Das war der Kirchentag

Ein Fest des Lebens

junge Frauen auf dem Kirchentag

Der rote Kirchentagsschal diente in Stuttgart nicht nur als Erkennungsmerkmal. Er schütze auch vor der tropischen Hitze

Bild: ELKB

"Damit wir klug werden" lautete das Motto des Kirchentags, der am Sonntag zu Ende gegangen ist und an dem zahlreiche Bayern teilnahmen. Bunt war er und fröhlich; aber er hatte auch sehr ernste Töne.

Mit einem großen Gottesdienst auf dem Cannstatter Wasen ist der 35. Deutsche Evangelische Kirchentag in Stuttgart zu Ende gegangen. 95.000 Menschen feierten am Ufer des Neckar gemeinsam Abendmahl.

Fröhlich, friedlich, aber auch sehr nachdenklich war das evangelische Großereignis, das sich bei tropischen Temperaturen mit brisanten gesellschaftlichen Themen auseinandersetzte und das im Vorfeld als "Friedenskirchentag" betitelt worden war. Flüchtlingsdramen im Mittelmeer, das Freihandelsabkommen TTIP, ethisches Wirtschaften, gleichgeschlechtliche Partnerschaften und die Zukunft der Kirche waren nur ein kleiner Teil der Themen, die in Vorträgen, Workshops und auf Diskussionsforen in einem breiten Dialog bearbeitet wurden.

Neue Flüchtlingspolitik gefordert

So stand am Ende des Kirchentags eine Resolution, die eine "neue Flüchtlingspolitik der Menschlichkeit" forderte, die ein umfassendes Programm zur Seenotrettung für Flüchtlinge sowie sichere und legale Fluchtwege einschließe. Eine andere Resolution appelliert an den Justizminister, die Vorratsdatenspeicherung zu stoppen, die als massiver Eingriff in die Grundrechte gesehen wird. Eine weitere Resolution zum Klimaschutz mit wenig Kohle wurde vom Kirchentag angenommen.

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Neben dem gesellschaftspolitischen Diskurs kam aber auch das Gebet und die theologische Auseinandersetzung nicht zu kurz : In zahlreichen Andachten und Gebeten, in Gottesdienstformen und Meditationsangeboten war Raum für die Begegnung mit Gott und für lebendige Spiritualität. Ein Höhepunkt war dabei die traditionelle "Nacht der Lichter" am Samstagabend, an der tausende von Besucherinnen und Besuchern teilnahmen.

Auch Kulturliebhaber kamen auf Ihre Kosten. Ob a capella mit den Wise Guys, Gospel, Jazz oder Klassik, Ausstellungen, Kabarett mit Eckart von Hirschhausen, Dichterlesungen oder Sondervorstellungen der Stuttgarter Theater - den meisten Kirchentagsbesuchern fiel die Wahl schwer.

Den Frieden ersehnen

Claudia Kuchenbauer ,© ELKB

"Ich bin besonders gespannt darauf, wie das Zentrum Frieden angenommen wird, das ja erst im Nachhinein in das Programm aufgenommen wurde. Dort werde ich wohl täglich zu finden sein. Und ich werde mich an der Menschenkette für den Frieden beteiligen." Claudia Kuchenbauer, Arbeitsstelle Kokon Nürnberg

Ethische Auseinandersetzung

Daniel Wanke,© ELKB

"Ich möchte diesen Kirchentag dazu nützen, mich mit ethische, gesellschaftlichen und kirchlichen Themen auseinander zu setzen. Das Hauptpodium 'Wie viel Ethik verträgt das Geschäft' mit Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm steht für mich genauso auf dem Programm wie eine Veranstaltung zum Thema 'Zukunft der Kirche'.

Dr. Daniel Wanke, Erlangen

Neue Lieder lernen

Claudie Schlottke,© ELKB

"Für mich stehen Mitmachkonzerte und gemeinsames Singen auf dem Programm. Ich erhoffe mir, viele neue Lieder für die Gemeindearbeit kennen zu lernen."

Claudie Schlottke, Pfarrerin in Rothenburg

Abschlussgottesdienst: Ruf zur Verantwortung

In seinem Abschlusswort zum Kirchentag stellte Kirchentagspräsident Andreas Barner das Wort "Wir" aus der Losung "damit wir klug werden" in den Mittelpunkt und sprach allen Beteiligten des Kirchentages seinen Dank aus. "Danke an die, die durch ein freundliches Wort, durch ein Lächeln, durch eine hilfsbereite Tat den Kirchentag zu einem Kirchentag mit einer wunderbar toleranten und wertschätzenden Atmosphäre gemacht haben."

Klare Worte fand Barner zum Thema gleichgeschlechtliche Partnerschaft, das auf dem Kirchentag heftig diskutiert worden war. Auch darauf beziehe sich "klüger Werden", so der Kirchentagspräsident: "Gegen Liebe können wir Christen uns nicht stellen."

Pastorin Nora Steen rückte in ihrer Predigt zu 1. Könige 3,5—6 das Thema Frieden und Flüchtlinge in den Mittelpunkt: "Salomos Traum vom hörenden Herzen gibt uns den Vorgeschmack auf einen Frieden, der realisierbar ist, weil er im Kleinen beginnt. Nicht nur die Politiker beim G7-Gipfel, wir allen stehen in der Verantwortung." Sie rief die Anwesenden dazu auf, Gott mehr zuzutrauen als "ein bisschen Sozialromantik". Sein Frieden sei ein "Frieden, der die Welt umfasst".

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, lud zum 100. Deutschen Katholikentag vom 25. bis 29. Mai 2016 nach Leipzig ein. Der Berliner Landesbischof Markus Dröge und die nächste Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au kündigten die Feierlichkeiten im Sommer 2017 an - mit sieben Kirchentagen auf dem Weg, dem 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin vom 24. bis 28. Mai und einem Festgottesdienst in Wittenberg am 28. Mai 2017 zu 500 Jahren Reformation.


08.06.2015 / Lüters/Breit
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