Kirchenvertreter zur Asylsituation

Beherzt helfen!

Das Bild zeigt eine bunte Wandmalerei an der Münchner Bayernkaserne: eine Mutter mit ihren zwei Kindern, die aus ihrem Heimatland geflohen sind

"Wenn wir den Suchenden die Zuflucht verwehren - was sind wir dann für Menschen?" steht auf einer Mauer des Münchner Erstaufnahmelagers Bayernkaserne.

Bild: Innere Mission München

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat das ehrenamtliche Engagement in der Flüchtlingsbetreuung gewürdigt. In vielen Kirchengemeinden würden Flüchtlinge herzlich empfangen, sagte er in Bamberg.

Es sei eine "wunderbare Erfahrung" zu sehen, wie Menschen in Bayern "ihre Ohnmacht überwinden und denen helfen, die es nach schlimmen Erfahrungen zu Hause und auf der Flucht bis hierher geschafft haben", sagte der Bischof im Reformationsfestgottesdienst in Bamberg. "Ehrenamtliche kümmern sich um sie, besorgen Kleidung und bringen ihnen Deutsch bei". Viele Flüchtlinge seien aus ihrer Heimat in Syrien oder dem Irak geflohen, weil sie Angst um ihr Leben hätten vor der "barbarischen Gewalt islamistischer Fanatiker".

Sorgen ja, Feindschaft nein

"Zu anderen Zeiten hat es in solchen Situationen massiven Bürgerprotest gegen die Aufnahme der Asylsuchenden gegeben", erinnerte Bedford-Strohm. Auch heute versuchten einige rechtsextreme Gruppen, aus dem Leid der Flüchtlinge politisches Kapital zu schlagen. "Aber sie haben wenig Erfolg. Sorgen sind da und Ängste auch. Aber sie führen nicht zur Feindschaft gegenüber Fremden."

Der Umgang mit den Asylbewerbern werde zeigen, "ob wir die christlichen Werte nur im Munde führen oder ob wir sie auch dann leben, wenn es Zeit und Geld kostet", sagte Bedford-Strohm. Auch in der Politik habe sich Vieles bewegt: "Es besteht Einigkeit darüber, dass jetzt beherzt geholfen werden muss."

Diakoniepräsident Bammessel: "Es brennt an allen Ecken und Enden."

Unterdessen forderte Bayerns Diakoniepräsident Michael Bammessel mehr Geld für ihre Flüchtlingsarbeit. Für die Asylsozialarbeit müssten Anbieter wie Diakonie und Caritas einen erheblichen Teil Eigenmittel aufbringen, weil der staatliche Zuschuss nur 70 Prozent betrage, sagte Bammessel am Freitag in Vilshofen. Auch andere Angebote für Migranten müssten ausgebaut werden. "Es brennt an allen Ecken und Enden", sagte er.

Wegen fehlender Gelder seien Verhandlungen mit staatlichen Stellen nötig, aber auch eigene Mittel müssten erhöht werden, sagte Bammessel. Die evangelische Landessynode wird bei ihrer Herbsttagung Ende November in Regensburg wohl zusätzliche 300.000 Euro für Flüchtlingsarbeit beschließen.


05.11.2014 / epd
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