100 Jahre Kirche Wieseth

"Wer betet, ist nicht hilflos"

Gisela Bornowski, Regionalbischöfin im Kirchenkreis Ansbach-Würzburg

Gisela Bornowski, Regionalbischöfin im Kirchenkreis Ansbach-Würzburg

Bild: (c) Kirchenkreis Ansbach-Würzburg / Reiner Götz

Was für ein Jubiläum: die St. Wenzeslaus-Kirche in Wieseth feierte jetzt ihren 100. Geburtstag. Im Festgottesdienst ehrte die Regionalbischöfin Bornowski (Foto) die Kirche als besonderen Kraftort.

100 Jahre gibt es die St. Wenzeslaus-Kirche in Wieseth schon: am 13. September 1914 wurde in dem damals Gotteshaus der Gemeinde im mittelfränkischen Landkreis Ansbach der erste Gottesdienst gefeiert.

Am vergangenen Sonntag, 14. September, öffnete St. Wenzeslaus als nunmehr altehrwürdige Kirche ihre Pforten für einen ganz besonderen Festgottesdienst anlässlich des 100-jährigen Bestehens in Anwesenheit von Gisela Bornowski.

Rückblick auf die Anfänge von St. Wenzeslaus

 

Die Regionalbischöfin des Kirchenkreises Ansbach-Würzburg blickte in ihrer Festpredigt auf die Anfänge von St. Wenzeslaus zurück. Eine Kirche, die 1914 neu gebaut wurde, weil die alte zu klein geworden war.

„Man stelle sich das einmal vor! Zu klein!“, so Bornowski. „Heute werden Kirchen eher zugesperrt, umgewidmet oder Gemeinderäume eingebaut, weil eine Kirche zu groß geworden ist. Und der Grund dafür: Viele Gemeinden schrumpfen – nicht nur wegen des demografischen Wandels, sondern auch weil uns schlichtweg die Leute weglaufen.“

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Die Wiesether hingegen seien bis heute eine „Gemeinde mit vielen engagierten Mitarbeitern“. Eine Gemeinde, die ihre Kirche treu als Kraftort zum Auftanken nutze, um sich dort regelmäßig „um Wort und Sakrament“ zu versammeln und sich gegenseitig immer wieder neu zu stärken, zu trösten, zu ermahnen.

Bornowski lobte die Beharrlichkeit der Gemeindemitglieder als diakonisch denkende und handelnde Gemeinschaft und rief in ihrer Predigt dazu auf, den Wiesethern nachzueifern.

"Kirche als Ort der Kraft"

„Wir brauchen Zeit für das Gebet, den Gottesdienst und das Lesen in der Bibel. Bete ich nur, wenn meine Zeit es gestattet; gehe ich nur dann in den Gottesdienst, wenn ich gerade nichts Besseres zu tun habe, lese ich nur in der Bibel, wenn mir fast schon die Augen zufallen? Wenn ich diese Fragen mit Ja beantworte, stimmen meine Prioritäten nicht.“

Gerade vor den aktuellen gesellschaftspolitischen Hintergründen sei das Gebet „nicht nur ein Ort der Kraft“, so Bornowski, „sondern auch der Ort, an dem wir unsere Schrecken loswerden. Das Erschrecken über das Leid der verfolgten Christen im Irak und in Syrien, das Er-schrecken über das Leid der Menschen Westafrikas, die unter Ebola leiden, das Erschrecken über die Gewalt in der Ukraine. Wir scheinen hilflos zu sein, doch wer betet, ist nicht hilflos.“


15.09.2014 / ELKB / Poep