Wort zu Ostern

Aus Tod wird Leben

Ein Baum mit Zweigen, die ein natürliches Kreuz bilden.

Als "Lebenszeichen" für uns bezeichnet Regionalbischof Michael Grabow, Augsburg, Kreuz und Auferstehung. An ihm werde sichtbar, wozu die Menschen bestimmt seien.

Bild: Lüters

"Jesus ist das  Lebenszeichen Gottes" schreibt der Augsburger Regionalbischof Michael Grabow in seinem Wort zu Ostern. Er sei das Zeichen dafür, "dass Gott lebt und das Leben will".

An Ostern feiern wir das Undenkbare - dass das Leben über den Tod siegt. Der Tod, das Minus, das Negative wird durchgestrichen und von oben her durchkreuzt, so dass ein Pluszeichen, das Positive entsteht. Das Kreuz zeigt damit seit Ostern nicht mehr das Ende des Lebens an, sondern den Anfang einer neuen Wirklichkeit. Alles, was im Dunkeln lag, kommt ins Licht. Aus Tod wird Leben.

Dass Jesus auferstanden ist, davon wurden auch die Frauen überrascht, die am Ostermorgen früh zu Jesu Grab gingen, um ihn, so wie es der Brauch war, mit wohlriechenden Ölen zu salben. Die Frauen erwarteten einen verschlossenen Grabstein als Zeichen für den Tod. Doch zu ihrem großen Erstaunen war der Grabstein fortgeschoben: Das Grab war leer. Damit kehrte sich ihre bisherige schmerzliche, aber gültige Lebensordnung unerwartet um. Aus dem Tor des Todes wurde ein Tor des Lebens.

Animierte Textzeilen aus der Ostergeschichte (ohne Ton) zum eigenen Nachdenken. (Peter Aschoff)

Seither hat der Tod nicht mehr das letzte Wort. Denn Gott hat Jesus "umgestellt", von Tod auf Leben, eben auferweckt. Und mit ihm auch jede und jeden von uns. Als Protestleute gegen den Tod hat der Theologe Christoph Blumhardt die Christinnen und Christen einmal bezeichnet. Deshalb sind auch wir heute aufgerufen uns gegen alles Todbringende und Finstere auf dieser Welt einzusetzen. "Fürchtet euch nicht", hat der Engel damals den Frauen an Jesu Grab zugerufen. Dieser Ruf gilt auch uns heute.

Im Augenblick haben wir es mit einer Welt zu tun, die so finster aussieht, dass man sich manchmal fürchten möchte. Es ist unerträglich, dass rechtsextremes Gedankengut wieder salonfähig wird. Es ist unerträglich, dass Flüchtlinge sich einer wütenden Meute ausgesetzt sehen, die mit verzerrten Gesichtern jenen Satz brüllen, der 1989 für Freiheit und Menschenrechte stand, und der jetzt für nationalistische Parolen missbraucht wird: "Wir sind das Volk". Es ist unerträglich, dass Flüchtlingsheime angezündet werden und Menschen grölend Beifall klatschen.

Das Osterlicht weitertragen

Es ist unsere Aufgabe, als Christinnen und Christen in diese Finsternis der hasserfüllten Sprachverrohung, das Osterlicht der Hoffnung zu bringen: ein Licht der Menschenwürde, ein Licht der echten Toleranz, ein Licht des Verstehens und der Annahme des anderen Menschen. Ein Licht der Auferstehung. Jesus ist das Lebenszeichen Gottes. Das Zeichen dafür, dass Gott lebt und das Leben liebt - nicht den Tod. Jesu Tod und Auferstehung sind auch ein Lebenszeichen für uns. An ihm wird sichtbar, wozu wir bestimmt sind. An ihm wird erkennbar, dass wir die Aufgabe haben, das Leben zu fördern und zu behüten. Im 1. Johannesbriefes heißt es dazu: "Gott ist die Liebe. Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm." Mit dieser Zusage können wir menschlicher leben und menschlich Andere leben lassen. Das ist das Osterlicht, das wir weiterzutragen haben.

Zur Person

Michael Grabow, Regionalbischof im Kirchenkreis Augsburg, Bild: © (c) ELKB / Poep

Michael Grabow

ist Regionalbischof im Kirchenkreis Augsburg und Schwaben.

24.03.2016 / Michael Grabow