Internationaler Tag der Pflege

Dank für einen wertvollen Dienst

drei Hände

Zwei Hände, die eine dritte halten, zeigt die Karte, mit der sich die evangelische und katholische Altenheimseelsorge bei Pflegekräften bedanken.

Bild: Unglaub

Zum Internationalen Tag der Pflege (12. Mai) haben sich die Evangelische und Katholische Altenheimseelsorge wieder bei den Mitarbeitenden in den Altenpflegeheimen für ihren wertvollen Dienst bedankt.

Sie betreuen, dokumentieren, sorgen für das leibliche Wohl, pflegen Lebensräume und leisten vieles andere im Hintergrund. Diese und andere Dienste von Pflegekräften werden in der Gesellschaft oft nicht genügend wahrgenommen und honoriert. Deswegen hat die Evangelische und Katholische Altenheimseelsorge bereits zum fünften Mal am Tag der Pflege (12. Mai) die Arbeit von Mitarbeitenden in Betreuung, Pflege, Service und Verwaltung gewürdigt. Denn: "Fast alles, was Sie tun,  ist Handarbeit: Handarbeit mit Herz und Fachkompetenz", heißt es auf der Karte, die in diesen Tagen von Kirchen- und Pfarrgemeinden in Alten- und Pflegeheimen verteilt wurden und die Anlass sind für Begegnung und Gespräche.

Diakonie warnt vor Schlechterstellung pflegebedürftiger Menschen

Die Diakonie in Bayern indes warnte zum Tag der Pflege vor einer Schlechterstellung vieler Betroffener durch die geplante Reform des Pflegebedürftigkeitsbegriffes. Dies soll eine Studie belegen, die in dieser Woche vorgestellt wird. Medienberichten zufolge sollen etwa ein Drittel aller Pflegebedürftigen der Pflegestufen 1 und 2 nach der Reform des Pflegebedürftigkeitsbegriffes schlechter gestellt sein als bislang. Auch Pflegebedürftige, die in der momentan höchsten Stufe, der Stufe 3, angesiedelt sind, sollen dann weniger Leistungen erhalten als bislang. Davon wird dem Autor der Studie, dem Bremer Pflegewissenschaftler Heinz Rothgang zufolge, knapp jeder Zehnte weniger Leistungen beziehen als bislang.

„Wir haben immer darauf hingewiesen, dass wir die Beitragserhöhung für die Pflegeversicherung um einen halben Prozentpunkt nicht für ausreichend halten. Notwendig wäre auf jeden Fall die doppelte Summe gewesen“, beklagte Birgit Löwe vom Vorstand der Diakonie in Bayern. Sie fordert von der Großen Koalition, nach der Studie nicht wieder zum Tagesgeschäft überzugehen. Löwe: „Offensichtlich bleibt unsere Forderung nach besseren finanziellen Rahmenbedingungen in der Pflege auch nach der geplanten Reform aktuell.“

Der Pflegebedürftigkeitsbegriff legt fest, ob und in welchem Maße ein Mensch pflegebedürftig ist. Die Abstufung erfolgt bislang in drei Stufen, zukünftig sollen es fünf sein. Die Diakonie und anderen Verbände fordern seit Jahren seine Überarbeitung, da er bislang nur die körperlichen Einschränkungen zur Beurteilung der Pflegebedürftigkeit berücksichtigt; geistige Einschränkungen wie eine dementielle Erkrankung spielen keine Rolle.

Pflegetruck der Pflegekampagne in Erlangen

Weiterhin tourt der Pflegetruck durch Bayern, um die Situation der Pflege ins Gespräch zu bringen. Nach Erlangen (im Bild), Aschaffenburg, Regensburg, Augsburg und Fürth, wird er zum Tag der Pflege in Kronach zu Gast sein.

Bild: Pflegekampagne

Nürnberg: Demonstration für bessere Rahmenbedingungen

Unter dem selbstbewussten Motto "Wir pflegen Franken" gehen am 12. Mai Altenpflegerinnen und Altenpfleger in Nürnberg auf die Straße. Damit wollen Mittelfrankens Wohlfahrtsverbände unübersehbar auf die tatsächliche Bedeutung der Pflege für die Gesellschaft aufmerksam machen und bessere Rahmenbedingungen fordern. Das Thema genieße in der Öffentlichkeit nicht genügend Aufmerksamkeit, betont der Geschäftsführer des Caritasverbandes Nürnberger Land und Sprecher der Veranstalter, Michael Groß. "Wir müssen auf die Straße gehen, weil es sonst keiner tut."

Die Demonstration, die um 14 Uhr an der Lorenzkirche beginnt, wolle, so Groß, "lautstark darauf hinweisen, dass die Altenpflege ein gesellschaftliches Kernthema ist, das zu Unrecht oft vernachlässigt wird." In Bayern leben gegenwärtig 320.000 pflegebedürftige Menschen. Die steigende Lebenserwartung legt nahe, dass die Zahl bis 2030 um über 50 % anwächst. Jeder zweite Über-90-Jährige ist auf Pflege angewiesen. Eine große Rolle spielen dabei Demenzerkrankungen. Für 2050 prognostiziert die Forschung 3 Millionen Demenzpatienten in Deutschland. Vor diesem Hintergrund sagen Pflegekräfte über ihre Funktion in der Gesellschaft: „Wir sind Leistungsträger“.

Eine wesentliche Forderung der Demonstranten richtet sich auf eine bessere Finanzierung der Altenpflege. Seit Einführung der Pflegeversicherung 1995 wurden deren Leistungen lediglich um 8,2 % angehoben, während allein der Inflationsausgleich eine Erhöhung um 42,6 % erfordert hätte. "Diese 'Einsparungen' erfolgen auf dem Rücken der Pflegebedürftigen", betont Groß. "Denn sie müssen immer mehr selbst für die Pflege zahlen." Besonders prekär sei die Situation in der ambulanten Pflege. Trotz jahrelanger Verhandlungen und trotz eines Transparenzverfahrens, in dem die Wohlfahrtsverbände ihre Kosten schonungslos offenlegten, verweigerten die Kranken- und Pflegekassen nach wie vor leistungsgerechte Entgelte.

Menschliche Zuwendung ist im System nicht vorgesehen

Daraus resultiert ein weiteres Problem, das die Demonstranten anprangern wollen: das enge Zeitkorsett. 5 Minuten für die Zahnpflege oder 6 Minuten für die Hilfe beim Toilettengang sind, so Groß, "Vorgaben, die bei einem Menschen, der nicht mehr selbst mitwirken kann oder sich aufgrund einer Demenz nicht mehr richtig orientiert und womöglich sogar gegen die Hilfe stemmt, nicht zu erfüllen sind." Menschliche Zuwendung sei im System schon gar nicht vorgesehen. Daher lautet eine Forderung: „Wir wollen mehr Zeit zum Pflegen“. Denn dies entspricht dem Selbstverständnis der bei den Wohlfahrtsverbänden tätigen Menschen: „Wir wollen Pflege mit Leib und Seele“.

Der Aktionstag wird von der Bezirksarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtsverbände Mittelfranken veranstaltet. Ihr gehören Arbeiterwohlfahrt, Bayerisches Rotes Kreuz, Caritas, Diakonie und der Paritätische Wohlfahrtsverband an. Die Altenhilfeträger dieser fünf Verbände versorgen in Mittelfranken mit etwa 11.000 Mitarbeitern rund 26.000 Menschen in Pflegeheimen, in Tagespflege oder zu Hause durch ambulante Dienste.


11.05.2015 / ELKB
drucken