Predigten zum Reformationstag

Gottes Liebe an Flüchtlinge weitergeben

Lutherrose aus der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde Sao Lucas in einem Stadtteil von Porto Alegre, Brasilien.

Bayerns Regionalbischöfinnen und Regionalbischöfe feierten den Reformationstag in ganz unterschiedlichen Gemeinden.

Bild: elkb

Was für eine Bedeutung haben die Einsichten Martin Luthers heute? Diese Frage stellten sich am Reformationstag die bayerischen Regionalbischöfinnen und -bischöfe in ihren Festpredigten.

Zur evangelischen Selbstbesinnung haben am Reformationstag, 31. Oktober wieder zahlreiche Kirchengemeinden und Dekanate in Bayern aufgerufen. Sie erinnerten dabei an die Reformation durch Martin Luther, der seine 95 Thesen am 31. Oktober 1517 an die Tür der Wittenberger Schlosskirche angeschlagen haben soll. Indem er kirchliche Missstände wie den Ablasshandel öffentlich anprangerte, wollte er die Kirche erneuern und sie zur Botschaft des Evangeliums zurückführen.

Im Mittelpunkt der Predigten zum Reformationstag haben 2015 die Solidarität und Hilfe für Flüchtlinge gestanden. Denn, so Regionalbischöfin Gisela Bornowski in der Ansbacher Johanniskirche: "Wer selbst weiß, wie sehr er von Gott geliebt wird, will diese Liebe auch gerne weitergeben." Hier eine Zusammenstellung einiger Predigten.

"Große reformatorische Kraft"

Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner,© Heike Rost
 Die Hilfsbereitschaft vieler Kirchengemeinden bei der Aufnahme von Flüchtlingen würdigte Bayreuths evangelische Regionalbischöfin Dorothea Greiner. "Unsere christlichen Gemeinden zeigen in der Gegenwart große reformatorische Kraft", sagte Greiner bei einem Gottesdienst in Rehau. Die erbärmlichste Politik wäre eine Politik ohne Erbarmen für Menschen in Not. "Wer im Glauben daheim ist, kann anderen Heimat bieten", sagte Greiner. In Christus gegründete Menschen hätten eine reformatorische Kraft für die Gesellschaft.

Die Empathie nicht verlieren

Regionalbischöfin Gisela Bornowski,© (c) Kirchenkreis Ansbach-Würzburg
In der Ansbacher St. Johanniskirche appellierte die Regionalbischöfin des Kirchenkreises Ansbach-Würzburg Gisela Bornowski an die Christen, ihre "Mitleidsfähigkeit" für die Flüchtlinge nicht aufzugeben. Die "Krise" brauche europäische Lösungen, Hilfe in den Herkunftsländern der Flüchtlinge und Unterstützung in den großen Flüchtlingslagern in den benachbarten Ländern, sagte Bornowski. "Wir dürfen unsere Mitleidsfähigkeit nicht aufgeben. Wir sollen berührbar bleiben!" Die Botschaft passe gut zum Reformationstag, so die Regionalbischöfin: "Wer selbst weiß, wie sehr er von Gott geliebt wird, will diese Liebe auch gerne weitergeben." 

Vortrag in Dinkelsbühl

Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel,© (c) ELKB / Rost
Auch Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel sprach zum Reformationstag. Bei einem Vortrag vor der Dekanatssynode in Dinkelsbühl warnte sie vor einer "Pessimismusfalle" als derzeit größte Gefahr für die Kirche. Der häufige Blick auf Statistiken und Kirchenaustrittszahlen "paralysiert uns", sagte Preidel. "Wir trauen uns nicht zu, unter Bedingungen, die sich ändern, uns auch als Kirche zu verändern und ein lebenswerter, zukunftsfähiger Ort zu werden." Dabei könnte gerade der ländliche Raum als ein "Raum der Freiheit und des Pioniergeists, als ein Raum für technische, soziale, wissenschaftliche und - ja! - auch für kirchliche Experimente" gesehen werden.

Den einzelnen Menschen sehen

Regionalbischof Michael Grabow,© Kirchenkreis Augsburg
Der Augsburger Regionalbischof Michael Grabow rief im Reformationsgottesdienst in Nördlingen dazu auf, in den Flüchtlingsströmen den einzelnen Menschen nicht aus den Augen zu verlieren. „Wir müssen der Versuchung widerstehen, uns angesichts der massiv gestiegenen Zahlen an eintreffenden Flüchtlingen von Statistiken in den Bann ziehen zu lassen", sagte der Regionalbischof. Denn jeder einzelne Flüchtling habe sich wegen einer ganz persönlichen Situation der Verfolgung und der Not auf den Weg gemacht. 

"Eine segensreiche Entwicklung"

Regionalbischof Hans-Martin Weiss,© Kirchenkreis Regensburg
Auf theologische Kernpunkte der Reformation ging der Regensburger Regionalbischof Hans-Martin Weiss bei einem Gottesdienst in Sulzbach-Rosenberg ein. Vieles sei durch die Reformation erreicht worden, was allen Christen zugutekomme. "Die Reformation ist kein Betriebsunfall der Kirchengeschichte, sondern eine segensreiche Entwicklung, die bis heute nachwirkt," sagte der Regionalbischof.


02.11.2015 / epd