Ökumenischer Schöpfungstag

"Jeder kann etwas beitragen"

See und Berge

Wunderschöne Landschaft: Füssen im Ostallgäu ist Schauplatz für den diesjährigen "Ökumenischen Schöpfungstag für Bayern" am Samstag, 26. September.

Bild: (c) iStockPhoto / wingmar

Am 26. September 2015 ist „Ökumenischer Schöpfungstag für Bayern“, das Motto lautet: „Zurück ins Paradies?“ Im Vorfeld ein Interview mit dem ELKB-Umweltbeauftragten, Dr. Wolfgang Schürger.

Herr Schürger, das Motto des diesjährigen Ökumenischen Schöpfungstages lautet „Zurück ins Paradies“. Wie interpretieren Sie dieses Motto – wollen wir in eine Art paradiesischen Urzustand zurück?
Wolfgang Schürger: „Ich denke nicht, dass es hier um ein ,zurück in einen Urzustand‘ geht. Eher verbinde ich mit dem Motto die Hoffnung auf eine erlöste Schöpfung, auf eine bessere Welt, in der alle Geschöpfe ihren Lebensraum haben.“

Alle reden immer von der "Bewahrung der Schöpfung". Aber was heißt das praktisch? Welche Konsequenzen muss der Einzelne im Alltag tragen und leisten, damit die Schöpfung auch wirklich bewahrt wird?
Schürger: „Das Schöne ist: Jeder kann was beitragen. Sei es das Insektenhotel im Garten, sei es die Entscheidung an der Fleischtheke für Fleisch von Tieren aus artgerechter Haltung , sei es der Weg mit dem Fahrrad anstatt mit dem Auto – es gibt so viele Möglichkeiten, seinen Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung zu leisten. Wenn wir sagen, ,wir können nichts tun‘, ist das ein Trugschluss.“

Informationen zum Thema

Ökumenischer Schöpfungstag für Bayern

„Zurück ins Paradies?“: unter diesem Motto findet am Samstag, 26. September 2015, der „Ökumenische Schöpfungstag für Bayern“ in Füssen statt. Der Tag beginnt um 13 Uhr mit geführten Exkursionen im Walderlebniszentrum und im Schlossgarten. Um 15 Uhr gibt es Kaffee und Kuchen in der Christlichen Glaubensgemeinde (CGG) Füssen, Mühlbachgasse 7. Um 16.30 Uhr steht eine „Ökumenische Vesper“ auf der Hirschwiese auf dem Programm; ab 16 Uhr ist hierfür der gemeinsamer Aufstieg ab der Kirche „Frau am Berg“. Ein Liederabend unter dem Titel „Lob sei dir Gott auf grüner Erde“ mit Robert Haas und Ensemble in der Kirche St. Mang rundet den Schöpfungstag ab.

Viele Menschen denken aber so, dass es doch nichts ausmache, ob sie jetzt eine Plastiktüte mehr oder weniger kaufen – es sei doch nur der Kauf einer Plastiktüte. Was sagen Sie diesen Menschen?
Schürger: „Es gibt einen schönen Spruch: ,Wenn viele kleine Leute viele kleine Schritte gehen, wird das Angesicht der Erde verändert‘. In Deutschland leben ungefähr 80 Millionen Menschen. Wenn jeder Mensch jeden Tag eine Plastiktüte weniger kauft, kommt bei 365 Tagen im Jahr eine Summe zusammen, die sofort überzeugt.“

Welchen Beitrag kann ein "Schöpfungstag" leisten, um den Blick der Menschen für einen achtsamen Umgang mit der Schöpfung zu öffnen? Wie kann er die Menschen berühren, so dass ihr Bewusstsein für die Bedeutung der Schöpfung tatsächlich geschärft wird?
Schürger: „Dazu fällt mir gleich der nächste schöne Spruch ein: ,Nur was ich liebe bewahre ich auch.‘ Deshalb ist der Schöpfungstag so wichtig: er gibt Gelegenheit, sich einmal ganz auf die Freude an der Vielfalt der Schöpfung zu konzentrieren, die im Alltagstrubel untergeht. Und Gott dann ebenso konzentriert für diese Vielfalt zu danken. Wer sich darauf einlässt, wird vom Schöpfungstag berührt. Und je mitreißender der Schöpfungstag gestaltet, zelebriert wird, umso einfacher geht das Einlassen.“
Wenn Sie die Vor- und Nachteile einer menschlich gesteuerten Renaturierung und einer natürlichen Renaturierung gegeneinander abwägen, zu welchem Ergebnis kommen Sie? Soll man die Natur lieber einfach sich selbst überlassen? Oder soll der Mensch eingreifen - kann der Mensch die Natur "besser machen"?
Schürger: „Da gilt es die gesunde Mitte zu finden. Einerseits haben wie die bayerischen Nationalparks, die bewusst zum Teil wild belassen sind. Und in denen man wunderbar beobachten kann, wie die Vielfalt der Geschöpfe der Natur zusammenspielt. Andererseits werden wir immer mehr überlegen müssen, wie wir gesteuert renaturieren können: um unseren Lebensraum zu erhalten. In China gibt es Obstplantagen, die von Hand bestäubt werden, weil es keine Insekten mehr gibt. Soweit darf es in Deutschland nie kommen.“

Wie sieht Ihr persönlicher Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung aus?
Schürger: „Ich versuche, nur Fleisch aus artgerechter Tierhaltung zu essen, ich bin Teil der ,Münchner Krautgärtner‘, die Gemüse in der Stadt anbauen, ich nutze ausschließlich energieeffiziente Leuchtmittel in Form von LEDs. Und seit einiger Zeit habe ich kein Auto mehr, fahre Bahn und Fahrrad. Und wenn ich doch mal ein Auto brauche, dann nutze ich Carsharing.“

Herr Schürger, wir danken Ihnen für das Gespräch.

20.08.2015 / ELKB / Poep