Abschied von MEW-Direktor Peter Weigand

"Partnerschaft muss auf Augenhöhe geschehen!"

Das Bild zeigt Peter Weigand

Der Direktor von Mission EineWelt, Peter Weigand, geht Ender Februar in den Ruhestand.

Bild: Mission EineWelt Mission EineWelt

 Sieben Jahre hat er das Partnerschaftszentrum Mission EineWelt (MEW) geleitet und geprägt. Am vergangenen Freitag wurde MEW-Direktor Peter Weigand in einem Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet.

Mit einem feierlichen Gottesdienst wurde Pfarrer Peter Weigand, Direktor von Mission EineWelt (MEW), am Freitag, 13. Februar in den Ruhestand verabschiedet. Oberkirchenrat Michael Martin entpflichtete den 65-jährigen Theologen in der St. Nikolaikirche in Neuendettelsau von seinen Aufgaben als Direktor des landeskirchlichen Partnerschaftszentrums. Bayern-Evangelisch.de hat den scheidenden Direktor zu seiner Zeit im Partnerschaftszentrum und zu seinen Zukunftsplänen befragt.

Herr Weigand, Sie haben über sieben Jahre lang das Partnerschaftszentrum Mission EineWelt geleitet – welche Schwerpunkte haben sie gesetzt?

Peter Weigand: Kurz bevor ich als Direktor bei Mission EineWelt angefangen habe, ist das Zentrum neu aufgestellt worden: Das Missionswerk, der Lateinamerikabeauftragte und der kirchliche Entwicklungsdienst wurden zum neuen Centrum für Partnerschaft, Entwicklung und Mission zusammengeführt. Unter meinem Vorgänger war der Prozess in die Wege geleitet worden - ich hatte es strukturell umzusetzen und zu vermitteln - nach innen und nach außen. Es galt ein neues Internationales Kompetenzzentrum zu etablieren und als größte Einrichtung der ELKB im Auftrag der Landeskirche sachgemäße Formate dafür zu finden.

Wie weit ist der Prozess heute gediehen?

Peter Weigand: Inhaltlich ist das Centrum gut zusammengewachsen. Mich hat beeindruckt, mit welch hohem Engagement und Teamgeist die neue Mannschaft aus den verschiedenen Organisationen nach anfänglichen Widerständen den Fusionsprozess getragen und sich darauf eingestellt hat.

Wie würden Sie Ihr gemeinsames Selbstverständnis beschreiben?

Peter Weigand: Heute verstehen wir uns alle gemeinsam als Dienstleister und als Ombudsorganisation für den globalen Süden aber auch für globales Lernen in der Landeskirche. Wir wollen die interkulturelle Kompetenz der Gemeinden stärken, damit sie in einer globalisierten Welt solidarisch handeln können.

Wie wirkt sich das auf Ihre Inhalte aus?

Peter Weigand: Wir bieten Kampagnen und Schwerpunktthemen an. In den ersten drei Jahren hatten wir das Thema Nahrungsgerechtigkeit „Brot für das Leben“, die zweite Kampagne drehte sich um das Thema Land in seiner ganzen Bandbreite und daraus folgernd beschäftigen wir uns in diesem Jahr besonders mit dem Thema Migration und Flucht. Gerade dass die Leute kein Land, das sie ernährt und ihnen Sicherheit und Heimat bietet, mehr haben, führt ja zur Flucht.

Ein wichtiges Thema in der Partnerschaftsarbeit?

Peter Weigand: Ja, denn unsere Partnerkirchen leiden darunter. Die reichen und gut ausgebildeten Leutekönnen fliehen, die armen Menschen müssen bleiben. Das fordert uns zu solidarischem Handeln heraus. Hier tragen wir zusammen mit unseren Partnerkirchen Verantwortung.

Miteinander und voneinander lernen

Partnerschaftsarbeit wird heute auch konsequent als Bewegung in zwei Richtungen verstanden. Mitarbeitende werden nach Übersee entsandt und Mitarbeitende aus Partnerkirchen kommen nach Deutschland. Nicht weil sie eine Not haben, sondern weil sie uns etwas zu sagen haben und uns bereichern indem wir miteinander und voneinander lernen wollen.

Wo sehen sie Ihr Hauptaufgabenfeld? Die Arbeit im Ausland oder die Vermittlung Ihrer Arbeit in die eigene Kirche hinein?

Peter Weigand: Das lässt sich nicht voneinander trennen. Wir könnten unsere Arbeit im Ausland gar nicht ohne die große Unterstützung aus unserer Landeskirche heraus machen - dabei geht es nicht in erster Linie ums Geldsammeln. Es geht darum, dass sich die Mitglieder unserer Kirche als Teil der weltweiten christlichen Familie darüber im Klaren sind, dass ihre Verantwortung nicht am Horizont ihres Kirchturms endet. Außerdem ist es wichtig, die Sicht unserer Partner weltweit auf wirtschaftliche oder politische Entwicklungen in den Diskurs der nördlichen Hemisphäre mit einzubringen.

Bei Welchen Themen hat ihr Herz besonders geschlagen?

Peter Weigand: Bei den Partnern in Lateinamerika, Afrika und Asien, aber genauso bei den Gemeinden in Bayern, die seit Jahren mit Christinnen und Christen in anderen Kulturen partnerschaftlich verbunden sind und treu an der christlichen Weggemeinschaft festhalten - nicht nur bei Erfolgen sondern auch, wenn man durch Krisen durch muss. Es beeindruckt mich sehr, was Gemeinden, Initiativen, Schulklassen und Jugendgruppen hier auf die Beine stellen.

Sie sehen Partnerschaft als Geben und Nehmen….

Peter Weigand: Partnerschaft muss auf Augenhöhe geschehen. Ich würde mir wünschen, dass es immer besser gelingt, dass Leute aus dem Süden auch zu uns kommen können, dass wir miteinander Evangelium und Leben teilen können. Wir stehen alle vor gemeinsamen Herausforderungen: Klima, Gerechtigkeit, Arbeitsrechtsstandards Menschenrechte – diese großen Fragen können wir nur gemeinsam angehen. Dazu bedarf es der Begegnung, und des Austauschs - nicht nur kognitiv, sondern auch spirituell. Wir können miteinander beten, miteinander feiern und übereinander staunen, weil wir so viel an den anderen und ihrem Leben neu entdecken können. Wir Christen haben den großen Vorteil der weltweiten Vernetzung durch unseren Glauben. Darauf können wir aufbauen und nicht nur über Geschwisterlichkeit sprechen, sondern sie auch leben.

An welche Ereignisse in dieser Zeit erinnern Sie sich besonders?

Peter Weigand: Da gibt es natürlich viele. Höhepunkte waren die gemeinsamen Reisen mit den Länderreferenten zu den Partnerkirchen. Dieses Eintauchen in die Lebenswelt ganz anderer Kulturen und das Miterleben ihrer Spiritualität war für mich etwas ganz Besonderes. Es ist immer wieder beeindruckend zu erleben, wie spirituell reich und gastfreundlich die Menschen sind, obwohl sie selbst ganz wenig haben.

Das Bild zeigt Peter Weigand bei dem Besuch einer afrikanischen Partnerkirche

Die partnerschaftlichen Beziehungen liegen Peter Weigand besonders am Herzen

Bild: Mission EineWelt

Ihre Nachfolge wird das Pfarrerehepaar Gabriele und Hanns Hoerschelmann antreten. Welche Aufgaben werden sie angehen müssen?

Peter Weigand: Ich denke, die kommende große Herausforderung ist der Dialog der Religionen. Dazu sind wir nicht nur durch Pegida etc. herausgefordert. Aus unserem christlichen Ethos heraus haben wir die Bringschuld, zusammen mit unseren Partnern die Diskussion mit anderen Religionen zu führen: Verstehen wir Religion als exklusiv oder inklusiv? Trauen wir es dem einen Gott zu, Gesicht und Gestalt zu gewinnen auch in anderen Menschen, Kulturen, Traditionen und Schriften? Dass wir Christen in der Person Jesu Gottes Liebe erleben durften, ist Geschenk und Chance zugleich,wodurch wir verpflichtet werden, auf andere Menschen liebevoll und offen zuzugehen.

Ihre Nachfolger kommen direkt aus dem Auslandsdienst in Asien - dort, wo die christlichen Kirchen stark wachsen. Ein guter Impuls?

Peter Weigand: Auf jeden Fall. Asien spielt nicht nur wirtschaftlich eine immer größere Rolle, sondern auch kirchlich. Derzeit sind in Asien zum Beispiel viele koreanische Missionare fundamentalistischer Ausrichtung aktiv. Fundamentalismus ist also in Asien ein gemeinsames Thema von Christen und Islam. Die beiden kennen die theologische und religiöse Szene Asiens gut, das ist von Vorteil. Und sie kennen durch ihre Lehrtätigkeit und Arbeit am Lutherischen Theologischen Seminar (LTS) in Hongkong die künftigen Funktionsträger vieler asiatischer Kirchen. Das kann für ein Partnerschaftszentrums wie Mission EineWelt auf jeden Fall schon mal nicht schaden...

Und Sie selbst? Haben Sie schon Pläne für die Zeit nach Mission EineWelt?

Peter Weigand: Natürlich werde ich einiges noch etwas im Ehrenamt, wie meine Mitarbeit im Vorstand des evangelischen Missionswerks in Hamburg weiter ausüben und auch an den kommenden Ereignissen – wie dem Luther-Jubiläum 2017 mit dazugehörigen Veranstaltungen mitarbeiten. Privat habe ich mir vorgenommen, Chinesisch zu lernen. Immerhin sprechen 1,3 Mrd Menschen – auch in zahlreichen unserer Partnerkirchen - diese Sprache. Außerdem möchte ich im Alter geistig fit bleiben.

Wohin geht die nächste Reise?

Peter Weigand: Voraussichtlich nach Kuba und Mexico, um alte Netzwerke und Kontakte zu pflegen. Meine erste internationale Liebe gilt Lateinamerika – fast zehn Jahre Auslandspfarramt in Brasilien, Chile und danach 14 Jahre als theolog. Referent für Lateinamerika im Kirchenamt der EKD in Hannover, haben mich halt doch sehr geprägt.


11.02.2015 / Anne Lüters / epd
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