Delegationstreffen im Dekanat Bayreuth

"Lasst uns zusammen helfen"

Eine Bischöfin und ein Bischof segnen zwei Menschen

Segnung zum Auftakt: Dorothea Greiner, Regionalbischöfin von Bayreuth (links) und Erzbischof Ludwig Schick eröffneten in der Bayreuther Stadtkirche die diesjährigen ökumenischen Alltagsexerzitien.

Bild: (c) Wolfgang Lammel / epd

Regionalbischöfin Dorothea Greiner und Erzbischof Ludwig Schick plädierten beim Delegationstreffen im Kapitalsaal des Dekanats Bayreuth für eine Willkommenskultur gegenüber Flüchtlingen.

Die Bayreuther evangelische Regionalbischöfin Dorothea Greiner und der Bamberger katholische Erzbischof Ludwig Schick loben das unverzichtbare ehrenamtliche Engagement bei der Betreuung von Flüchtlingen. Beide begegneten sich am Freitag zusammen mit weiteren Personen aus den Leitungsebenen des Kirchenkreises und des Erzbistums im Rahmen eines Delegationstreffens im Kapitelsaal des Dekanats in Bayreuth. Die hauptamtliche Flüchtlingsbetreuung liegt in Bayreuth und Umgebung beim katholischen Caritasverband. In den örtlichen Unterstützergruppen „Bunt statt braun“, „Come and see“ e.V. und beim Runden Tisch Ausländerarbeit sind Ehrenamtliche aus verschiedenen Konfessionen engagiert.

Das Schwerpunktthema des alle zwei Jahre stattfindenden ökumenischen Delegationstreffens
waren die „Flüchtlinge und Asylbewerber als gemeinsame Aufgabe und Herausforderung“. Impulsreferate hielten Helmut Stoll, Referent für Migration und Asyl im Diakonischen Werk Bayern, und Dolores Longares-Bäumler von der Migrationsberatung im Caritasverband Bayreuth.

Greiner: ",Schwarzes-Peter-Spiel' vermeiden"

Die Gastgeberein und die Referenten äußerten sich zur aktuellen Lage. So führte Regionalbischöfin Greiner an, dass im Zustrom der Flüchtlinge aus den Balkanstaaten, insbesondere Kosovo Asylrecht alleine nicht weiter helfe. "Es braucht erstens: Visa aus humanitären Gründen, die in den Botschaften der europäischen Staaten ausgestellt werden; zweitens ein Zuwanderungsrecht auf vakante Arbeits- und Ausbildungsstellen für Menschen auch aus Nicht-EU-Staaten; drittens wirksame Bekämpfung von Korruption, Arbeitslosigkeit im Kosovo mit europäischer Unterstützung und Aufbau von Wirtschaft und Verwaltung; viertens Bekämpfung der höchst kriminellen Schlepperbanden – und vieles mehr.

Dies fordere ich politisch - doch nicht als Schwarzes Peter Spiel nach dem Motto: Die Politik soll alles richten. Nicht nur politische Hilfe braucht es, sondern auch unsere humanitär-direkte Hilfe als Christenmenschen, die im Flüchtlingsstrom doch den einzelnen Menschen sehen, der fremd ist und bei uns wohnt. Lasst uns zusammenhelfen.“

Stoll: "Die Probleme verschärfen sich"

Helmut Stoll, Referant für Migration und Asyl im Diakonischen Werk Bayern ergänzte, dass aufgrund der hohen Zugänge von Asylsuchenden aus den Westbalkanstaaten die Bezirksregierungen nun gezwungen seien, ihre Notunterbringungskapazitäten zu aktivieren. "Die Probleme bei der Unterbringung der Asylsuchenden verschärfen sich daher", so Stoll. "Auch wenn die überwiegende Mehrzahl der Asylsuchenden keine Anerkennung als Flüchtlinge erhalten kann, so sollten sie dennoch menschlich behandelt werden. Sie sind Opfer in mehrfacher Hinsicht: Opfer aufgrund der desolaten und politischen Lage und der großen Armut in ihren Heimatländern und Opfer aufgrund falscher Versprechungen von Schleuserbanden. Viele stehen vor dem Nichts, wenn sie zurückkehren müssen.“

Dolores Longares-Bäumler von der Migrationsberatung im Caritasverband Bayreuth, stellte „Flucht und Migration" als "ureigene Themen der Kirche" heraus. "Die soziale Arbeit mit schutzsuchenden Ausländer(inne)n stellt die Berater(innen) vor besondere Herausforderungen", unterstrich Longares-Bäumler. "Dies liegt sowohl an der fachlichen Komplexität der Flüchtling Problematik sowie an den auch für die Berater(innen) oftmals emotional sehr belastenden Schicksalen der Flüchtlinge. Der Deutsche Caritasverband erachtet aus genau diesen Gründen eine professionelle Flüchtlingsberatung für notwendig, dessen Beschäftigte spezifische Fachkompetenzen aufweisen." Der Caritasverband Bayreuth, so Longares-Bäumler, nehme sich seit mehr als 30 Jahren dieser Aufgabe an und betreut Flüchtlinge und Asylsuchende in der Stadt und im Landkreis Bayreuth. "Flüchtlinge aus 25 bis 30 verschiedenen Nationen nehmen diese Hilfe an", informierte Longares-Bäumler, "die Probleme umfassen alle, die das menschliche Leben betreffen - kurz: von der Wiege bis zur Bahre.“

Ökumenische Alltagsexerzitien in Bayreuth eröffnet

Im Anschluss an das Delegationstreffen eröffneten Greiner und Schick mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Bayreuther Stadtkirche die ökumenischen Alltagsexerzitien. Die mehr als 130 Begleiterinnen und Begleiter der Exerzitiengruppen waren eingeladen, sich im Gottesdienst von Regionalbischöfin und Erzbischof persönlich für ihren Dienst segnen zu lassen. In über 80 Gemeinden in Oberfranken treffen sich in der Zeit bis Ostern mehr als 90 ökumenische Exerzitiengruppen.


23.02.2015 / Kirchenkreis Bayreuth / ELKB / Poep
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