Gedenktag für die Opfer von Deportation

Ein Tag der Erinnerung und Mahnung

Heimatvertriebene

Gedenkstätte der Ost-Westpreussen Stiftung in Oberschleißheim

Bild: Schinzel

Der "Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation", der am Sonntag erstmals in Bayern stattfindet, wird von zahlreichen evangelischen Heimatvertriebenen mit großem Ernst begangen.

Dieser Tag habe Symbolkraft betonte Sozialministerin Emilia Müller. Denn es werde "ein maßgebliches Zeichen für die Ächtung von Vertreibung und für die Wahrung der Menschenrechte" gesetzt. Es sei nicht hinnehmbar, dass Menschen aus ihrer Heimat vertrieben werden.

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs und in den Jahren danach seien Millionen Menschen in den historischen deutschen Ost- und Siedlungsgebieten Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation geworden. "Die Erinnerung an diese Ereignisse lebendig im Bewusstsein zu halten, sind wir den Opfern schuldig", sagte Müller weiter. Der Gedenkakt mit Ministerpräsident Horst Seehofer findet am 14. September um 12 Uhr in der bayerischen Staatskanzlei in München statt.

Ein Tag der Mahnung zur Wahrung der Menschenrechte

 "Dieser Gedenktag ist ein Beitrag zum demokratischen Bewusstsein in unserem Land und dient dem Auftrag der Völkerverständigung in Europa. Er relativiert nicht das Gedenken an andere Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und des Zweiten Weltkrieges. Er ist vielmehr ein Tag der Erinnerung und der Mahnung zur Wahrung der Menschenrechte, für Frieden und Freiheit", hieß es in der Proklamation für diesen Gedenktag, die der Ministerpräsident im vergangenen Jahr unterzeichnet hatte. Darin hatte Seehofer dazu aufgerfen, den Tag "jedes Jahr in würdiger Weise zusammen mit den Heimatvertriebenen, Aussiedlern und Spätaussiedlern in Bayern zu begehen.“

Heimatvertriebene sind heute auch in zahlreichen protestantischen Gemeinden in Bayern zu Hause. Nach dem zweiten Weltkrieg hätten auch evangelische Kirchengemeinden und Dekanate die schwierige Aufgabe gehabt, Hunderttausende von Menschen aufzunehmen und einzugliedern, erzählt Horst Schinzel von den Evangelischen Sudetendeutschen in Bayern. Erst nach und nach sei der Zuzug vertriebener Gemeindeglieder als Gewinn angesehen worden.

Starker Anstieg der Gemeindegliederzahlen

Durch die Zuwanderung von Protestanten aus den deutschen Ostgebieten, Ost- und Südosteuropa sei die Anzahl der evangelischen Christen in Bayern nach dem 2. Weltkrieg von etwa 1,6 Millionen auf rund 2.6 Millionen Gemeindemitglieder gestiegen, berichtet Schinzel. "Jedes 3. Gemeindeglied der ELKB hat seine Wurzeln in diesen Vertreibungs – und Migrantenfamilien. Bis dahin überwiegend einseitig-konfessionell geprägte Gebiete wurden auf einmal gemischt-konfessionell."

Auf dem Gebiet der bayerischen Landeskirche seien laut Schinzel damals 113 neue Kirchengemeinden gegründet und etliche Dekanate errichtet worden. Zudem seien zahlreiche Flüchtlingspfarrer und Diakone in den Dienst der ELKB übernommen worden. In Hof beispielsweise hätten sich nach Kriegsende 15.000 Heimatvertriebene niedergelassen. Dadurch sei die Bevölkerung um ein Viertel gewachsen. 

Eine Integrationsleistung

Der "Bayerische Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation" würdige zugleich die gelungene Integration und die Aufbauleistung der Heimatvertriebenen, Aussiedler und Spätaussiedler in Bayern, heißt es in der Proklamation zu diesem Tag.


13.09.2014 / epd / eigener Bericht