Wort zu Karfreitag 2015

"Sie werden gewiss, dass er lebt"

Kreuz auf einem Berg

Wort zu Karfreitag: Mit ihren Gedanken zum Feiertag lädt die Bayreuther Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner zum Innehalten ein.

Bild: © iStockPhoto / rickschroeppel

"Der gekreuzigte Jesus ist auch inmitten der schrecklichen Bergungsarbeiten": in ihrem "Wort zu Karfreitag" bezieht sich die Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner auf den Airbus-Absturz.

"Zutiefst erschütternd und verstörend waren die Nachrichten zum Absturz der Germanwings-Maschine vor einigen Tagen. Zumal, wenn tatsächlich seelische Probleme des Co-Piloten ursächlich gewesen sein sollen. Das Grauen macht sprachlos.

Erschüttert und verstört waren die Freunde und Freundinnen Jesu, als er hingerichtet wurde und elend am Kreuz starb. Sie trauerten tief. Am dritten Tag nach seinem Tod gingen Frauen zum Grab. Ein leeres Loch gähnte ihnen entgegen. Er sei auferstanden, verkünden ihnen die Engel in der leeren Grabhöhle. Die erste Ostergeschichte, die der Evangelist Markus erzählt, endet mit den Worten: "Zittern und Entsetzen hatte sie (die Frauen) ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich." Ein neues, anderes Entsetzen macht sie sprachlos. Es wendet sich in Freude, als der Auferstandene ihnen begegnet. Sie erkennen ihn und werden gewiss, dass er lebt.

In unseren Tagen erscheint mir die Passions- und Ostergeschichte, die von der zweifachen Verstörung - erst durch den Tod und dann durch die Auferstehung Jesu - erzählt, so wichtig. Wie die Freunde und Freundinnen Jesu verdrängen wir Grauenvolles, zutiefst Trauriges nicht. Es ist gut, wenn wir Menschen haben, mit denen wir darüber reden können, ohne Sensationslust, sondern mit unserer echten Betroffenheit über das, was in der Welt geschieht: in Syrien, in Frankreich und vielleicht auch in unserem eigenen Umfeld.

Und gerade, wenn wir all das Leid nicht verdrängen, brauchen wir so dringend diese zweite Verstörung, die uns wieder herausholt aus der Traurigkeit und dem Entsetzen über diese Welt: Nein, der Tod hat nicht das letzte Wort; Hass und Verzweiflung werden am Ende nicht siegen. Der Gekreuzigte ist auferstanden. Er ist bei den Menschen, die inmitten der schrecklichen Bergungsarbeiten zu ihm beten und bei den Familien und Freunden und Freundinnen der Opfer. Auch unsere Verstorbenen befehlen wir ihm an und uns selbst. Wir begehen Karfreitag; und doch kommt Ostern. Mitten in die Trauer sagt der Engel: Jesus lebt."


03.04.2015 / Dorothea Greiner / bereitgestellt von epd
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