28. Evangelischer Kirchbautag

"Lebendiger Dialog mit der Stadtkultur"

Die Auferstehungskirche in Wolnzach

Die Auferstehungskirche in Wolnzach wurde 2008 eingeweiht. Das kreuzförmige Fenster entfaltet bei Nacht eine beinahe magische Außenwirkung.

Bild: Marianne Heil

Mit einem Gottesdienst ist der 28. Kirchbautag zu Ende gegangen. Sakralbauten trügen zur Identität der Gesellschaft bei, betonte Regionalbischöfin Breit-Keßler in der Abschlusspredigt.

600 Besucher aus dem In- und Ausland, darunter Architekten, Künstler und Verantwortliche für Kirchenbau und Stadtentwicklung waren vom 9. bis 12. Oktober zu Gast in München. Sie nahmen teil am „28. Evangelischen Kirchbautag“, einer Fachtagung zum Thema „Evangelisch präsent – Kirche gestalten für die Stadt“, zu der die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) eingeladen hatte.

Kunstpreis an Ehepaar Lutzenberger

Zahlreiche Veranstaltungen - von Führungen über Ausstellungen und Workshops bis zu hochkarätigen Vorträgen und Konzerten waren den Besuchern geboten. Aber auch in der Altstadt Münchens waren Spuren des Kirchbautags zu sehen: So zeigte beispielsweise eine Installation von Architektur-Studenten der TU München und Theologie-Studierende aus Marburg unter dem Motto "Stadtmöbel" liturgische Sitzkonstellationen. Einer der Höhepunkte war die Verleihung des mit 5.000 Euro dotierten neunten Kunstpreises der bayerischen Landeskirche an das Künstlerehepaar Susanna und Bernhard Lutzenberger für ihre Gestaltung von Altar und Ambo in der St. Annakirche in Augsburg.

Regionalbischöfin: Botschaft durch den Raum verkündigen

In ihrer Predigt in der Münchner St. Lukas-Kirche zum Abschluss des Kirchbautags sprach Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler von einem "Lebendigen Dialog", in den Kirchen mit der Stadtkultur einträten. Gerade in St. Lukas könne man das erleben. "Hochkultur und diakonisches Engagement gehen Hand in Hand. So soll es sein." Die christliche Bauten zeigten die christliche Haltung, s de Regionalbischöfin: "Wir sind mitten drin in des Dorfes und der Stadt Getümmel und Gewimmel. Unsere Kirchengebäude brauchen achtsames architektonisches und künstlerisches Gespür, um die Botschaft des Evangeliums nicht allein durch Worte und Musik, sondern auch durch den Raum zu verkündigen."

Kunst könne "Sprache der Religion" werden, "in dem sie die Betrachtenden aufstört oder vergewissert, verunsichert oder befreit, ihnen zur Er-Leuchtung verhilft oder manches im Ungewissen lässt." Kunst könnte wie Kirche vor dem Hintergrund alltäglicher Verpflichtungen einen außergewöhnlichen, unerwarteten Raum völliger Funktionslosigkeit bedeuten, sie demonstriere Freiheit in einer Welt der Funktionen; "in christlicher Sprache ausgedrückt die Freiheit des Geistes Gottes."

Die Rolle der Kirchenräume

Bereits in seiner Eröffnungspredigt in der St. Matthäuskirche München hatte Landesbischof Bedford-Strohm die besondere Anziehungskraft von Kirchen für alle Menschen gewürdigt – auch für jene, die mit Religion sonst eher wenig im Sinn hätten.

Mehr zum Thema

Alle Menschen, unabhängig davon ob sie glaubten oder nicht, so Landesbischof Bedford-Strohm, „wissen, dass Dörfer und Städte eine Seele brauchen. Und sie wissen auch in einer religiös und weltanschaulich pluralistischen Gesellschaft, wo sie diese Seele finden“: in einer Kirche. „Vielleicht“, sagte Bedford-Strohm, „besuchen die Menschen, die sich spontan in eine offene Kirche setzen, nie einen Gottesdienst. Aber sie wissen, wo sie hingehen müssen, um zur Ruhe zu kommen, um Atem zu holen, um Segen zu tanken. Sie wissen oder spüren, dass diese Kirche ein Ort ist, an dem gepredigt wird, an dem von der Liebe Gottes die Rede ist, die jedem Menschen gilt, und sie hören, wenn sie da so auf der Kirchenbank sitzen, etwas vom Nachklang dieser Worte.“

"In Steine gefasste frohe Botschaften"

Insofern teilten „Menschen, die eigentlich völlig unkirchlich sind und vielleicht mit Religion gar nichts am Hut haben“ dieselbe Liebe zu den Gotteshäusern. „Deswegen“, bekräftigte der Landesbischof, „ist es so gut, dass wir jetzt in diesen Tagen hier in München dem nachspüren dürfen, wie neue Kirchenbauten oder die Neugestaltung alter die Kraft des Evangeliums ausstrahlen können und zur in Steine gefassten frohen Botschaft werden können. Die Einsendungen für den diesjährigen Kirchbaupreis haben eindrucksvoll gezeigt, wie vielfältig die Wege dazu sind.“

Der „Evangelische Kirchbautag“ wurde 1949 auf Vorschlag von Prof. Otto Bartning und Prof. Oskar Söhngen, dem damaligen Vizepräsidenten der Kirchenkanzlei der Evangelischen Kirche der Union gegründet. Seine organisatorische Heimat hat der Kirchbautag – als freier Zusammenschluss von Architekten, Theologen, bildenden Künstlern und anderen Personen, die sich für den evangelischen Kirchenbau engagieren – über fünf Jahrzehnte unter dem Dach der Union Evangelischen Kirchen (UEK) gefunden, 2006 ist der Evangelische Kirchbautag organisatorisch zur EKD übergegangen. Seit der Gründung haben 26 Kirchbautagungen an stets wechselnden Orten stattgefunden, immer auf Einladung der jeweils gastgebenden Landeskirche.

10.10.2014 / ELKB / Poep