Landesbischof bleibt Ratsvorsitzender

Mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt

Landesbischof Bedford-Strohm und Annette Kurschus kurz nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses

Sekunden nach der Bekanntmachung des Ergebnisses: Die Überraschung steht ihm ins Gesicht geschrieben - mit so einer großen Zustimmung hätte Heinrich Bedford-Strohm nicht gerechnet. Links neben ihm die stellvertretende Ratsvorsitzende Annette Kurschus

Bild: ELKB

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm steht weiter an der Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland. Bei der Synodentagung in Bremen fuhr der 55-Jährige ein überaus deutliches Wahlergebnis ein.

Heinrich Bedford-Strohm erhielt 124 von 125 abgegebenen Stimmen. Es gab eine Nein-Stimme. Der lutherische dankte sichtlich bewegt für die Zustimmung. Er sei "völlig überwältigt" von dem Wahlergebnis, das ihm "riesigen Rückenwind" für die anstehenden Aufgaben gebe.

Bedford-Strohm ist seit 2011 bayerischer Landesbischof, dem Rat der EKD gehört er seit 2013 an. Den Ratsvorsitz hatte er im vergangenen Jahr übernommen, nachdem Nikolaus Schneider wegen einer Erkrankung seiner Frau Anne zurückgetreten war. Nun wurde Bedford-Strohm turnusgemäß für sechs Jahre zum obersten Repräsentanten der 22,5 Millionen deutschen Protestanten gewählt.

Zitat

Die EKD hat mit dem bayerischen Landesbischof einen Mann an der Spitze, der zugleich fromm, eloquent und energisch das Wort nimmt, um vor allem den Schwachen und Stummen in ihrer Hilfsbedürftigkeit und Not eine kräftige Stimme zu geben."

Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler

Der Theologe hatte sich in den zurückliegenden zwölf Monaten immer wieder in öffentliche Debatten eingemischt. Nach seiner Wahl am Mittwoch äußerte Bedford-Strohm Kritik an der deutschen Flüchtlingspolitik: "Ich erlebe viel Unklarheit." Vieles erscheine "auf den ersten Blick nicht plausibel und in seinen Konsequenzen nicht wirklich durchdacht". Im Umgang mit Flüchtlingen solle die Empathie im Mittelpunkt stehen. "Wir müssen uns immer im Klaren darüber sein, dass diese Menschen aus Notsituationen kommen", betonte er.

Zahlreiche bayerische Kirchenvertreterinnen und Vertreter gratulierten dem alten und neuen Ratsvorsitzenden. Die Präsidentin der bayerischen evangelischen Landessynode, Annekathrin Preidel, bezeichnete Bedford-Strohm als herausragenden Theologen und Sozialethiker und menschenzugewandt. Mit seinem großartigen Einsatz für Frieden und Menschlichkeit sowie seinem diplomatischem Geschick auch auf dem politischen Parkett habe er gezeigt, dass er der richtige Mann ist, um der EKD Profil zu geben.

Bedford-Strohms Ständige Vertreterin, die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, sagte: "Die EKD hat mit dem bayerischen Landesbischof einen Mann an der Spitze, der zugleich fromm, eloquent und energisch das Wort nimmt, um vor allem den Schwachen und Stummen in ihrer Hilfsbedürftigkeit und Not eine kräftige Stimme zu geben." Es sei ein "zukunftsweisendes Zeichen der Kontinuität", dass Bedford-Strohm erneut zum Ratsvorsitzenden gewählt wurde.

Auch aus der Politik Bundespräsident kamen Glückwünsche. Joachim Gauck schrieb in seiner Gratulation an den Ratsvorsitzenden, das Wahlergebnis "macht deutlich, wie sehr die Synode Ihre bisherige Amtsführung schätzt". Er wünschte "Geschick und Gottes Segen". Für die katholische Kirche gratulierte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx. Er freue sich, wenn er sich weiter mit Bedford-Strohm in der Öffentlichkeit zu Wort meldet, "ob gelegen oder ungelegen". Mehr als je zuvor werde es "notwendig sein, dass die Kirchen gemeinsam ihre Position nach außen vertreten".

Zur Stellvertreterin wurde die 52 Jahre alte westfälische Präses Annette Kurschus gewählt. Im Gegensatz zu Bedford-Strohm war Kurschus am Dienstag erstmals in den Rat der EKD gewählt worden. Bei der Wahl zur stellvertretenden Vorsitzenden erhielt sie am Mittwoch 118 von 125 Stimmen.

Vor Bedford-Strohm und Kurschus warten zahlreiche Aufgaben. Zum einen gilt es, auf den anhaltenden Mitgliederrückgang in der evangelischen Kirche zu reagieren, der in den nächsten Jahren auch zu sinkenden Steuereinnahmen führen wird. Zum anderen blicken die Protestanten auf das 500. Reformationsjubiläum in zwei Jahren voraus. Das Jubiläum geht zurück auf die Veröffentlichung der 95 Thesen durch Martin Luther im Jahr 1517, die als Ausgangspunkt für die weltweite Reformation gilt.


12.11.2015 / epd
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