Pflegekampagne startet in München

Für 100% liebevolle Pflege

Von München aus startet der Pflegetruck der Kirchen durch 30 Städte in Bayern. Axel Mölkner-Kappl über die Eröffnung der Kampagne "Pflegehinweis 2015".

Um für die Bedeutung der Pflege zu sensibilisieren tourt bis Oktober ein "Pflegetruck" durch Bayern. Mit einem ökumenischen Gottesdienst wurde die Kampagne "für 100% liebevolle Pflege" eröffnet.

Der Beruf der Pflegerin und des Pflegers könnte so schön sein - das zeigten im Eröffnungsgottesdienst der ökumenischen "Pflegekampagne" Aussagen von Pflegeschülerinnen und -schülern sowie Pflegekräften. "Ich möchte Menschen helfen und bin überzeugt davon, dass ich das am besten in der Pflege kann", sagt Wolfgang Zettel, der an der Caritas Berufsfachschule Altenpflege lernt. Dabei möchte er sich viel Zeit zum Zuhören nehmen, "weil sie viel zu erzählen haben. Auch Siglinde Burg, Altenpflegerin in der Diakonie, kann sich keinen anderen Beruf vorstellen, "der mehr Sinn stiftet". Außerdem freut sie sich daran, täglich ihr Fachwissen einbringen zu können und natürlich auch an ihrem sicheren Arbeitsplatz.

Zitat

Das Kernproblem der heutigen Pflege ist die knappe Zeit. Gerade das, was der Pflege die menschliche und christliche Note gibt – ein kurzes Gespräch, Anteilnehmen am persönlichen Ergehen, ein Vaterunser – bleibt beim hohen Zeitdruck allzu oft auf der Strecke."

Diakoniepräsident Michael Bammessel

Wenn da nicht auch das Andere wäre. Die Pflegerinnen und Pfleger berichten von mangelndem Respekt für ihre Arbeit und immer wieder von engen Zeitvorgaben, die es ihnen unmöglich machen, ihre Vorstellung von guter Pflege zu praktizieren. "Nehmen wir nur die Zeitmaße, die für einfache Leistungen der Grundpflege angerechnet werden", erläutert Diakoniepräsident Michael Bammessel, "Zahnpflege 5 Minuten, Kämmen 1 – 3 Minuten, Hilfe beim Toilettengang 6 Minuten, Richten der Kleidung 2 Minuten. Doch bei einem Menschen mit Pflegestufe 3 – also jemandem, der körperlich nicht in der Lage ist mitzuhelfen - oder bei einem Menschen, der sich aufgrund einer Demenz nicht mehr richtig orientiert und womöglich sogar gegen die Hilfe stemmt – kann ein solcher Minutentakt für beide Beteiligten zum puren Stress werden."

Liebevolle Pflege ist eine Sache der Menschenwürde - darin sind sich evangelische und katholische Kirche zusammen mit ihren großen Sozialverbänden, der Diakonie und der Caritas einig. Um darauf aufmerksam zu machen, haben sie den "Pflegehinweis 2015" ins Leben gerufen - erstmals gemeinsam, wie Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm betont. Mit einem 14 Meter langen "Show-Truck", der bis Oktober alle Regierungsbezirke durchwandert, soll die Pflege in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt werden, wie Detlev Bierbaum, zuständiger Oberkirchenrat im Landeskirchenamt, erklärt. "Liebevolle Pflege benötigt mehr Zeit, mehr Geld und mehr Mitarbeitende, damit diese nicht an die Grenzen ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit gelangen", - diese Botschaft solle durch den Truck "im wahrsten Sinn des Wortes transportiert werden". Aktions- und Mitmach-Stationen wie den Pfleg-O-Mat oder die Pflege-helfen dabei.

Das Thema Pflege transportieren

Pflegetruck,© ELKB
Ein 14 Meter langer Truck wird in den kommenden acht Monaten durch ganz Bayern touren und das Thema Pflege ins Gespräch bringen.

Kirchen fordern neuen Kurs

Bischöfe im Pflegetruck ,© Wiedemann
Die Initiatoren - die beiden großen Kirchen und ihre Sozialverbände - fordern dringend ein Umdenken: Pflege braucht mehr Geld, Zeit und Mitarbeitende

Feierliche Eröffnung

Eröffnungsgottesdienst Pflegekampagne ,© ELKB
In einem Gottesdienst in der Kirche St. Michael in München eröffnen Kardinal Reinhard Marx, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Landes-Caritasdirektor Prälat Bernhard Piendl und Diakonie-Präsident Michael Bammessel die Kampagne zusammen mit Pflegekräften sowie Vertretern aus Kirche, Wohlfahrtsverbänden und Politik

Bitte um Gottes Segen

Einweihung des Trucks,© ELKB
Kardinal Reinhard Marx, Landes-Caritasdirektor Prälat Bernhard Piendl, Diakonie-Präsident Michael Bammessel und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm bitten um Gottes Segen für die Begegnungen am Pflegetruck

Erste Station: München

Pflegetruck in Münchner Fußgängerzone ,© ELKB

Den Auftakt bildet die Münchner Fußgängerzone. Von hier aus bricht der Truck in alle Regionen Bayerns auf.  Bad Wörishofen, Erlangen, Aschaffenburg, Regensburg, Augsburg und Bayreuth sind die nächsten Stationen.

Auch wenn die Situation der Pflegenden und Gepflegten in Häusern und Heimen hinlänglich bekannt sei, so werde sie doch dort, wo man nicht selbst betroffen sei, sehr rasch vergessen, betonte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in seiner Eröffnungspredigt. "Sehen wir die Not wirklich? Oder gehen wir daran vorbei weil es so vieles andere gibt, was unsere Aufmerksamkeit fordert?" Dabei müsse es beunruhigen, "wenn die Suizidraten bei alten Menschen ansteigen. Es muss uns beunruhigen, wenn Menschen heute Sterbehilfe in Anspruch nehmen wollen, weil sie meinen, anderen nur noch zur Last zu fallen." Menschen müssten sich darauf verlassen können, im Alter nicht einfach nur am Leben erhalten zu werden, sondern ein Leben in Würde führen zu können.

Zitat

Der Pflegetruck soll uns helfen, die Prioritäten richtig zu setzen. Er wirbt für 100% liebevoll gepflegte Menschen, weil es bei der Menschenwürde keine Halbheiten gibt."

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Die Menschlichkeit einer Gesellschaft bemesse sich an den Schwächsten einer Gesellschaft, betonte auch der Vorsitzende der Freisinger Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx. Die Pflegereform von 2013 könne nur ein erster Schritt gewesen sein. "Es sind sicherlich noch weitere Anstrengungen notwendig, damit unsere Menschlichkeit im Umgang mit den Pflegebedürftigen nicht verloren geht. Pflege ist keine Ware, die sich in Euro oder Cent bemessen ließe, sondern tätige Nächstenliebe, ehrenamtliche und hauptamtliche Sorge für die Kranken und Schwachen."

Der Show-Truck wird als nächstes in den Städten Bad Wörishofen, Erlangen, Aschaffenburg, Regensburg, Augsburg, Fürth und Bayreuth zu sehen sein.


13.03.2015 / Anne Lüters
drucken