Wort zum Karfreitag

"Kein Leid der Welt ist Gott fern."

Dornenkrone und brenneder Dornbusch

Gott gibt dem Leiden eine Richtung auf Ostern hin, schreibt die Ansbacher Regionalbischöfin Gisela Bornowski in ihrem Wort zum Karfreitag.

Bild: Peter Aschoff/ Gott im Berg

"Warum lässt Gott das zu?" fragt Gisela Bornowski in ihrem Wort zum Karfreitag. Gott lässt Leid zu, aber er stellt sich selbst auf die Seite der Leidenden, so die Ansbacher Regionalbischöfin.

Warum lässt Gott es zu? Das ist eine Frage, die ich mir selber oft stelle und von anderen auch immer wieder höre: Warum legst du uns diese Last der Krankheit auf? Warum hast du mein Kind sterben lassen? Warum verhinderst du nicht, was Menschen einander antun? Warum prallen in der Nähe von Bad Aibling zwei Züge aufeinander, warum bringt eine kleine Unachtsamkeit so vielen Menschen Tod, Trauer und Schmerz? Und dann sind da noch die vielen Menschen, die Leid zwar nicht am eigenen Leibe erleben müssen, aber immer wieder erschrecken, noch nicht abgestumpft sind von den vielen grausamen Bildern, die täglich über den Bildschirm in unsere Wohnzimmer kommen, die sich stellvertretend für andere Menschen fragen: Warum bebt die Erde immer in diesem Land? Warum fallen Bomben und zerstören jede Lebensgrundlage? Warum müssen sich Tausende auf eine gefährliche Flucht machen? Warum - um Himmels willen - verhindert Gott das nicht?

Zitat

Der Sinn des Kreuzes Jesu liegt vor allem darin: Gott weiß um dein Leid. Gott fühlt deinen Schmerz. Und er gibt deinem Schmerz eine Richtung. Auf Ostern hin. Auf die Auferstehung hin."

Regionalbischöfin Gisela Bornowski

Selbst Jesus stellt sich diese Frage, ganz am Ende seines Lebens, wo er unsagbare Qualen erleidet: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Warum spüre ich deine Nähe nicht mehr? Jesus stirbt am Kreuz - nicht als unangefochtener Held, sondern als Mensch: leidend, ausgeliefert, verlassen.

Warum lässt Gott das zu? Wie können wir als Christen auf diese Frage antworten? Unsere erste Reaktion ist, diese Fragen auszuhalten und an der Seite des Menschen zu bleiben, der so fragt. Erst wenn man ein Stück des Weges mit dem Leidenden gegangen ist, darf man argumentieren und behutsam, vorsichtig fragen: Gibt es nicht auch das ganz Andere in deinem Leben? Das, was dich zu großer Dankbarkeit bewegt? Vielleicht ist dein Blick dann schon nicht mehr so verzweifelt...

Und welche Antwort gibt es nun auf die Frage: Warum lässt Gott das zu? Ja, er lässt es wohl zu, aber er macht es nicht. Das Böse, das geschieht, macht er nicht. Er verteilt nicht einfach willkürlich: dem einen den Krebs, dem anderen den Hauptgewinn. Ja, er lässt es zu, dieser bittere Rest bleibt. Und wir können das nicht verstehen.

Gott wird das Leid verwandeln

Gott lässt das Leiden zu, aber ER selbst stellt sich an die Seite der Leidenden. Mehr noch: Er geht in alles Leid hinein! Er weiß, er kennt, und er spürt es! Er ist uns gerade da nahe, wo wir leiden müssen. Der Sinn des Kreuzes Jesu liegt vor allem darin: Gott weiß um dein Leid. Gott fühlt deinen Schmerz. Und er gibt deinem Schmerz eine Richtung. Auf Ostern hin. Auf die Auferstehung hin. Die Auferstehung deines Schmerzes ins Osterlicht hinein, wo kein Schreien und kein Tod mehr ist.

Diese Antwort dürfen wir sagen, getrost und mutig, uns selbst und anderen: Kein Leid der Welt ist Gott fern. Er hält auch das Leid in seiner Hand - und wird es verwandeln. Mitten im Leben kann das schon geschehen. Wie viele Menschen sind an ihrem Schmerz nicht erstickt, sondern stark und groß, weil hoffnungsvoll geworden?!

Wir können die Frage nicht beantworten, warum Gott das zulässt. Wir können aber über diese Frage hinauskommen, aus ihr heraus, wie aus dem Grab ans Licht: "Dennoch bleibe ich stets an dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand und nimmst mich am Ende mit Ehren an." Dies gelingt uns manchmal für uns selbst, im Beten, im Hinhören auf Gottes Wort - oder: Es wird uns geschenkt! - besonders wohl da, wo wir einander beistehen und an der Hand nehmen.

Zur Person

Regionalbischöfin Gisela Bornowski, Bild: © (c) Kirchenkreis Ansbach-Würzburg

Gisela Bornowski

ist Regionalbischöfin im Kirchenkreis  Ansbach-Würzburg.


21.03.2016 / Gisela Bornowski
drucken