Hiroshima: Stilles Gebet und klarer Appell

Heinrich Bedford-Strohm reiste mit Bischöfen und Kirchenleitenden aus sieben Ländern im August 2015 nach Hiroshima und Nagasaki. Ein Film von Johannes Minkus.

"Diese Waffe ist so schrecklich, sie darf nie wieder zum Einsatz kommen" – Heinrich Bedford-Strohm traf bei seiner Reise nach Hiroshima und Nagasaki Überlebende des Atombombenabwurfs 1945.

70 Jahre nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki haben Vertreter der evangelischen und der katholischen Kirche zur Ächtung und Abschaffung von Atomwaffen aufgerufen. "Atomwaffen gehören abgeschafft", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, am Donnerstag, den 6. August, in Hiroshima, wo er an der zentralen Gedenkfeier für die Opfer des amerikanischen Atombombenabwurfs am 6. August 1945 teilnahm. Besonders berührt habe ihn das Läuten der Friedensglocke, genau zu dem Zeitpunkt, als vor 70 Jahren die Bombe fiel, sagte der Ratsvorsitzende in einer Videobotschaft. "Dort eine Minute im stillen Gebet zu verharren, im Gedenken an die Opfer, war für mich sehr bewegend."

 

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Das Thema wird in seiner Bedeutung unterschätzt. Dass in Deutschland nach wie vor Atomwaffen lagern, weiß kaum noch jemand. Bei einer Zuspitzung der gegenwärtigen konventionell ausgetragenen Konflikte könnten Atomwaffen aber plötzlich sehr gefährlich werden.

Landesbischof und Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm

Kaum einer wisse, dass auch in Deutschland heute noch Atomwaffen lagerten, sagte Bedford-Strohm dem Evangelischen Pressedienst. Die Nato habe den Ersteinsatz von Atomwaffen in ihrer Strategie noch nicht aufgegeben. Weltweit gebe es rund 16.000 Atomsprengköpfe, die ein viel größeres Zerstörungspotenzial als die Bomben von Hiroshima und Nagasaki hätten. „Die Abrüstung von Atomwaffen ist vielen Deutschen tief in die Seele geschrieben, aber seit den 80er Jahren ziemlich in Vergessenheit geraten.“

Japan soll führende Rolle beim Ausstieg übernehmen

Vor 70 Jahren, am 6. und 9. August 1945, hatten die USA Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki geworfen. Insgesamt wird die Zahl der Opfer auf weit mehr als 250.000 Menschen geschätzt. Bedford-Strom ist noch bis zum 10. August mit hohen Kirchenvertretern aus sieben Staaten in einer Delegation des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Japan unterwegs. Bei einem Treffen mit Vertretern des japanischen Außenministeriums setzten sich die Kirchenführer dafür ein, dass Japan eine führende Rolle bei der Abschaffung von Atomwaffen einnehmen sollte. „Wer könnte das mit größerer moralischer Autorität tun als Japan?“ fragte die amerikanische Bischöfin Mary Ann Swenson, die Leiterin der Delegation.

In Hiroshima traf Bedford-Strohm auch Überlebende der Atomangriffs. Die Hibakusha, wie die Überlebenden genannt werden, hätten davon berichtet, wie damals den Opfern der Atombomben die Haut in Fetzen vom Körper gehangen habe und sie die strahlenverseuchten Menschen unter unstillbaren Durst gelitten hätten, sagte Bedford-Strohm.

Nach der Reise wollten er und die anderen Kirchenvertreter in ihren Heimatländern mit den Regierungen reden und sie fragen, warum sie noch immer bereit seien, "Hunderte von Städten" mit Atomwaffen zu zerstören, sagte Bedford-Strohm vor Vertretern von Kirchen und der Zivilgesellschaft in Hiroshima.
Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in Hiroshima, am 6. August 2015 lässt er eine Laterne mit einer Keruze auf dem Fluss schwimmen.

Jedes Jahr am Abend des Atombombenabwurfs lassen Tausende von Menschen kleine Laternen mit einer Kerze auf dem Fluss schwimmen – dort, wo vor 70 Jahren die Atombombe explodiert ist.

Bild: Johannes Minkus

Die Reise nach Japan ist Teil des Pilgerwegs des Weltkirchenrats für Gerechtigkeit und Frieden. Am Donnerstag lud der ÖRK Kirchen in aller Welt zum Gebet für die Opfer ein und veröffentlichte die Liturgie "Gebet für Frieden und Gerechtigkeit am Hiroshima-Tag".

Der Präsident der katholischen Friedensbewegung Pax Christi, der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen, erklärte, schon der Besitz von Atomwaffen sei unmoralisch. Die Bundesrepublik müsse ihre "nukleare Teilhabe" an Atomprogrammen, die sie durch die Lagerung von Atomsprengköpfen auf ihrem Hoheitsgebiet habe, "endlich aufkündigen".

11.08.2015 / epd/EKD
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