"Pflegetruck" macht Station in Bamberg

"Mehr Personal, mehr Geld, mehr Zeit"

Menschengruppe

Sie sind die Zukunft: Erfreut begrüßte Regionalbischöfin Dorothea Greiner (Mitte) die Schüler der Evangelischen Berufsfachschule für Altenpflege der Diakonie Bamberg-Forchheim am Pflegetruck in Bamberg.

Bild: (c) Diakonisches Werk Bamberg-Forchheim e.V. und Evangelisch-Lutherissches Dekanat Bamberg

"Mehr Personal, mehr Geld, mehr Zeit": Deutlich stellte die Bayreuther Regionalbischöfin Greiner jüngst am "Pflegetruck" in Bamberg die überfälligen Forderungen zum Abbau des Pflegenotstandes.

Die Pflege braucht mehr Pflege: Menschen, die andere Menschen versorgen brauchen dringend bessere Arbeitsbedingungen, um eine liebevolle Pflege zu hundert Prozent gewährleisten zu können. Deshalb schicken die Kirchen, sowie Caritas und Diakonie im Rahmen ihrer laufenden Kampagne "Pflegehinweis 2015 - für 100 % liebevolle Pflege" seit Monaten ihren "Pflegetruck" auf große Fahrt durch die bayerischen Lande um auf den Notstand in der Pflege aufmerksam zu machen.

Nun hat der "Pflegetruck" in der Stadt Bamberg Station gemacht. Anlass genug für die Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner den Truck in der Stadt ihres Kirchenkreises zu besuchen, sich mit deutlichen Worten für die Verbesserung der Pflege stark zu machen.

"Warum sollen wir um den heißen Brei herumreden, wenn der Topf schon lange überläuft?", fragte Greiner in ihrem Grußwort. "Sehr plakativ" nenne die Forderung der Pflegekampagne zur Verbesserung der Pflege drei Punkte: "Erstens mehr Personal, zweitens mehr Geld, drittens mehr Zeit." Der Bundesverband der privaten Anbieter in der Pflege mahne: um den personellen Pflegenotstand im Jahr 2030 zu verhindern, müsse ab sofort jeder dritte Absolvent jeder weiterführenden Schule einen Beruf im Pflegebereich ergreifen. "Um noch mehr junge Menschen zu bewegen, den Pflegeberuf zu ergreifen, muss er auch mehr Attraktivität gewinnen", folgerte Greiner.

Hierzu brauche es mehr Geld: in Form einer Erhöhung der Pflegeversicherung um ein Prozent. "Jeder weiß, dass er älter werden wird", unterstrich Greiner. "Gehetzte Pflegekräfte, die noch dazu der Deutschen Sprache kaum mächtig sind, können nicht unser Ziel sein." Für eine wirkliche Verbesserung brauche es ebenso mehr Zeit. "Das gegenwärtige Qualitätsmanagementsystem taugt nicht", kritisierte die Regionalbischöfin. "Es bedarf der grundlegenden Überarbeitung."

"Viel zu viel Zeit in Dokumentation investiert"

Qualität lasse sich nicht durch "Kontrolle und Rechenschaftsberichte" erreichen. "Das ist der typisch deutsche Fehlweg", mahnte Greiner. "Der Medizinische Dienst der Krankenkassen MDK prüft im Wesentlichen die Form und Erfüllung der Dokumentation und bewertet sie. Damit wird viel zu viel Zeit in die Dokumentation investiert, die dann in der Pflege selbst fehlt."

Lesen Sie das vollständige Grußwort der Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner in unserer obigen "Mehr zum Thema"-Box. Entdecken Sie dort außerdem die weiteren Tourdaten des "Pflegetrucks", sowie unsere Multimedia-Reportage zur Kampagne "Für 100 % liebevolle Pflege".


05.08.2015 / ELKB / Poep
drucken