Landesbischof zum Tag der Schöpfung

Forschung muss ökologisch verträglich bleiben

Schöpfungstag

Für eine verantwotete Forschung hat sich der Landesbischof beim "Tag der Schöpfung" eingesetzt

Bild: Witzenbacher

Zu einer ökologisch und sozial verträglichen Forschung hat Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm aufgerufen. Bei einer Diskussion am Tag der Schöpfung mahnte er zum fürsorglichen Umgang mit der Natur.

Eine verantwortungsvolle Forschung brauche eine eindeutige ethische Position, betonte der Landesbischof bei der Podiumsdiskussion in der der Katholischen Akademie in Bayern über Chancen und Risiken der Forschung. Bedford-Strohm machte deutlich, dass mit der Verwendung des Begriffs „Schöpfung“ in säkularen Kontexten bereits eine Ahnung vorhanden sei, dass die Theologie zu den Fragen des Lebens und der Welt etwas zu sagen hat. Er legte dar, dass die Natur als Schöpfung eine eigene Würde besitze und nicht einfach den Bedürfnissen des Menschen nutzbar gemacht werden dürfe. Der Mensch müsse vielmehr Verantwortung für die Schöpfung übernehmen.

Dieses Bewusstsein müsse man den Forschern auch zutrauen, sagte der Transplantationsmediziner Eckhard Nagel, der auch im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages ist. Die Schöpfung habe letztlich „von Gott gesetzte Komplexitäten“, die der Mensch am Ende nicht verstehen könne. Daher habe er keine Angst, dass Wissenschaftler jemals eine Grenze überschreiten. Nagel forderte vielmehr eine größtmögliche Freiheit der Wissenschaft, da sie letztlich dem Menschen und der Schöpfung diene. „Dabei müssen die Wissenschaftler die Risiken im Blick behalten, das darf sie aber nicht in der Forschung lähmen“, so Nagel. Bei Grenzfragen habe es sich neben den Stellungnahmen ethischer Instanzen auch bewährt, dass letztlich die Parlamente über die Möglichkeiten der Forschung entscheiden.

Es komme darauf an, die schöpferischen Qualitäten des Menschen verantwortungs- voll einzusetzen, erklärte der Leiter des Büros für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag, Armin Grunwald. Technik bringe meist nicht intendierte Folgen mit sich, zu deren Lösung es weitere Techniken bedürfe. Grunwald machte dies am Beispiel der Atomenergie deutlich: „Wir beschäftigen uns jetzt mit den Abfällen dieser Technik und den Folgen, die sie in mehreren hunderttausend Jahren haben werden." Forschung und Glaube seien kein Widerspruch, waren sich die Diskutanten einig, vielmehr bestehe ein fruchtbares Verhältnis der beiden, um den verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung einzuüben.  Die Podiumsdiskussion wird am 13. September 2014 um 22.30 Uhr auf ARD alpha gesendet.

"Demut und Respekt"

Zuvor hatte der Vorsitzender der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, Metropolit Augoustinos (Bonn), im zentralen Festgottesdienst zum Tag der Schöpfung in der Münchener Ludwigskirche gepredigt, die Schöpfung weise eindeutig auf einen Schöpfer hin. Diese Erkenntnis erfordere „Demut und Respekt“ sowie eine „liebevolle Einstellung zur eigentlichen Schönheit der Schöpfung“. Es sei kein Zufall, dass der Tag der Schöpfung auch den Beginn des orthodoxen Kirchenjahres markiere. „Denn so wird die ganze Schöpfung, der Kosmos, voller Ehrfurcht wieder in die Dimension der Ewigkeit gestellt“, sagte der Metropolit. An den Gottesdienst schloss sich eine orthodoxe Wasserweihe im Englischen Garten an.

Gemeinsam zum Schöpfer beten

Der ökumenische Tag der Schöpfung, den die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland seit 2010 jährlich feiert, geht auf eine Anregung des damaligen Ökumenischen Patriarchen Dimitrios I. zurück, einmal im Jahr „gemeinsam zum Schöpfer zu beten“. Dieser Tag wird bundesweit begangen und regt dazu an, das Lob des Schöpfers gemeinsam anzustimmen und gleichzeitig die eigenen Aufgaben für die Bewahrung der Schöpfung in den Blick zu nehmen. Nach Brühl, Berlin, Nagold und München lädt die ACK im kommenden Jahr am 4. September 2014 nach Borna bei Leipzig ein.


07.09.2014 / Anne Lüters
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