war Heß im Familiengrab auf dem Friedhof der Fichtelgebirgsstadt beigesetzt worden. Seitdem war die Stadt immer wieder Schauplatz von Neonazi-Aufmärschen.


16.11.2015 / epd
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