epd-Umfrage zum Holocaust-Gedenktag

KZ-Gedenkstätten verzeichnen mehr Besucher

Grabkerzen und Gedenkstein

Zum 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz: am 27. Januar ist Holocaust-Gedenktag.

Bild: © iStockPhoto / aaronizer

Die Zahl der Besucher in den deutschen KZ-Gedenkstätten ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Das ergab eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar.

Allein in die KZ-Gedenkstätte Dachau bei München kamen 2014 weit über 800.000 Menschen, 100.000 mehr als in den Jahren zuvor. In der Gedenkstätte Sachsenhausen bei Berlin wurden mehr als eine halbe Million Gäste gezählt. Nach Buchenwald und Mittelbau-Dora in Thüringen kamen zusammen rund 560.000 Menschen.

Am Dienstag, 27. Januar 2015, jährt sich die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz in Polen zum 70. Mal. Der Holocaust-Gedenktag am 27. Januar wird seit 1996 begangen. Dem Mord an den europäischen Juden durch die Nationalsozialisten fielen im Zweiten Weltkrieg rund sechs Millionen Menschen zum Opfer. Verfolgt und in großer Zahl getötet wurden auch Regimegegner, überzeugte Christen, Sinti und Roma oder Homosexuelle. In der Bundesrepublik gibt es Dutzende von KZ-Gedenkstätten. Hinzu kommen die Erinnerungsstätten an die Vernichtungslager außerhalb Deutschlands, etwa in Auschwitz. Dort fand der industriell betriebene Massenmord statt, meist durch Gas.

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Veranstaltungen in Dachau und München

Zu einem Zeitzeugengespräch mit Andrej Korczak Branecki zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus lädt die Dachauer Versöhnungskirche am Dienstag, 27. Januar, ein. Die Veranstaltung findet in polnischer Sprache im Ludwig-Thoma-Haus, Augsburger Straße 23, in Dachau statt und beginnt um 19 Uhr. Pfarrer Björn Mensing von der Dachauer Versöhnungskirche wird zudem am Dienstag, 27. Januar ein Referat mit Lichtbild über den 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz im Rahmen der Veranstaltung "Bild und Botschaft 2015" im Hörsaal C 123 der LMU, Theresienstraße 41, München halten. Eingang: Kristallmuseum (gegenüber der Pinakothek der Moderne), Beginn ist um 18 Uhr.

In Dachau flaut das Interesse an der KZ-Gedenkstätte laut einem Sprecher nicht ab. Im Jahr 2007 sei die Zahl der Besucher erstmals über 700.000 gestiegen. Genaue Angaben gebe es nicht, da die Gedenkstätte keinen Eintritt verlange und über mehrere Eingänge verfüge. Zum 70. Jahrestag der Befreiung Ende April seien ein umfangreiches Programm sowie eine Sonderausstellung geplant, hieß es. In die zweite bayerische KZ-Gedenkstätte Flossenbürg bei Weiden kommen jedes Jahr rund 80.000 Menschen.

Außerdem treffen sich jährlich ehemalige KZ-Häftlinge und erzählen vor jungen Leuten von ihrer Verfolgung und Inhaftierung, wie eine Sprecherin dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Samstag auf Anfrage mitteilte. In Flossenbürg ermordeten die Nazis kurz vor Kriegsende am 9. April 1945 den bekannten evangelischen Pfarrer Dietrich Bonhoeffer. Zwischen 1938 und 1945 waren mehr als 100.000 Häftlinge in dem KZ und seinen Außenlagern interniert, 30.000 von ihnen starben.

Vor allem junge Menschen interessieren sich

Vor allem junge Menschen, Schülerklassen und Jugendgruppen besuchten das ehemalige Konzentrationslager. "Die Besucherzahlen sind in den vergangenen Jahren relativ stabil geblieben", sagte die Sprecherin. Seit 2010 gibt es die Dauerausstellung "was bleibt - Nachwirkungen des Konzentrationslagers Flossenbürg", die sich damit befasst, welche Erinnerungen an die NS-Zeit nach 1945 erhalten geblieben sind. Das Konzept erhielt im vergangenen Jahr beim Europäischen Museumspreis eine Ehrenauszeichnung.

In Zukunft rechnen die Verantwortlichen der Gedenkstätte mit mehr Besuchern. Im Frühjahr sollen die Bauarbeiten zur Umgestaltung des Hauses und seines Außengeländes abgeschlossen werden. "Um die Dimension und Struktur des KZ deutlich zu machen, wurden die Baracken, der Lagerzaun und der SS-Bereich nachgezeichnet", sagte die Sprecherin. Ende April soll auch das neue Seminarzentrum im umgebauten SS-Kasino eröffnet werden. Die gesamten Umbaumaßnahmen kosten den Angaben nach um die zehn Millionen Euro.

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Veranstaltungen der Evangelischen Jugend in Bayern

Auch die Evangelische Jugend in Bayern (EJB) ist am 27. Januar aktiv: um 18.30 Uhr lädt die EJB zu einer Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz ins Gewerkschaftshaus München, Schwanthalerstraße 64, ein. Um 19 Uhr schließt sich dort ein Gespräch mit dem Zeitzeugen Ernst Grube an. Zum 70. Todestag Bonhoeffers und anlässlich der Lagerbefreiung am 23. April 1945 finden im April zudem zwei große Gedenkveranstaltungen statt. Zunächst werden vom 8. bis 11. April rund 400 Jungen und Mädchen an einer Jugendbegegnung in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg teilnehmen - auch dazu lädt die Evangelische Jugend in Bayern ein. Vom 24. bis 26. April werden sich etwa 40 ehemalige Häftlinge aus 15 Ländern treffen, zeitgleich werden an diesem Wochenende mehr als 60 Jugendliche von neun Nationen zu einer internationalen Begegnung erwartet.

Die Zahl der Besucher in den KZ-Gedenkstätten Buchenwald bei Weimar sowie Mittelbau-Dora bei Nordhausen bewegte sich nach Angaben eines Sprechers 2014 in der Größenordnung der vergangenen Jahre. Auf wachsendes Interesse stießen die beiden großen Gedenkstätten in Brandenburg: Die Besucherzahl in Sachsenhausen stieg in den vergangenen zehn Jahren von 350.000 auf 500.000. In der Gedenkstätte im ehemaligen Frauen-KZ Ravensbrück bei Fürstenberg wurden 2005 noch 95.000 Gäste gezählt, im vergangenen Jahr waren es 150.000.

Die Gedenkstätte im früheren Konzentrationslager Bergen-Belsen bei Celle zählte im vergangenen Jahr rund 250.000 Besucher aus dem In- und Ausland. Die Zahl sei nach Eröffnung des Dokumentationszentrums 2007 deutlich angestiegen, sagte eine Sprecherin. Jährlich werden in Bergen-Belsen fast 1.200 Führungen mit mehr als 25.000 Menschen veranstaltet. In dem Lager in der Lüneburger Heide kamen während der NS-Zeit rund 20.000 Kriegsgefangene und mehr als 52.000 KZ-Häftlinge um. Unter den Opfern war im März 1945 auch die junge Jüdin Anne Frank, deren Tagebuch später weltberühmt wurde.

Starker Zulauf auch auf Berliner Gedenkorte

Auch zahlreiche weitere KZ-Gedenkstätten in Deutschland melden steigende Besucherzahlen. So wurden in der Gedenkstätte Neuengamme in Hamburg im Vorjahr erstmals über 100.000 Gäste registriert. In die Erinnerungsstätte des KZ Osthofen bei Worms kamen 18.900 Menschen, rund ein Fünftel mehr als 2013. Die Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibber Feldscheune in Gardelegen in Sachsen-Anhalt besuchten weit mehr als 2.000 Interessierte, ein Jahr zuvor waren es 1.700. Mehr Besucher gibt es auch in Gedenkstätten in Südwestdeutschland, etwa in Neckarelz oder am Oberen Kuhberg bei Ulm. Rückläufig sind die Zahlen nur in wenigen Einrichtungen, zum Beispiel in Hinzert im Hunsrück.

Ungebrochen starken Zulauf registrieren die Berliner Gedenkorte, die an die Verbrechen der Nationalsozialisten erinnern. Das Holocaust-Mahnmal und die "Topographie des Terrors" verzeichneten im vergangenen Jahr jeweils Besucherzahlen in Millionenhöhe, allein die "Topographie" nannte 1,36 Millionen. Die Gedenkstätte Deutscher Widerstand im Bendlerblock zählte gut 100.000 Menschen, ein Fünftel mehr als 20 Jahre zuvor. Weitere rund 20.000 Besucher kommen den Angaben zufolge jährlich zur Gedenkstätte Plötzensee, wo fast 3.000 Menschen nach Unrechtsurteilen der NS-Justiz hingerichtet wurden.


27.01.2015 / epd
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