Museum Kirche in Franken

Der Hesselberg - ein "heiliger" Ort der Täter

Hesselberg

Der Antisemit Julius Streicher inszenierte zwischen 1933 und 1939 auf dem Hesselberg die "Frankentage".

Bild: KOMM/Kirche Museum in Franken

Der Hesselberg, heute ein Zentrum evangelischer Bildung, war in der Zeit des Nationalsozialismus als Kultort und Feierstätte bekannt. Bis zu 100.000 Menschen kamen zu den „Frankentagen“.

Wie konnte das ländliche Mittelfranken zu einer Hochburg der Nationalsozialisten werden? Die Wanderausstellung "Der Hesselberg - ein heiliger Ort der Täter", die im Museum Kirche in Franken in Bad Windsheim zu sehen ist, wurde von "KOMM-Bildungsbereich & Diskurswerkstatt e.V." in Nürnberg konzipiert. Gezeigt werden noch bis Montag, 16. Mai, in Texten, Fotos und historischen Filmaufnahmen die propagandistische Inszenierung des Hesselbergs.

Der fränkische Gauleiter Julius Streicher machte den Hesselberg, der mit 689,4 m die höchste Erhebung Mittelfrankens ist, zum politischen Versammlungsort der Nationalsozialisten. Aus Parteikundgebungen, bei denen 1930 auch Adolf Hitler anwesend war, entwickelten sich nach der Machtübernahme der NSDAP im Jahre 1933 die jährlich abgehaltenen "Frankentage". Diese waren neben den Nürnberger Reichsparteitagen die größten NS-Kundgebungen in Franken. Sieben Mal haben bis 1939 auf dem Hesselberg die "Frankentag" stattgefunden. Bis zu 100.000 Besucher hörten auf der Osterwiese die Reden des Herausgebers des antisemitischen Hetzblattes "Der Stürmer", Julius Streicher. Der Hesselberg bekam damals den Titel "Heiliger Berg der Franken".

Nicht unerheblich bei der Auswahl des Hesselberges als Inszenierungsort der NSDAP war die hohe Bedeutung, die Mittelfranken für die Partei spielte. Mittelfranken galt als Brücke der nationalsozialistischen Bewegung von Bayern in das Reich. Von dieser dunklen Geschichte auf dem Hesselberg sind heute keine Spuren mehr vorhanden. Die hochfliegenden Pläne der Nazis wurden nie verwirklicht, der Bau der geplanten Adolf-Hitler-Schule ebenso wenig wie die Errichtung eines Julius-Streicher-Mausoleums. Vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs konnten die Nationalsozialisten nur ein Verwaltungsgebäude mit Garage fertigstellen. Diese Garage wurde später von den auf dem Berg untergebrachten Flüchtlingen als Kapelle genutzt.

Die Ausstellung ist als Wanderausstellung konzipiert und gliedert sich in vier Segmente. Themenfeld eins befasst sich mit dem „Mythos Berg und den Nazis“ vor 1933. Das zweite beschäftigt sich mit dem „Ausbau des Hesselbergs zur Kultstätte“ und beleuchtet die Zeit zwischen 1933 und 1939.
Kapitel drei widmet sich unter der Überschrift „Predigt und Gewalt“ der Rolle Streichers und seinem Antisemitismus, während sich der vierte Abschnitt mit dem „Verschwinden der Hesselbergtage“ aus dem Gedächtnis der Franken nach 1945 befasst. Begleitet wird die Ausstellung von Führungen, Konzerten und Vorträgen.


15.03.2016 / Museum Kirche in Franken
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