Interview mit Dr. Nikolaus Blum

"Ich möchte die Vielfalt unterstützen"

Gabriele und Nikolaus Blum, der neue Leiter des Landeskirchenamts

Gabriele Blum freut sich mit ihrem Mann, Dr. Nikolaus Blum, dem neuen Leiter des Landeskirchenamts in München. Hier beim Einführungsgottesdienst in St. Matthäus.

Bild: ELKB

Die Evangelische Landeskirche ist für Dr. Nikolaus Blum kein unbekanntes Terrain. Der neue Leiter des Landeskirchenamts freut sich auf due Arbeit mit vielen unterschiedlichen Menschen. Ein Interview.

Der Weg vom Helmholtz-Zentrum ins Landeskirchenamt ist für den neuen Leiter des Landeskirchenamts, Oberkirchenrat Dr. Nikolaus Blum, nicht so weit, wie es scheint. Einerseits, weil der Aufgabenbereich ähnlich ist, andererseits, weil er und seine Familie in der Evangelischen Kirche gut beheimatet sind. In unserem Interview beschreibt Blum, der in dieser Woche in sein Amt eingeführt wurde, was ihn an seiner neuen Aufgabe reizt.

Vom Helmholtz-Zentrum in ein Landeskirchenamt – ist das nicht en ganz schön weiter Weg? Welche Beziehung haben Sie zur Bayerischen Landeskirche?

Nikolaus Blum: Auf den ersten Blick liegen ein Forschungszentrum und das Landeskirchenamt vielleicht weit auseinander. Wenn Sie meine konkreten Aufgaben anschauen, nämlich die Leitung der Administration einer großen Organisation, gibt es viele gleichgelagerte Fragen und Herausforderungen. Da ist der Unterschied gar nicht so groß.

Zitat

Wir wollen unterstützen und ermöglichen – nicht verbieten und verhindern. Das Landeskirchenamt muss als Partner und Förderer der kirchlichen Arbeit auftreten und wahrgenommen werden."

Oberkirchenrat Dr. Nikolaus Blum

Die Evangelische Kirche und die Bayerische Landeskirche habe ich bisher aus zwei Perspektiven kennengelernt. Ich bin als Pfarrerskind aufgewachsen und habe daher schon früh die vielfältigen Aufgaben in einem Pfarramt und das Gemeindeleben kennengelernt. In meinem bisherigen Berufsleben hatte ich mit meiner Familie immer engen Kontakt mit den jeweiligen Kirchengemeinden, in denen wir gewohnt haben: in Karlsruhe, Freising, Leipzig oder jetzt seit vielen Jahren in Vaterstetten-Baldham. Meine Frau ist nebenberufliche Organistin.

Was hat Ihre Familie dazu gesagt, dass Sie jetzt Im Landeskirchenamt arbeiten?

Nikolaus Blum: Sowohl meine Frau als auch meine Kinder haben mich während des Prozesses der Entscheidungsfindung sehr ermutigt, diese neue Aufgabe anzunehmen. Sie meinten, dass die Aufgabe und das Umfeld zu mir passen. Ich habe da etwas länger überlegen müssen – bin aber heute sicher, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe.

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Nikolaus Blum: Ich freue mich sehr darauf, die vielfältigen Formen kennenzulernen, in denen sich das aktive und engagierte christliche Leben unter dem Dach der ELKB entfaltet, und natürlich auch auf die vielen menschlichen Begegnungen, die damit verbunden sind. Ich möchte diese Vielfalt durch die fundierte Arbeit des Landeskirchenamts unterstützen und dazu beitragen, ihr den geeigneten Rahmen und eine stabile Grundlage zu geben.

Wovor haben Sie den meisten Respekt?

Nikolaus Blum: Vor den Menschen, die in unserer Kirche aus tiefster innerer Überzeugung handeln, die sich in Projekte und Teams einbringen, um mit ihren Leistungen und Werken dem Nächsten zu dienen.

Sie haben sich intensiv mit der Personalführung von Wissenschaftssystemen beschäftigt. Wie kann die Kirche davon profitieren?

Nikolaus Blum: Zunächst mal durch die Erkenntnis, dass man sich mit dem Thema Führung auseinandersetzen muss, ob man will oder nicht. Jede Person, die Personalverantwortung trägt, ob in rechtlicher oder auch geistlicher Hinsicht, führt andere Menschen. Dieser Aufgabe kann sich niemand entziehen, weder in einem wissenschaftlichen Umfeld noch in einem kirchlichen. Jeder muss sich intensiv mit der Frage auseinandersetzen, welche Ziele er mit der Führung verfolgt und welches dafür die angemessenen Führungsinstrumente sind.

Ist Leiten ein Thema, bei dem Kirche vorbildlich ist? Oder muss sie es eher lernen? Welche Erfahrungen aus dem Helmholtz-Zentrum wollen sie im Landeskirchenamt einbringen?

Nikolaus Blum: Diese Frage kann ich nicht pauschal beantworten. Es gibt sicherlich Aspekte von Führung, die in der Kirche eher gut und intensiv wahrgenommen werden. Ich denke hier vor allem an seelsorgerische Begleitung und das Eingehen auf individuelle Besonderheiten. Andere Aspekte, gerade wenn es um die Führung größerer Organisationseinheiten geht, scheinen mir noch ausbaufähig zu sein – zumindest wenn man die Kirche insgesamt betrachtet.

Oberste Dienstbehörde oder Servicezentrum – wie wollen Sie das Landeskirchenamt zukünftig positionieren?

Nikolaus Blum: Die Aufgaben und Funktionen des Landeskirchenamtes sind klar und eindeutig in der Kirchenverfassung beschrieben. Daran gibt es nichts zu rütteln. Bei der Frage, wie das Landeskirchenamt seine Aufgaben wahrnimmt, kommt es mir darauf an, dass wir konstruktiv arbeiten. Wir wollen unterstützen und ermöglichen – nicht verbieten und verhindern. Das Landeskirchenamt muss als Partner und Förderer der kirchlichen Arbeit auftreten und wahrgenommen werden. Und wenn etwas wirklich nicht geht, sollte nach Alternativen gesucht werden oder zumindest transparent gemacht werden, warum es nicht möglich ist.

Kann man eine Landeskirche wie ein Unternehmen führen?

Nikolaus Blum: Sicherlich nicht. Aber es können sehr wohl Führungsinstrumente, die sich in Unternehmen bewährt haben, auch im kirchlichen Bereich erfolgreich zur Verfolgung der kirchlichen Ziele eingesetzt werden.

Was sehen Sie als die größte Herausforderung für Sie in den kommenden Monaten an?

Nikolaus Blum: Ich möchte möglichst schnell verstehen, wie das Landeskirchenamt „tickt“ und wie das komplexe Zusammenspiel mit den Leitungsorganen und der gesamten Kirchenorganisation funktioniert. Das ist die Voraussetzung, um Projekte und Initiativen richtig aufzusetzen und zu guten Ergebnissen zu führen.


15.01.2016 / ELKB