Nach dem Besuch in Ungarn und Serbien

"Die Welt muss Verantwortung übernehmen"

Landesbischof BEdford Strohm an dem Zaun im Grenzgebiet zwischen Serbien und Ungarn

Ein Zaun um Europa könne "nie und nimmer" eine Lösung sein, sagte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm nach seinem Besuch im serbisch-ungarischen Grenzgebiet.

Bild: ELKB

Nach seinem Besuch in Ungarn und Serbien hat Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm internationale Anstrengungen gefordert, um Flüchtlingen Zuflucht zu geben.

Die ungelöste Flüchtlingsfrage stelle Europa vor eine große Bewährungsprobe, sagte er in seinem ersten Treffen mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Brüssel. Ausdrücklich begrüßte Heinrich Bedford-Strohm die Initiativen der EU-Kommission für einen verbindlichen Verteilungsschlüssel für Flüchtlinge und bedankte sich beim Kommissionspräsidenten für dessen Einsatz für eine europäische Lösung der Krise.

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„Einfache Antworten kann es nicht geben“, betonte Bedford-Strohm und forderte eine gerechte Verteilung der Flüchtlinge in der EU, menschenwürdige Aufnahmestandards und den Ausbau legaler und sicherer Wege für Schutzsuchende nach Europa durch Neuansiedlung, Ausstellung humanitärer Visa und erleichterte Familienzusammenführung. Die Möglichkeiten für Migranten in der EU Arbeit aufzunehmen, sollten zudem ausgebaut und erleichtert werden. 

Der Landesbischof berichtete auch von seiner jüngsten Reise nach Ungarn und Serbien. Zwei Tage lang hatte er sich im Grenzgebiet aufgehalten und mit zahlreichen Flüchtlingen und Helfern - auch direkt am ungarischen Grenzzaun - gesprochen.Während er das Verhalten der ungarischen Regierung scharf kritisierte, lobte Bedford-Strohm die große Hilfsbereitschaft und Offenheit von Ehrenamtlichen Helferinen und Helfern. „So viele Menschen in Ungarn und Serbien packen mit an und helfen den Flüchtlingen. Die europäische Zivilgesellschaft beweist in diesen Tagen ihr großes humanitäres Potenzial.“ Ohne das Engagement der Hilfsorganisationen, berichtete er, wäre die Situation längst eskaliert.

Zitat

Ein christliches Europa muss Menschen, die in Not, sind aufnehmen und muss Wege finden, damit alle Länder, die sich diesem Europa zugehörig fühlen, auch wirklich ihren Teil tragen." 

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Die Situation am Grenzzaun habe er als "sehr beklemmend" empfunden, so der Landesbischof. "Das ist die Vision von Europa, die ich nicht möchte: ein Europa, das sich abschottet mit Stacheldrahtzaun, womöglich militärisch abschottet auf lange Sicht. Das ist nicht das Europa, das mit dem Stichwort 'christlich' verbunden werden darf. Wenn es das 'christliche Abendland' gibt, wie man immer sagt, dann muss es sich darin bewähren, dass den Schwachen Hilfe geleistet wird." Ein Zaun um Europa stehe im tiefen Widerspruch dazu. 

Landesbischof Bedford-Strohm schildert am Grenzzaun zwischen Ungarn und Serbien seine Eindrücke von dort.

"Man kann sie nicht einfach fernhalten"

Er habe sich mit zahlreichen Flüchtlingen unterhalten, die noch kurz vor der Schließung durch den Grenzzaun gekommen seien, erzählte Bedford-Strohm. Sie seien erschöpft, aber erleichtert gewesen, es bis nach Europa geschafft zu haben. Jeder dieser Menschen habe eine ganz eigene Biografie, sagte der Landesbischof in den Tagesthemen. "Sie sind eben keine Massen oder einfach nur Zahlen, sondern konkrete Menschen, die hoffen und die leiden. Man kann sie nicht einfach fernhalten."

Er habe auch mit Menschen im Übergangslager an der mazedonisch-serbischen Seite gesprochen, berichtete der Landesbischof. Auch diejenigen, für die der Weg durch Ungarn versperrt worden sei, hätten nicht an eine Rückkehr gedacht. "Diese Menschen können nicht umkehren. Sie haben zum Teil alles verkauft, um das Geld für diese Passage zusammenzukriegen. Sie werden sich andere Wege suchen." Das würde sie geradezu den Schlepperbanden in die Arme treiben. So würden eine Kriminalisierung von Flüchtlingen und eine weitere Abschottung Europas durch Stacheldraht und Militär das Geschäft der Schlepper nur noch lukrativer machen: „Zäune sind ein Konjunkturprogramm für Schlepper“.

Informationen zum Thema

Spendenkonto für die Flüchtlingsarbeit der ELKB

 

Diakonisches Werk Bayern
IBAN: DE 20 5206 0410 0005 2222 22
BIC: GENODEF1EK1
Verwendungszweck „Kirchliche Flüchtlingshilfe“.

 

Christentum bedeute nicht, Menschen in Not und Verzweiflung von sich fernzuhalten, so Bedford -Strohm, "Christentum heißt das Gegenteil, nämlich Menschen, die verzweifelt sind, die auf der Flucht sind und schlimmes Leid erlebt haben, würdig zu empfangen. 'Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen, sagt Christus. Das ist der, nach dem sich das Christentum benannt hat. Das kann ja nicht ohne Konsequenzen sein für die Art, wie wir mit diesen Menschen heute umgehen."

Herzlicher Empfang

Er hoffe, so Bedford-Strohm, dass die Bilder der vielen Menschen in Deutschland, die Flüchtlinge herzlich willkommen geheißen hätten, auch andere Länder Europas inspirieren könnten. In München hatten hunderte von ehrenamtlichen Helfern - auch aus Kirche und Diakonie - bereit gestanden, um den ankommenden Flüchtlingen die Ankunft zu erleichtern.

Um noch effektiver helfen zu können hat die Evangelische Kirche in Bayern ein Spendenkonto "kirchliche Flüchtlingsarbeit" eingerichtet. Die Spenden sollen Erstaufnahmeeinrichtungen, Kirchengemeinden in der Flüchtlingsarbeit und Projekte, die traumatisierten Jugendlichen therapeutische Hilfe gewähren,  unterstützen. Außerdem sollen damit auch einzelne Härtefälle gefördert werden.


17.09.2015 / elkb
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