Kirche verleiht Geisendörfer-Preis

Zur gegenseitigen Achtung beitragen

Junge ohne Beine mit Freunden

"Theo lässt sich nicht aufhalten": Szene aus dem preisgekrönten Film von Matthias Eder über den zehnjährigen Theo, der keine Beine hat.

Bild: KiKA/house of media

Sieben Radio- und TV-Produktionen sind am Freitag in München für ihren Beitrag zu einem guten Miteinander von einzelnen, Gruppen und Völkern mit dem Robert-Geisendörfer-Preis geehrt worden.

In seiner Begrüßungsrede zur 31. Verleihung in München unterstrich Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm die Notwendigkeit von Sendungen, die im allgegenwärtigen „Kampf um die Quote“ mehr zu bieten hätten „als nur oberflächlichen Effekt. Weil sie Themen ansprechen, die in einer stark unterhaltungsgeprägten Medienlandschaft sonst nicht zum Zug kämen. Weil sie Menschen und Ereignisse in den Fokus rücken, die sonst vielleicht übersehen würden“.

Gewürdigt wurden unter anderem der Fernsehfilm "Nichts mehr wie vorher" (Sat.1) und das Radio-Feature "Das Hacker-Syndrom" (WDR). Der Sonderpreis der Jury ging an die Geschichtsdoku "14 - Tagebücher des Ersten Weltkriegs" (NDR, SWR, ARTE, WDR, ORF). Die Preise sind mit insgesamt 30.000 Euro dotiert, der Sonderpreis für eine exemplarische publizistische Leistung ist nicht dotiert.

Die Jury lobte, der Film "Nichts mehr wie vorher" von Oliver Dommenget und Henriette Piper über einen zu Unrecht des Mordes verdächtigten Mann überführe eine wahre Begebenheit "ohne jede spekulative Effekthascherei in einen wirkmächtigen und stilsicheren Fernsehfilm".

"Verantwortung neu buchstabieren"

Ein weiterer Preis ging an die TV-Sendung "In Deutschland um die Welt. Israel in Berlin" (EinsPlus/SWR) mit Pierre M. Krause. Die Treffen des Moderators mit jungen Israeli in Berlin vermittelten viel Information und böten ganz beiläufig Einblicke in jüdische Tradition und Religion, urteilte die Jury.

string(4) "test"

An dem Radio-Feature "Das Hacker-Syndrom" (WDR) von Johannes Nichelmann und Nikolai von Koslowski hob die Jury hervor, dass es dem Team eindrücklich gelungen sei, die Netzwelt hörbar zu machen. Das Feature zeige, dass "wir Menschen in dieser grenzenlosen Kommunikation lernen müssen, Verantwortung neu zu buchstabieren und die eigenen Grenzen zu definieren".

"Wenn er es schafft, schaffe ich das auch"

Das Radio-Feature "Fremde Mutter, fremdes Kind. Zwangsadoptionen in der DDR" (MDR) überzeugte die Jury vor allem dadurch, dass die erzählten Schicksale "exemplarisch für eine menschenverachtende Praxis" stünden.

Die Kinderfernsehpreise gehen in diesem Jahr an die KiKA-Produktion "Theo lässt sich nicht aufhalten" von Matthias Eder und an die ZDF-Produktion "Hilfe, ich bin ein Vorurteil". Der Film über den zehnjährigen Theo, der keine Beine hat, beeindruckte die Jury wegen der überaus positiven Botschaft, die er vermittelt: "Wenn Theo es schafft, sein Leben zu meistern, dann schaff ich das auch."

Der Film werbe unaufdringlich für Integration. An der "pur+"-Sendung "Hilfe ich bin ein Vorurteil" lobte die Jury, dass das Magazin ohne erhobenen Zeigefinder den Kindern auf spielerische Weise beibringe, ihre Vorurteile zu hinterfragen.

Nachdenklich, anrührend, aufrüttelnd

In seiner Begrüßungsrede beglückwünschte Heinrich Bedford-Strohm die Preisträger zu der Auszeichnung und betonte, die ausgezeichneten Sendungen verdienten es, „besonders gewürdigt zu werden“. Der Geisendörfer-Preis sei von jeher ein „bewährter und breit anerkannter Indikator für Qualitätsprogramm“ und ein „Beleg gegen die gerne vorgebrachte Behauptung, Hörfunk und Fernsehen böten nur noch platte Unterhaltung“.

Darüber hinaus plädierte der Landesbischof für eine zunehmende Verjüngung der Programme und mehr Angebote „zwischen der Sendung mit der Maus und dem Auslangsjournal“. Die in München preisgekrönten Beiträge seien ein guter Vorreiter dafür, dass es über den üblichen Kommerz hinausgehend „anspruchsvolle Produktionen gibt, die auf kreative, handwerklich gut gemachte und bisweilen durchaus witzige Art auch Nachdenkliches, Anrührendes, Aufrüttelndes bieten“.

Mit dem Robert Geisendörfer Preis zeichnet die evangelische Kirche Hörfunk- und Fernsehsendungen aus allen Programmsparten aus, die das persönliche und soziale Verantwortungsbewusstsein stärken und zur gegenseitigen Achtung der Geschlechter beitragen. Die Auszeichnung wird seit 1983 jährlich im Gedenken an den christlichen Publizisten und bayerischen Pfarrer Robert Geisendörfer (1910-1976) verliehen.


26.09.2014 / epd / ELKB