Wort zum Ewigkeitssonntag

Ewige Ruhe und ewiges Licht

Das Bild zeigt mehrere Kerzen in Gläsern auf Steinen in der Dämmerung

Am Ewigkeitssonntag gedenken evangelische Christen ihrer Verstorbenen

Bild: twinlili / pixelio.de

Für Christen ist der Totensonntag Ewigkeitssonntag, weil sie an die Auferstehung glauben. Dieser Glaube hilft auch, loszulassen, schreibt Oberkirchenrat Helmut Völkel in seinem Wort zum Feiertag.

Der Ewigkeitssonntag gehört zu den stillen Feiertagen. Bevor eine Woche später die Adventskerzen leuchten, meldet er sich zu Wort und erinnert uns an unsere Endlichkeit, an unseren Tod. Viele sprechen ja auch vom Totensonntag, weil sie es so gewohnt sind und weil der Tod unsere Aufmerksamkeit zunächst mehr fordert als der Gedanke an die Ewigkeit.

Der letzte Sonntag im Kirchenjahr könnte uns, die wir uns nicht selten auf der Hochgeschwindigkeitstrasse des Lebens befinden, herunter bremsen auf ein Tempo, das Nachdenklichkeit zulässt, über Zeit und Ewigkeit, über das Wichtige und Unwichtige, über Sein und Haben, über unsere Beziehungen. Gelobt sei die Langsamkeit des Seins, die in die Tiefe führt. Gelobt sei die Einsicht in menschliche Endlichkeit, die nicht in Verzweiflung endet, sondern eine Neuordnung des Lebens mit veränderten Prioritäten ermöglicht.

Ein Glaube von großer Kraft

Dass es darüber hinaus noch weiter gehen soll, können viele nicht glauben. Der Tod ist für sie ein Zu-Ende-Gehen, kein Hinübergehen, er ist Exitus, nicht Transitus. Christen können keinen Gegenbeweis antreten, aber ihren Glauben können sie begründen. Für sie ist der Totensonntag Ewigkeitssonntag, weil sie an den glauben, der im Johannesevangelium von sich sagt: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Ebenso wird in der Offenbarung des Johannes die neue Welt Gottes, sein Reich, so geschildert, dass Gott selbst alle Tränen abwischen wird und Leid und Geschrei ein Ende haben werden. Dieser Glaube und diese Vision haben eine große Kraft. Sie helfen loszulassen und das Unabänderliche in Gottes Hand zu legen. In der aktuellen Diskussion zur Sterbehilfe ist dies ein wichtiger Aspekt, den Christen einzubringen haben.

Gräbergang und Requiem

Der Ewigkeitssonntag verbindet sich für viele mit einem Gräbergang, mit der Erinnerung an geliebte Menschen, die unvergesslich sind. Sie sind nicht verloren. Wir haben sie in Gottes Hand gegeben. Vielleicht haben wir in diesen Tagen auch die Möglichkeit, ein Requiem zu hören wie das von Giuseppe Verdi und uns von dem vertrauten Gebetsruf berühren zu lassen: "Requiem aeternam dona eis, Domine et lux perpetua luceat eis." - "O Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen!"


22.11.2014 / Helmut Völkel
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