Spendenaufruf für Nepal

"Es ist ein Kampf gegen die Zeit"

Zwei Kinder vor einem zerstörten Haus in Nepal

Zwei Kinder verkaufen Obst vor einem völlig zerstörten Haus. Es wird viele Monate dauern und enorme Mittelzuwendungen brauchen, bis hier Normalität einkehrt und die Bewohner sich wieder selbst versorgen können.

Bild: Farnbacher

Zerstörte Häuser, Menschen in Panik - der Bericht von Mission-EineWelt-Referent Traugott Fahrnbacher, der mit einer Delegation in Nepal unterwegs ist, zeugt von dem schweren Ausmaß des Erdbebens.

Zusammen mit Professor Andreas Nehring von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen und dem Bischof der Lutherischen Kirche von Malaysia (LCM), Aaron Yap,  besucht Farnbacher, der bei Mission EineWelt für den Kontakt zu Papua-Neuguinea, den Pazifikraum und Ostasien zuständig ist, derzeit die Evangelisch-Lutherische Kirche von Nepal (NELC). Die Begegnung soll die Solidarität mit den Christen von Nepal zum Ausdruck bringen, deren Mitglieder zu den „low cast Dhalit“ mit ihrem sehr geringen Rechts- und Sozialstatus gehören.

Über die Situation vor Ort schreibt Farnbacher:

"Heute am 12.Mai mittags wurden wir vom aktuell letzten Erdbeben mit der Stärke 7.3 heimgesucht, während wir in der Finnischen Evangelisch-Lutherischen Missions-Zentrale in Kathmandu über deren Engagement und Eventualitäten einer Kooperation sprachen. Umgehend und panikartig flohen Zehntausende aus der Stadt, das Geschäftsleben erlahmte erneut völlig. Dutzende starben, und etwa 12.000 Menschen wurden verletzt – in einer Region östlich Richtung Mount Everest, ein bekanntes Dorf nahebei kollabierte zu fast 100 Prozent."

Es bleiben nur noch Steinhaufen

"Tag und Nacht hören wir die Hilfsflüge starten/landen. Heute wurde das von uns gestern besuchte Bhaktapur zu nun etwa 90 Prozent zerstört; wo wir gestern noch Menschen das Nötigste herausholen sahen, sind auch jetzt nur Steinhaufen geblieben. Damit ist bis heute die Zahl der teil- oder ganz zerstörten Häuser in Nepal auf fast 600.000 angestiegen! Allüberall sehen wir Zeltlager für zahlreiche Menschen, die auch diese Nacht im Freien verbringen wollen – auch die von uns besuchten Finnen. Wir hoffen, dass unser Hotel trotz mancher Risse auch diese Nacht stehen bleibt.

Informationen zum Thema

Spendenkonto Nepal

Diakonie Katastrophenhilfe, Berlin,

Spendenkonto 502 502 Evangelische Bank, BLZ 520 604 10

IBAN: DE6852 0604 1000 0050 2502

BIC: GENODEF1EK1.

Stichwort: Nepal Erdbebenhilfe

www.diakonie-katastrophenhilfe.de

Die Erdbeben-Katastrophe habe bekanntlich gerade arme Bevölkerungsgruppen, besonders in ländlich abgeschnittenen Gebieten hart betroffen, so Farnbacher, ebenso aber auch im Großraum von Kathmandu mit einer fragilen Struktur älterer Häuser. "Wir sehen Dutzende von Hilfsorganisationen aus aller Welt, unser Hotel ist Kommandostelle von Militärs verschiedenster Länder im Zivileinsatz, christliche und auch andersreligiöse Hilfswerke nutzen Kathmandu als Operationszentrale - um sich mit großem Einsatz um Sofort- und Wieder-Aufbau zu bemühen. "Unvorstellbar" sei das Ausmaß der Verwüstung im Altstadt-Zentrum der Hauptstadt, das zum UNESCO Weltkultur-Erbe zählt. Farnbacher: "Im religionsgeschichtlich bekannten, schönen Ort Bhaktapur unweit von Kathmandu bot sich uns ein erschütterndes Bild, wie das Disaster 70 % der Häuser völlig verwüstet hat. Ähnlich muss es am Ende des 2. Weltkriegs in vielen Gemeinden und Städten Deutschlands ausgesehen haben. „Trümmerfrauen“ und Familien versuchen aus den Stein- und Schutthaufen irgendetwas zu retten; viele wohnen im Freien – wobei jetzt der Monsunregen einsetzt, der, verbunden mit schweren Gewittern allein in der letzten Nacht einigen Menschen hier das Leben gekostet hat. Es wird viele Monate dauern und enorme Mittelzuwendungen brauchen, bis hier Normalität einkehrt und die Bewohner sich wieder selbst versorgen können. Zu unserem großen Erstaunen ist hier keine der eingereisten Hilfsorganisationen am Werk – es gibt einfach zu viel zu tun.

Überdurchschnittlich viele Christen betroffen

Der Pazifikreferent berichtet, dass bis auf Weiteres viele Gemeinden ihre Zukunft selber meistern müssten – "eine unvorstellbar schwere Aufgabe für diese armen Menschen, deren Einkommen überwiegend aus Zuweisungen ihrer Gastarbeiter in ihren Einsatzländern Asiens besteht." Nur die mit der NELC verbundene Organisation „Transformation Nepal“ habe ein sehr bedachtes Versorgungs- und Wiederaufbau-Programm in enger Kooperation mit lokalen Führungskräften begonnen. Dies werde von Pfarrer Mukunda Sharma leitend koordiniert, der 2014 an der Summer School von Mission EineWelt teilgenommen habe. Obwohl nur 3 Prozent der Bevölkerung Nepals christlich seien, befänden sich etwa 3000 Christen unter den bislang offiziell erfassten etwa 10.000 Erdbeben-Opfern. Am Tag der Katastrophe - einem Samstag - hätten die nepalesischen Christen in ihren Kirchen Gottesdienst gefeiert. "Ein einziger Kirchenraum am Rand von Kathmandu begrub im Nu etwa 200 Menschen unter sich."

Es sei äußerst sinnvoll, die Katastrophen-Hilfe an der sich auch die Diakonie und Act Alliance beteilige, mit Spenden zu unterstützen, so Farnbacher. "Transforming Nepal sowie der Weltdienst des Lutherischen Weltdienstes sind neben vielen anderen Hilfswerken hoch engagiert."


13.05.2015 / ELKB
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