Wort zum Advent

"Müssen Flüchtlinge willkommen heißen"

Michael Grabow, Regionalbischof von Augsburg

"Wir alle sind gefragt - gerade auch jetzt im Advent": Regionalbischof Michael Grabow

Bild: ELKB / Poep

Flüchtlinge in Deutschland willkommen zu heißen, ist nach Überzeugung des Augsburger evangelischen Regionalbischofs Michael Grabow ureigenste christliche Aufgabe - "gerade auch jetzt im Advent".

Angesichts der steigenden Asylbewerberzahlen und der dramatischen Situation in Syrien und im Irak seien die Menschen aufgerufen, die Flüchtlinge nicht nur zu dulden, sondern sich auch für sie einzusetzen, schreibt Grabow in seinem "Geistlichen Wort zum Advent". Jeder könne etwas dazu beitragen - sei es durch Mitarbeit in der Asylbetreuung, in der Kleiderkammer oder in der Kinderbetreuung.

"Wir alle sind gefragt - gerade auch jetzt im Advent", was von seiner ursprünglichen Bedeutung her ja "Ankunft" bedeute, erläuterte Grabow. Im christlichen Kontext meine dies zunächst die Ankunft Gottes. Jesus als Sohn Gottes sei aber nicht in einem Palast geboren, sondern in einem armseligen Stall.

"Den Menschen die Hand reichen"

"Und schon nach ein paar Lebenstagen muss er mit seinen Eltern vor den Schergen des Herodes fliehen", zieht Grabow die Parallele zur heutigen Flüchtlingssituation. "Wo wir den bei uns ankommenden Flüchtlingen die Hand reichen und versuchen, ihnen das Leben in der Fremde zu erleichtern, begegnet uns Jesus selber."

52 Millionen Menschen befänden sich weltweit auf der Flucht - allein in Syrien zwischen drei und fünf Millionen, schreibt Grabow weiter. Beim ökumenischen Bischofstreffen vor wenigen Wochen in Rom habe er auch zwei Bischöfe aus Syrien getroffen. Ihre Berichte über den Krieg, die brutale Gewalt und die Verfolgung nicht nur der Christen dort seien erschütternd gewesen. "Unzählige Menschen fliehen aus purer Todesangst. Sie lassen alle Habe zurück und hausen unter unsäglichen Bedingungen in Zelten, Häuserruinen und unter freiem Himmel."


27.11.2014 / epd