Kloster Heidenheim

Virtuelle Vitrine in mittelalterlichen Mauern

Besucher vor Virtueller Vitrine im Kloster Heidenheim.

Die virtuelle Vitrine, die vom Steinbeis Forschungsinstitut Design und Systeme für die Vorausstellung in Heidenheim entwickelt wurde, fasziniert die Besucher.

Bild: Steinbeis

Das Klosterprojekt in Heidenheim nimmt nun erste konkrete Formen an. Im Jahr 2017 soll dort ein Bildungs-, Pilger- und Doku-Zentrum fertiggestellt sein.

Es war ein zähes Ringen. Jahrelang haben Heidenheims evangelischer Dekan Klaus Kuhn und seine Mitstreiter für ihr Klosterprojekt geworben. Die Kritiker des geplanten Umbaus der mittelalterlichen Klosteranlage zu einem Bildungs-, Begegnungs-, Pilger- und Dokumentationszentrum in der 2.500-Einwohner-Marktgemeinde haben laut getrommelt, bis sie im Mai vor einem Jahr bei einem Bürgerentscheid deutlich verloren. Ein Jahr später wurde der Erbpachtvertrag mit dem Freistaat als Eigentümer der Immobilie geschlossen - zwei Monate später, an diesem Samstag, wurde eine erste Vorausstellung im ehemaligen Benediktinerkloster eröffnet.

Zitat

Kloster Heidenheim war Keimzelle der Christianisierung in Franken. Als spirituelles Zentrum, Wissensraum und Stätte kultureller Innovation spielte es über Jahrhunderte eine Schlüsselrolle bei der zivilisatorischen Entwicklung unserer Region.

Dekan Klaus Kuhn

Die Vorausstellung soll einen Überblick über das geben, was in Zukunft museal im Kloster zu sehen sein wird. In vier Räumen beschäftigt sich die Ausstellung mit der Architektur, der Geschichte und den Bauphasen der Kirche und der Klosteranlage, deren Anfänge bis ins 8. Jahrhundert zurückreichen. Auch die Klostergründer und Eichstätter Diözesanheiligen Wunibald, Willibald und Walburga haben in der Schau ihren Platz - und die künstlerische Darstellung der südenglischen Missionare in Geschichte und Gegenwart, sagt Kuhn. So stehen in einem der Räume bunt bemalte Holzplastiken der drei Missionare des Künstlers Ernst Steinacker.

Herzstück und zugleich Höhepunkt der kleinen Ausstellung aber ist eine extra für das Heidenheimer Kloster entwickelte "virtuelle Vitrine", sagt der evangelische Heidenheimer Dekan und Chef des Zweckverbandes für das Klosterprojekt, Klaus Kuhn. Die Vitrine besteht aus einem großen in die Wand eingelassenen transluzenten, also teilweise durchsichtigen Flachbildschirm, dahinter befinden sich auf einem riesigen Drehteller vier verschiedene reale Exponate. Die Vitrine besteht aus einem digitalen Teil, einer Multimedia-Show, die per Eye-Tracking, also über die Augen der Betrachter gesteuert wird, und echten Exponaten im Hintergrund. 

Alle Ausstellungsräume sind in tiefdunklem Grau gehalten, die Objekte stechen dank heller LED-Spots aus dem Dunkel heraus. Die Stimmung ist geheimnisvoll, unterstützt wird dies durch wandgroße ausdrucksstarke Fotografien.

Diese sind während der Dreharbeiten zum Film "Mission Bayern - Leben und Wirken der Missionare Willibald, Wunibald und Walburga" entstanden. Den 52-minütige Dokumentarfilm haben vor rund drei Jahren der Zweckverband Kloster Heidenheim und die Diözese Eichstätt in Auftrag gegeben. Der Film erzählt den Weg der frühmittelalterlichen Missionare von Südengland über Italien und Israel bis nach Bayern.

Informationen zum Thema

Vorausstellung im Kloster Heidenheim

Die Vorausstellung soll einen Überblick über das geben, was in Zukunft museal im Kloster zu sehen sein wird. Herzstück und zugleich Höhepunkt der kleinen Ausstellung ist eine "virtuelle Vitrine", die vom Fraunhofer Institut extra für das Heidenheimer Kloster entwickelt wurde. Die Ausstellung kann jeden Sonntag von 14 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung besichtigt werden.

 

"Wir wollen mit dieser Ausstellung die Neugier der Besucher auf das wecken, was in den kommenden zwei Jahren hier entstehen soll", sagt Dekan Klaus Kuhn. Das Kloster gründete Wunibald im Jahr 752 nach Christus, die ehemalige Klosterkirche ist heute die evangelische Kirche im Ort. Konzipiert wurde die Schau von Ausstellungsmacher Rainer Tredt und seinem Team aus Eichstätt. Die Vorausstellung soll "einen Einblick in die Themen und Aspekte eines Gebäudes geben, dessen Geschichte bis in das achte Jahrhundert zurückreicht". Heidenheim war Ausgangspunkt für die christliche Mission im süddeutschen Raum, erläutert Kuhn.

Die Besucher sollen in der Ausstellung aber nicht nur konsumieren, sie können auch reflektieren. Begrüßt werden sie von einer Europakarte in Grau, gespickt mit Ortsnamen und Metallstiften. Dort können die Gäste mit bunten Fäden ihre Wunsch-Pilgerroute quer durch Europa oder ihre bereits getätigten Pilgerreisen spannen.


16.07.2015 / epd
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