Für ein weltoffenes Allgäu

Solidaritätsschweigen in Immenstadt

Gottesdienstbesucher bilden ein symbolisches Schutzschild um das Gemeindehaus in Immenstadt, in dem gerade Kirchenasyl gewährt wird.

Gottesdienstbesucher bilden ein symbolisches Schutzschild um das Gemeindehaus in Immenstadt, in dem gerade Kirchenasyl gewährt wird.

Bild: Pau

Anlässlich der fremdenfeindlichen Aktion an der Erlöserkirche setzen Immenstädter gemeinsam mit Kirchenvertretern ein gemeinsames Zeichen gegen Hass, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsradikalismus.

Unbekannte hatten in der Nacht zum Dienstag am Gemeindehaus und am Pfarramt der evangelischen Erlöserkirche in Immenstadt Aufkleber mit fremdenfeindlichen Parolen angebracht. Sie zerstörten außerdem die Buchstaben des Schriftzugs "Menschlichkeit", den Immenstädter Konfirmandinnen und Konfirmanden vor der Kirche aufgestellt hatten, berichtete der Pfarrer der Erlöserkirche, Ulrich Gampert, am Dienstag und rief zu einem Solidaritätsschweigen anlässlich der fremdenfeindlichen Aktion an der Erlöserkirche in Immenstadt auf.

Regionalbischof Michael Grabow, Dekan Jörg Dittmar und Pfarrer Ulrich Gampert beteiligten sich an dem Solidaritätsschweigen vor der Erlöserkirche in Immenstadt. Regionalbischof Grabow verurteilte die fremdenfeindliche Aktion: „Ich bin froh, dass wir uns heute Abend alle hier vor der Erlöserkirche versammelt haben und damit gemeinsam für ein tolerantes, vielfältiges und weltoffenes Allgäu einstehen. Die Menschlichkeit einer Gesellschaft basiert auf der Anerkennung von Vielfalt und Unterschiedlichkeit. Lassen Sie uns daher weiter vehement für die Würde aller Menschen eintreten, ganz besonders aber für diejenigen, die als Flüchtlinge und Asylsuchende zu uns aus den Konflikt- und Krisenregionen der Welt kommen und Schutz begehren.

Zitat

Gegen alle Ausländerhetze setzen wir unsere Botschaft der Menschlichkeit. Gegen jede Ausgrenzung setzen wir unser solidarisches Handeln für Menschen in Not und Traumatisierung. Gegen alle Ausgrenzung von Menschen, die bei uns Zuflucht suchen, singen wir das Lied von der Menschenfreundlichkeit Gottes.
Gegen laute Hassparolen beten wir im Schweigen für den Frieden in unsrem Land. Gegen alle Anfeindungen gegen Menschen anderer Hautfarbe, Kultur und Herkommen sagen wir diesen Menschen ein Willkommen.

Regionalbischof Michael Grabow

"Bei uns im Kirchenkreis Augsburg und Schwaben ist kein Platz für Hass, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsradikalismus", so Grabow weiter. "All diesen Tendenzen müssen wir uns, wie heute Abend, vehement entgegenstellen und für ein offenes und tolerantes Bayern eintreten."

Auch Dekan Dittmar bezog Stellung zu dem aktuellen Vorfall: „Die Kirchenasyle in Immenstadt sind Ausdruck von Nächstenliebe und bürgerlicher Courage. Dafür stehen wir als Evangelische im Allgäu ein. Mit meinem Stellvertreter, Pfarrer Joachim Spengler, dem Schulbeauftragten, den Senioren und den Regionalsprechern zeigen wir hier heute Abend: Wir unterstützen eine menschliche und christliche Willkommenskultur für alle, die als Flüchtlinge zu uns kommen. Dumme Sprüche und dumpfe Gewalt einzelner Chaoten halten uns nicht davon ab, uns den Herausforderungen, Aufgaben und Problemen zu stellen, die jetzt mit den Kommunen und allen Bürgern zu lösen sind, wenn so viele Menschen bei uns Schutz suchen. Diesen Schutz müssen wir gewähren können. Alles andere wäre eine Schande.“

In der Kirchengemeinde gibt es seit Mitte Mai ein Kirchenasyl. Zunächst hatten drei Menschen Zuflucht gesucht. Derzeit sei noch eine Frau dort untergebracht, erläuterte Gampert. Fremdenfeindliche Aufkleber seien in der Nacht auch am Immenstädter Wohnheim für Asylbewerber angebracht worden, sagte der Pfarrer. Gampert schloss nicht aus, dass es in Immenstadt zu weiteren rechtsradikalen Aktionen kommen könnte. Er habe "schon ein flaues Gefühl im Magen, weil man nicht weiß, was diese Menschen noch vorhaben", sagte der Pfarrer.


22.07.2015 / ELKB