Susanne Breit-Keßler

"Klare Grenzen zwischen Gut und Böse"

NS-Dokumentationszentrum in München

Kinder und Jugendliche sollten tragfähige Werte vermittelt bekommen.

Bild: Orla Connolly

Die Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler warnt im NS-Dokumentationszentrum in München vor einfachen Weltbildern extremistischer Gruppen.

Die einfachen Botschaften extremistischer Gruppen wie dem Islamischen Staat oder der Pegida-Bewegung haben die Münchner Regionalbischöfin alarmiert. Bei einem Vortrag zum Thema "Extremismus" im Münchner NS-Dokumentationszentrum am Dienstagabend sagte die evangelische Theologin, dass ein "einfaches Weltbild mit klaren Grenzen zwischen Gut und Böse" heute so verlockend sei wie zur Zeit des Nationalsozialismus. Immer resultiere daraus aber "Verblendung, Hass und Gewalt, Gleichgültigkeit gegenüber dem Lebensrecht anderer".

Zitat

Da müssen wir als Christen heute zusehen, dass wir nicht schleichend zu einer Minderheit werden und uns selbstkritisch anschauen."

Susanne Breit-Keßler

20 Prozent der deutschen Bevölkerung sei latent antisemitisch eingestellt, über 60 Prozent sympathisierten mit Pegida, sagte Breit-Keßler. "Da müssen wir als Christen heute zusehen, dass wir nicht schleichend zu einer Minderheit werden und uns selbstkritisch anschauen." Eine respektvolle Gesellschaft sei "richtig Arbeit". Schon Kinder und Jugendliche müssten tragfähige Werte vermittelt bekommen, "damit sie mit Kraft, Liebe und Besonnenheit in Kita und Schule widerstehen können, wenn einem Unrecht geschieht".

Damit Religion von Extremisten nicht für Terror, Gewalt und Unfriede missbraucht werden könne, müsse Aufklärung betrieben werden und "weltweit theologische Kritik am Missbrauch von Religion hörbar werden". Ebenso sollten Politiker darauf achten, in ihren Reden religiöse Begriffe und Bilder nicht zu instrumentalisieren, mahnte die Regionalbischöfin.


05.11.2015 / epd
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