Weltflüchtlingstag

"Die Not nicht vergessen"

Flüchtlingslager in Domiz, Nordirak

75.000 Flüchtlinge fasste das Lager Domiz im Nordirak zum Zeitpunkt der Aufnahme - heute sind es wohl mehr. Zum Weltflüchtlingstag haben die Kirchen dazu aufgerufen, die Flüchtlingshilfen der Nachbarländer Syriens stärker zu unterstützen.

Bild: Prieto Peral

Zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni hatten die Kirchen aufgerufen, das Leid der Menschen im Nahen Osten nicht zu vergessen. Mit Glockenläuten haben Gemeinden an die Not der Flüchtlinge erinnert.

Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und Deutsche Bischofskonferenz sprechen sich insbesondere für eine stärkere Unterstützung der Flüchtlingshilfe der Nachbarländer Syriens und eine großzügigere Aufnahme der Flüchtlinge aus dem Nahen Osten in Deutschland auf. „Die Menschen aus Syrien und Irak brauchen jetzt unsere Hilfe und unsere Solidarität. Bitte unterstützen Sie die Arbeit der Hilfswerke in der Region“, appellieren der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx.

Auch in Bayern erinnerten Kirchengemeinden an das Schicksal der Flüchtlinge: So läuteten am 20. Juni von 12.05 Uhr bis 12.10 Uhr die Glocken aller evangelischen und katholischen Kirchen in Stadt und Landkreis Fürth. Mit diesem Mahnruf wollten die Kirchen den Weltflüchtlingstag ins Gedächtnis bringen.

Thema "Flucht und Asyl" auf bayern-evangelisch.de

Das Not-wendige tun

Spielen Kinder,© www.diakonieneuendettelsau.de

Wie helfen Christen Flüchtlingen, die nach Bayern kommen? Was bewegt Kirchengemeinden dazu, Kirchenasyl zu geben? Einige Beispiele, auch im Video.

Multimedia-Spezial

Menschen auf dem Meer,© (c) picture alliance / AP Foto / Allessandro Di Meo

Weltweit sind knapp 60 Millionen Menschen auf der Flucht, die meisten davon im eigenen Land. Wie hilft die ELKB? Wie werden Flüchtlinge in Deutschland aufgenommen und was erhoffen sie sich?  Zum Multimedia-Spezial.

Kirchenasyl

Leuchtende Pyramide in einem Kirchenraum,© (c) fotolia / TheRenderFish

Derzeit wird vielerorts über das Kirchenasyl diskutiert.  "Kirchenasyl ist kein Affront gegen das Recht, sondern Dienst am Recht, das Leben zu schützen hat", meint Kirchenrat Thomas Prieto-Peral in einer Position zum Thema.

"Nicht nachlassen"

DAs Bild zeigt ein Graffiti an der Bayernkaserne: zwei junge Menschen, die auf einer Taube in die Freiheit fliegen,© Innere Mission Müchen
Die wachsende Zahl von Flüchtlingen in Bayern stellt Gesellschaft, Politik und Kirche vor große Herausforderungen. Dennoch dürfen die Bemühungen für sie nicht nachlassen, sagt Kirchenrat Dieter Breit, Mitglied im "Krisenstab Asyl" der bayerischen Staatsregierung in einer Position.

Lage verzweifelter denn je

Die Lage der Flüchtlinge, Vertriebenen und Gewaltopfer ist im fünften Jahr des syrischen Bürgerkrieges so verzweifelt wie nie zuvor. Lebenswichtige Infrastruktur wie die Wasserversorgung, Stromnetze und Krankenhäuser sind zerstört. Zudem gibt es aufgrund von Kampfhandlungen und der gezielten Verhinderung humanitärer Hilfe aktuell kaum Möglichkeiten, Hilfsbedürftige in den von oppositionellen Gruppierungen kontrollierten Gebieten zu versorgen. Weder für Zivilisten noch für humanitäre Helfer gibt es Schutzzonen. Geschätzte 220.000 Menschen sind bei den Kämpfen in Syrien bislang ums Leben gekommen, mehr als zwölf Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht. Jeder zweite Syrer ist inzwischen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Im Irak befinden sich mehr als zwei Millionen Menschen auf der Flucht..

Angesichts der Vielzahl an politischen Krisen und Kriegen im Nahen Osten einerseits und der bisherigen Erfolglosigkeit aller politisch-diplomatischen Anstrengungen andererseits ist absehbar, dass in den kommenden Jahren die Abwanderung aus der Region nicht abreißen wird. Evangelische und katholische Kirche setzen sich mit ihren Hilfswerken dafür ein, die Hilfesuchenden nach Kräften zu unterstützen. Zum einen durch mehr Hilfe für die vollkommen überlasteten Nachbarländer. Zum anderen durch eine Aufnahme der syrischen und irakischen Flüchtlinge, insbesondere durch Erleichterungen im Bereich der Familienzusammenführung.

Sommeraktion der Hilfswerke

Diakonie Katastrophenhilfe und Caritas international sind in der Versorgung der Opfer des Bürgerkrieges in Syrien, in der Türkei, im Irak, in Jordanien und im Libanon engagiert. Die beiden Hilfswerke helfen mit ihren Partnern unter anderem mit Nahrungsmitteln oder Einkaufsgutscheinen, Kleidung, Hygieneartikeln, Matratzen, Decken, Öfen, Mietzuschüssen, Schulmaterial und sonstigem Alltagsbedarf. Daneben fördert die Diakonie Katastrophenhilfe Gemeindezentren, in denen Sozialarbeiter den Flüchtlingen helfen, ihre Kriegstraumata zu bewältigen.

Was sind vergessene Katastrophen? Ein Film der Diakonie-Katastrophenhilfe erklärt es.

Mit der ökumenischen Sommeraktion „Die größte Katastrophe ist das Vergessen“ erinnern die beiden Hilfsorganisationen an die verzweifelte Lage der Syrer und Iraker und rufen nachdringlich zu Spenden auf. Mit einer gemeinsamen Initiative starten an diesem Samstag die beiden von den christlichen Kirchen mit der Katastrophenhilfe beauftragten Hilfswerke eine Solidaritätsaktion, die bis zum 19. August 2015 (Tag der Humanitären Hilfe) dauert.

19.06.2015 / ELKB