Wort zu Ostern

Mehr als ein Frühlingsfest

Tulpen

Mehr als ein Frühlingsfest: Gisela Bornowski erinnert an die Bedeutung von Ostern in ihrem Wort zum Feiertag.

Bild: © iStockPhoto / Craig Dingle

Ostern lässt alles in einem anderen Licht sehen: In ihrem "Wort zu Ostern" setzt sich Gisela Bornowski, Regionalbischöfin aus Ansbach-Würzburg mit dem "göttlichen Plädoyer für das Leben" auseinander.

Ein frisches helles Grün, gelbe Osterglocken und leuchtende Tulpen - das sind die Farben des Frühlings. Lange haben wir sie erwartet. Wenn sich dann noch die Sonne zeigt, wenn die Vögel am Morgen in ihrer neuen Lebenslust zu hören sind, was kann schöner sein? Voller Verlangen nehmen wir die Eindrücke der wieder erwachten Natur in uns auf. Aus vielen Gründen ist uns in den vergangenen Monaten das Lachen vergangen. Angefangen mit dem Grau des Hochnebels, über die Widrigkeiten unseres eigenen Alltags bis hin zu den Katastrophen in aller Welt. Mit der Sonne auf dem Gesicht sieht gleich alles anders aus. Vieles geht uns jetzt leichter von der Hand. Schon das ist Grund genug zu feiern. Doch Ostern ist noch viel mehr als ein christliches Frühlingsfest.

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Den Frauen und Männern, die damals Jesus gefolgt sind, war das Lachen gründlich vergangen. Zwar war dieser Jesus seinem Gott und seinem Auftrag bis zum bitteren Ende treu geblieben. Doch geendet hatte alles in der Katastrophe der Hinrichtung am Kreuz. Völlig verängstigt und tief enttäuscht hatten die Jünger sich verkrochen. Die Nachricht der Frauen, die vom Grab Jesu kamen - "Der Herr ist auferstanden!" - dringt erst langsam zu ihnen durch. Deutlich spüren sie, dies ist nicht nur das übliche "Irgendwie-wird-es-weitergehen" oder "Nach-jedem-Winter-kommt-wieder-ein-Frühling". Hier geht es um mehr! Ja es ist wahr: Der Tod greift in unterschiedlichen Formen schon zu unseren Lebzeiten nach uns. Doch durch Ostern wird seine Endgültigkeit, sein letztes, unerbittliches Wort infrage gestellt und überwunden. Der auferstandene Jesus begegnet schließlich auch den Jüngern und sie bekennen selbst: "Ja - er ist wirklich auferstanden!"

Ostern wird so zum zentralen Ereignis für den christlichen Glauben, das alles in einem andern Licht sehen lässt. Es wird zu einem göttlichen Plädoyer für das Leben und zu einem verlässlichen Grund der Hoffnung. Die verängstigten Jünger werden selbst verwandelt und können so anderen Menschen zum Leben helfen. Verstehen kann man das eigentlich nicht. Das ist heute nicht anders als in den Tagen der ersten Jünger. Wir können das Geheimnis von Ostern aber feiern, uns neu darauf einlassen, es wie die Farben und Melodien des Frühlings in uns aufnehmen. Dann wird es uns ergehen wie den Frauen und Männern damals, wir werden selbst zu Lebenshelfern. Wir werden staunen und anfangen, zu verstehen.


05.04.2015 / Gisela Bornowski / bereitgestellt von epd