Woche für das Leben 2015

Kirchen warnen vor assistiertem Suizid

Regionalbischöfin Dr. Greiner und Erzbischof Dr. Schick

Regionalbischöfin Dorothea Greiner und Erzbischof Ludwig Schick zu Besuch im Hospiz in Naila

Bild: Kirchenkreis Bayreuth

Evangelische und katholische Kirchenvertreter haben sich zur Eröffnung der "Woche für das Leben" kritisch mit Sterbehilfe auseinandergesetzt. So auch Regionalbischöfin Greiner in Naila.

Die Bayreuther evangelische Regionalbischöfin, Dorothea Greiner, warnte in Naila besonders davor, assistierten Suizid gesetzlich möglich zu machen. Mit einer gesetzlichen Regelung für assistierten Suizid würde man nach Ansicht von der Dorothea Greiner "eine schiefe Ebene betreten". Ausnahmefälle würden "sich über die Jahre ausweiten", so die Oberkirchenrätin. Die vermeintliche Freiheit, mit Hilfe von Ärzten über das eigene Lebensende selbst bestimmen zu können, berge tatsächlich die Gefahr von falschen Entscheidungszwängen: "Kein Mensch darf in die Lage kommen, sich innerlich rechtfertigen zu müssen dafür, dass er noch da ist."

 

Zitat

Angst vor dem Sterben bliebe vielen Menschen erspart, wenn sie mehr Erfahrung mit guter christlicher und medizinischer Sterbebegleitung hätten. Eingeübte Riten guten Sterbens sind wichtig und helfen schon den Lebenden angstfreier auf ihr Ende zuzugehen.

Regionalbischöfin Dorothea Greiner

Bei dem Gottesdienst rief auch Bambergs katholischer Erzbischof Ludwig Schick dazu auf, Hospizarbeit und Palliativmedizin als "Hilfe zum Leben im Sterben" und damit als das Gegenteil von Sterbehilfe auszubauen und zu fördern. "Nicht durch Menschenhand, sondern an Menschenhand sollen wir sterben", sagte Schick. Die Gesellschaft brauche "mehr gute Hände, die alte Menschen schützen, pflegen, trösten, sie von Schmerzen befreien und Nähe schenken", so der Erzbischof: "Aktive Altenhilfe ist das beste Mittel gegen aktive Sterbehilfe."

In Eichstätt warf die Nürnberger Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern Befürwortern von Sterbehilfe vor, ihre Sprache zeuge von einer großen Angst vor dem Verlust der eigenen Selbstbestimmung. Die Logik der Sterbehilfe-Vereine habe die Konsequenz, "wenn ich ernsthaft befürchten muss, in eine Situation zu kommen, in der ich nicht mehr entscheiden kann, töte ich mich vorher selbst", sagte die evangelische Theologin. Dies könne man nicht "Freitod" nennen.

Die Woche für das Leben ist eine gemeinsame Initiative der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, findet vom 18. bis 25. April statt. Sie steht in diesem Jahr unter dem Motto "Sterben in Würde" und nimmt auch die Gesetzesvorlagen zur Regelung der Sterbehilfe und die Situation in der Pflege und Palliativversorgung in den Blick. Bundesweit wurde die Woche für das Leben am 18. April mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Hamburger Hauptkirche St. Katharinen eröffnet.

„In Würde sterben zu dürfen, heißt eben nicht, alle Optionen zu haben, um sich jederzeit selbst töten zu können", betonte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm als Ratsvorsitzender der EKD in seiner Predigt. „In Würde zu sterben heißt, nie aus der Beziehung zu Gott und den Menschen herauszufallen“. Das Hauptaugenmerk in der Woche für das Leben sei darauf gerichtet, „dass wir eine Kultur des Sterbens entwickeln, die nicht länger von der Angst geleitet ist, sondern in der die Liebe Raum gewinnt.“ Notwendig sei eine Kultur, „in der über dem Schmerz und der Trauer, über den Abschied nie die Ahnung von offener Zukunft und neuem Leben verloren geht“, sagte Bedford-Strohm.

 


20.04.2015 / epd
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