Gottesdienst am Buß- und Bettag

Wege aus der Sackgasse suchen

Landesbischof

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Bild: ELKB

Zur öffentlichen Buße über den ungleichen Reichtum weltweit hat Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in seiner Predigt zum Buß- und Bettag in der Münchner St.Matthäuskirche aufgerufen.

Buße sei etwas „Wunderbares“, betonte der Landesbischof in dem Gottesdienst, zu dem er in guter Tradition zusammen mit dem Beauftragten der Landeskirche für die Beziehungen zu Landtag und Staatsregierung sowie für Europapolitik, Dieter Breit, und der Münchner Stadtdekanin Barbara Kittelberger auch Politikerinnen und Politiker eingeladen hatte. Buße schaffe die Voraussetzung zur Vergebung. „Gerade da, wo wir bekennen, dass wir in einer Sackgasse gelandet sind, geht es weiter.“

Durch Buße sei Neuanfang möglich - „im persönlichen Leben und in der großen Politik“. Dabei erinnerte der Landesbischof an den ehemaligen Bundeskanzler Willy Brandt, der mit seinem Kniefall vor dem Ehrenmal des Warschauer Ghettos die Weltgeschichte verändert habe. Diese souveräne Geste der Demut sei der „Weg aus der Sackgasse der Ost-West-Konfrontation“ gewesen.

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Er vermisse heute solche öffentliche Buße, sagte der Landesbischof. Der Eiserne Vorhang sei gefallen, „aber es gibt noch immer einen Goldenen Vorhang, der die arme und die reiche Welt trennt“. Trotz des unermesslichen Reichtums der Welt sei es immer noch nicht gelungen „die Welt so zu organisieren, dass jeder Mensch auf dieser Erde eine Chance bekommt“. Es sei eine „moralische Bankrotterklärung“ für das globale Wirtschaftssystem, „dass jeden Tag viele tausend Menschen sterben, weil sie nicht die Nahrung und Medizin haben, die sie brauchen“.

Den jetzigen Zustand nicht hinnehmen

Die Menschen in armen Ländern arbeiteten hart und könnten dennoch nicht davon leben. „Und trotzdem zahlen Unternehmen aus der reichen westlichen Welt Hungerlöhne, damit wir billig einkaufen können“, klagte Heinrich Bedford-Strohm an. Und obwohl die Dürre in afrikanischen Ländern wegen des Klimawandels immer mehr zunehme, „wollen unsere politisch Verantwortlichen den Umstieg auf regenerative Energien nur fördern, solange er nicht zu teuer wird“.

Zwar habe niemand einen „Bauplan für eine Weltwirtschaft, in der alle in Würde leben können“, so der Landesbischof, allerdings könne der Buß- und Bettag dazu anregen, den „jetzigen Zustand nie und nimmer hinzunehmen“ und künftig alle Energien darauf zu richten, „dass nicht nur wir, sondern alle Menschen leben können“.


19.11.2014 / Anne Lüters