Wort zu Weihnachten

"Gott kommt - das ist sicher!"

Fröhliche und traurige, einfältige und kluge, mutige und furchtsame Menschen - alle finden ihren Platz an der Krippe, sagt Münchens Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler im Wort zu Weihnachten. 

"Menschen sind auf der Flucht. Sie fliehen vor dem Weihnachtsfest, Familienfeiern und Geschenkebergen. Auf in den Süden, in die Karibik oder nach Südostasien, vielleicht auch in die Berge zum Skifahren. Autobahnen sind voll, Flughäfen auch. Bloß nicht daheim bleiben, lieber Drinks unter Palmen, eine Kreuzfahrt, bestens präparierte Pisten und heißer Jagertee. Sie suchen Zuflucht in anderen als den heimischen Regionen.

Menschen sind auf der Flucht. Sie fliehen aus Angst vor Terror und Kriegen, wegen großer wirtschaftlicher Not und weil sie wegen ihres Glaubens brutal verfolgt werden. Sie hoffen darauf, ein Dach über den Kopf zu bekommen, Arbeit, Essen und wärmende Kleidung. Sie wünschen sich nichts mehr, als in Sicherheit zu sein - und möglichst ihre Lieben um sich scharen zu dürfen. Sie erflehen Asyl bei uns.

Wertvoller Dienst an die Menschlichkeit

Die einen sind fröhlich unterwegs, manchmal getrieben von der Sehnsucht nach echter Geborgenheit. Die anderen geben ihr letztes Hemd, weil sie verzweifelt wahre Heimat suchen. In einem Land, in dem Maria und Josef an Weihnachten in die Dom Rep oder ins Salzburgische verreisen können, ist doch gewiss Raum dafür, dass Miriam, Maya, Yussuf und Giosep mit ihren Kindern bei uns ganz und gar ankommen können.

Es ist ein wertvoller Dienst an der Menschlichkeit unseres Landes, wenn wir uns für die einsetzen, die bei uns nach einem Zuhause suchen. Jene, die immer noch für Abschottung und Ausgrenzung potenzieller Zuwanderer plädieren, jene, die Arbeitsplätze in Gefahr sehen oder womöglich sogar das böse Wort der ,Überfremdung' gebrauchen, gefährden die Zukunft unserer Heimat.

Als nach 1945 Millionen von Flüchtlingen aus dem Osten zu uns kamen, viele krank und invalide und schwer traumatisiert, da hat dies auf Dauer unser Land gestärkt.

Als in den Jahrzehnten später Millionen aus Italien und Griechenland und der Türkei von deutschen Arbeitgebern angeworben wurden, da war dies wirtschaftlich und kulturell eine Horizonterweiterung für unser Land.

"Ein intelligentes Fest des Lebens"

Diese Welt braucht jeden Tag Weihnachten: Ein intelligentes Fest des Lebens. Das Recht auf Asyl, auf Schutz vor Verfolgung für jene, die um Leib und Leben fürchten. Und daneben das Recht, ein- und zuzuwandern für die, die in ihren Herkunftsländern keine Perspektiven mehr entdecken können und sich deshalb wünschen, dass sie bei uns neu anfangen dürfen.

Wir genießen, wo immer wir feiern, weihnachtliche Abendstimmung und vielleicht dämmert es dabei: Gott kommt zur Welt. Als bedürftiges Kind in der Krippe, im schlichten Stall, weil für ihn sonst kein Raum in der Herberge war. Kümmern wir uns doch um bessere Unterkünfte für alle, die zu uns kommen. Herzlich willkommen Gott und allen seinen Ebenbildern."


17.12.2014 / ELKB / Poep
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