Zum Tag der deutschen Einheit

Geschenk der Wiedervereinigung

Füße

Die Wertschätzung für die Wiedervereinigung darf nicht verblassen: am 3. Oktober ist Tag der deutschen Einheit.

Bild: (c) iStockPhoto / stefanofiorentino

"Wertschätzung für das Geschenk der Wiedervereinigung" fordert Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel in ihrem Geistlichen Wort zum Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober 2015.

"Seit Mitte September steht ein deutsch-deutsches Sofa - eine Art innerdeutscher west-östlicher Divan - im Mittelpunkt einer Aktion der Künstlerin Bali Tollak. Zusammen mit dem Fotografen Wolfgang Denning hat sie das Sofa - bedeckt mit der bundesdeutschen Flagge und der Flagge der ehemaligen DDR - an mehr als 170 verschiedenen markanten Orten platziert und abgelichtet: unter anderem vor dem Brandenburger Tor und am Checkpoint Charlie in Berlin, vor dem Ortsschild von Hoyerswerda, das durch fremdenfeindliche Anschläge bekannt wurde, in Mödlareuth, dem 50-Einwohner-Dorf an der Grenze zwischen Bayern und Thüringen, das 41 Jahre lang durch die innerdeutsche Grenze geteilt war, aber auch vor Schloss Neuschwanstein.

Zum Tag der deutschen Einheit erinnert mich diese "Einheitscouch" daran, wie schwierig es über viele Jahre war, dass Freunde und Familien, die durch die innerdeutsche Grenze getrennt waren, gemeinsam auf einem Sofa sitzen konnten. Für die Menschen aus dem Osten Deutschlands gab es nur in seltenen Ausnahmefällen Genehmigungen für eine Reise in den Westen. Aber auch für Westdeutsche wurden Reisen in den Osten durch bürokratische Hürden und groteske Kontrollen an den Grenzübergängen mitunter zur Schikane. Die DDR-Regierung tat alles, um der gegenseitigen Entfremdung Vorschub zu leisten.

Hofer Gemeinden feiern in Plauen

Die Kirchengemeinden in Hof feiern gemeinsam mit allen Kirchengemeinden in Plauen in Sachsen. der Johanniskirche in Plauen. Der ökumenische Gottesdienst anlässlich des 25-Jährigenn Jubiläums der deutschen Wiedervereinigung findet am Samstag, 3. Oktober 2015, um 10 Uhr in der Johanniskirche in Plauen statt, anschließend Mittagsversorgung mit Blasmusik und ab 13.00 Uhr Turmbesichtigung.

Waidhaus: Ökumenisches Gastmahl

Mit einem offenen Ökumenischen Gastmahl nach Jörg Zink soll in der Ökumenischen Autobahn- und Radwegekirche Waidhaus - A 6 Nürnberg-Prag, Ausfahrt Waidhaus (AS 76) - für die deutsche Einheit gedankt werden. Beginn ist um 10.30 Uhr.

München: Gottesdienst, Christustag, Konzert

Unter dem Motto „25 Jahre Deutsche Einheit - Wir feiern Gottes Gnade“ steht der 3. Oktober in der Paul-Gerhardt-Kirche in München-Laim. Mit einem Dank- und Gedenkgottesdienst um 10 Uhr startet die Gemeinde in den Festtag, feiert ab 13 Uhr einen Lobpreisnachmittag mit jungen Menschen. Ab 16 Uhr ist Christustag mit Vortrag und buntem Kinderprogramm. Der Tag schließt mit einem Konzert mit Albert Frey.

Leinburg: Gottesdienst im Freien

Mit einem Gottesdienst im Freien feiert Leinburg den Tag der Deutschen Einheit. In der Kapelle am Moritzberg findet um 10 Uhr der Ökumenische Festgottesdienst statt, es spielt der Posauenenchor Leinburg.

Oberstdorf: Berggottesdienst zum 25. "Tag der Deutschen Einheit"

Um 11:30 Uhr feiert die Kirchengemeinde Oberstdorf am Nebelhorn bei der Station Höfatsblick einen Berggottesdienst.

Geretsried: Ökumenisches Friedensgebet

25 Jahre Deutsche Einheit sind ein Grund zum Danken. Am 3. Oktober läuten um 12 Uhr die Glocken und laden ein zu gemeinsamem Gebet und Dank in der Petruskirche in Geretsried.

Augsburg: Ökumenischer Abendgottesdienst

In der St. Anna-Kirche findet um 18 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst mit Stadtdekanin Susanne Kasch und Stadtdekan Helmut Haug statt.

Nürnberg: Open-Air-Gottesdienst

Am 3. Oktober setzen Regionalbischof Nitsche und Erzbischof Schick ihre Reihe ökumenischer Gottesdienste auf dem Weg nach 2017 fort. In diesem Jahr feiern sie anlässlich des 25. Jahrestages der Wiedervereinigung einen Open-air-Gottesdienst auf dem Jakobsplatz. Beginn ist um 10.00 Uhr.

Würzburg: Ökumenischer Gottesdienst auf der Mainfrankenmesse

Zur Feier des 25. Jahrestages der Deutschen Einheit findet am Samstag, den 3. Oktober 2015, ein Ökumenischer Gottesdienst auf der Mainfrankenmesse in Würzburg statt. Der Gottesdienst findet auf der Bühne des Bayerischen Rundfunks in Halle 12 statt und beginnt um 10.30 Uhr. Für ein breites konfessionelles Spektrum sorgen die evangelisch-lutherische Dekanin Edda Weise, der katholische Stadtdekan und Dompfarrer Jürgen Vorndran, der Pastor Andreas Jahreiß von der evangelisch-methodistischen Kirche und der russisch-orthodoxe Priester Vladimir Bayanov.

Veranstaltungen in Ihrer Nähe

Weitere Ökumenische Gottesdienste und Veranstaltungen zum 3. Oktober finden Sie in unserem Terminkalender.

Kraft, Liebe, Besonnenheit

Als Kind haben mich diese Hürden irritiert, beängstigt und beeindruckt. Nie aber konnte ich sie als Selbstverständlichkeit akzeptieren. Und so übernahm ich stillschweigend die Vision meiner Großmutter, der es wichtig war, das ich ihre Heimat kennen- und lieben lerne. Sie war sicher, dass es eines Tages keine Grenze mehr gibt. Regelmäßig in den Osterferien reiste sie mit mir unbeeindruckt von der bürokratischen Willkür nach Thüringen. Geteilt, aber nur auf Zeit - nicht getrennt! Daran hielt sie fest. Im Rückblick bewundere ich sie für ihren Mut und ihren Traum von einem wieder vereinten Deutschland, der auch durch ihren Glauben getragen wurde. ,Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.' (2.Timotheus 1,7). Dieser neutestamentliche Vers stärkte sie wie viele Christinnen und Christen, die die Hoffnung nie aufgaben und die sich aktiv für die Wiedervereinigung einsetzten.

Die Kirche in der DDR war Teil, ja Zentrum der Oppositionsbewegung. Sie eröffnete Dialogräume und bot Orte für die Montagsgebete. Aber nicht nur das. Über die vielen Jahre der deutsch-deutschen Trennung hinweg bildete die Evangelische Kirche die gesamtdeutsche Klammer. Sie sorgte dafür, dass der Ost-West-Dialog, für den das deutsch-deutsche Sofa von Bali Tollak steht, nie vollständig abriss. Partnerschaften zwischen den Landeskirchen in Ost und West und Partnerschaften zwischen Kirchengemeinden waren Brücken, die entscheidende Strukturen für Begegnungen und letztlich für die Wiedervereinigung darstellten.

"Unsere Art Kirche zu sein, war anders"

In die Podiumsdiskussion anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Wiedervereinigung der Evangelischen Kirche Deutschlands und des Bundes Evangelischer Kirchen in der DDR bei der EKD-Synode 2011 in Magdeburg mischten sich allerdings auch wehmütige, ja nostalgische Töne. ,Es ging etwas zu Ende, das für uns unendlich wertvoll war in schwierigen Zeiten', sagte die ehemalige Ost-Berliner Oberkonsistorialrätin Rosemarie Cynkiewicz. ,Unsere Art Kirche zu sein war anders. Und uns war klar, dass das, was uns wichtig war, nicht in die große Gemeinschaft der EKD-Synode hinüber zu nehmen war.'

Umso wichtiger ist, dass der Dialog zwischen den evangelischen Landeskirchen im Osten und im Westen weiter geführt wird. Wir nehmen dies ernst. Wir pflegen unsere Partnerschaft der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern mit der Mecklenburgischen Kirche intensiv. Wir besuchen uns gegenseitig und tauschen uns aus.

Stärker als die Hoffnungslosigkeit

Auch wenn der 3. Oktober ein politischer Feiertag ist, feiern wir ihn als Kirche, damit die Dankbarkeit und die Wertschätzung für das Geschenk der Einheit nicht verblassen. Die Wiedervereinigung war nicht zu erwarten. Viele hatten die Hoffnung schon aufgegeben. Aber der Geist, der sich nicht mit der deutschen Teilung abfinden wollte, war stärker als die Hoffnungslosigkeit. ,Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.' - Gott sei Dank!

Zur Person

Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel, Bild: © (c) ELKB / Rost

Annekathrin Preidel

Annekathrin Preidel ist Präsidentin der bayerischen evangelischen Landessynode, Diplom-Biologin und wohnt in Erlangen. Ihre Vision von Kirche ist "eine einladende Kirche mit Ausstrahlung, Leuchtkraft, Fröhlichkeit, die die Zeichen der Zeit immer wieder neu erkennt und offen ist für die Fragen, Sorgen und Nöte der Menschen, eine Kirche, die beweglich ist und vor allem zu den Menschen geht, die am Rande stehen".

29.09.2015 / epd