Augsburg lädt ein zum Hohen Friedensfest

Neunjähriger Paul malt "Friedensbild 2014"

Paul Högerle zeigt das 'Augsburger Friedensbild 2014'

Der neunjährige Paul Högerle von der Sankt-Ulrich-Grundschule in Schwabmünchen präsentiert sein Gemälde zum Thema „Wo Gott zuhause ist …“ Es ist das Siegerbild des diesjährigen Schüler-Malwettbewerbs des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Augsburg und zier

Bild: Annette Zoepf

Der Sieger im Malwettbewerb "Wo Gott zuhause ist..." zum laufenden Augsburger Friedensfest (noch bis 8. August) steht fest: Viertklässler Paul Högerle hat das "Augsburger Friedensbild 2014" gemalt.

Die Weltkugel und einen leeren roten Thron im Vordergrund zeigt das "Augsburger Friedensbild 2014" zum Motto „Wo Gott zuhause ist …“ „Ich habe das so gemalt, weil Gott mitten in der Welt ist. Und der Sessel ist leer, weil man Gott doch nicht malen soll“, erklärt Paul Högerle von der Sankt-Ulrich-Grundschule in Schwabmünchen.

Sein Bild, das der Neunjährige da gerade beschreibt, ist das Siegerbild im Malwettbewerb des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Augsburg zum derzeit laufenden "Augsburger Friedensfest": Viertklässler Paul darf sich über 100 Euro Preisgeld für das von ihm kreierte Werk freuen. Stadtdekanin Susanne Kasch würdigte die besondere Originalität und die hohe Interpretationsmöglichkeit. „Das Gemälde inspiriert den Betrachter zum Nachdenken. Gott ist nicht festgelegt. Wir können unsere eigenen Vorstellungen eintragen.“

Insgesamt 350 Bilder eingereicht

Für den Malwettbewerb haben viele Kinder gezeigt, wie kreativ sie sind: Schülerinnen und Schüler der Grund-, Mittel- und Förderschule aus Stadt und Landkreis Augsburg, Aichach-Friedberg sowie aus Wertingen waren, unabhängig von Konfession und Religion, zum Mitmachen eingeladen - sie reichten insgesamt 350 Bilder ein, die ihre Vorstellungen von Gott darstellten.

Mehr zum Thema

Gott wohnt für die Jungen und Mädchen zum Beispiel im Himmel oder in der Kirche aber auch an vielen anderen Orten, wie im Krankenhaus oder bei Menschen in Not. Er ist auch zugegen, wenn Streit geschlichtet wird. Biblische Geschichten, persönliche Erlebnisse und Beobachtungen inspirierten die Kinder. Eine ökumenische Jury bestehend aus Religions- und Kunstlehrern, Pfarrern und Vertretern der Stadt Augsburg bewertete die Kunstwerke. Der zweite Preis, dotiert mit 60 Euro, ging an Lena Blümelhuber von der Grundschule Am Eichenwald, Neusäß, Klasse 4b, der dritte Preis in Höhe von 40 Euro ging an die Elisabethschule Aichach, Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, Klasse GS2. Zudem gab es weitere Buchpreise.

Die prämierten Bilder sind noch bis Montag, 4. August, im Kundenzentrum der Kreissparkasse Augsburg, Martin-Luther-Platz 5 ausgestellt. Im Zeitraum vom Dienstag, 5. August, bis Montag, 18. August, können diese und weitere ausgewählte Werke weiterhin im Kreuzgang der St. Anna Kirche zu den Kirchenöffnungszeiten besichtigt werden. Der Eintritt zu der Ausstellung ist frei. 

"Friedensfest" noch bis 8. August

Das "Augsburger Friedensfest" indes läuft noch bis 8. August. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Menschen in modernen pluralistischen Gesellschaften "Heimat" verstehen und neu interpretieren können. Weg von überholten nostalgischen oder nationalistischen Konzepten soll "Heimat" als ein individueller und kollektiver Aushandlungsprozess von ganz unterschiedlichen Menschen und ihren Lebensgeschichten erfahren werden. Heimat - das kann eine Gottesdienstform sein, ein Jahresfest, ein Gebäude oder eine Musikrichtung.

Entsprechend vielfältig und bunt gestaltet sich das Programm der Festwochen: Vom interreligiösen Konzert mit gemeinsamem Fastenbrechen nach islamischem Ritus über das biografische Theaterstück "Letzte Heimat" bis hin zum Kunstwettbewerb von Schülern "Wo Gott zu Hause ist" ist alles geboten. Vorträge, Predigt-Slams und Shuttletouren durch Kirchen, Moscheen und Synagogen thematisieren auf ganz unterschiedliche Weise die Frage nach Heimat, die in Augsburg und darüber hinaus höchst aktuell ist.

"Heimat für alle, die hier wohnen"

Weltweit sind 45 Millionen Menschen auf der Flucht; täglich erschüttern uns Nachrichten von Flüchtlingen und Asylbewerbern, die ihre alte Heimat verloren haben und auf der Suche nach einer neuen sind. In Augsburg leben über 40 Prozent Einwohner mit Migrationshintergrund, die das Stadtbild um eine Vielzahl von Nationalitäten, Religionen und Traditionen erweitern. "Es ist unser Wunsch zum ,Hohen Friedensfest 2014', dass unsere Stadt Augsburg Heimat sein möge für alle, die hier wohnen, und dass wir unser Verschiedensein nicht mit Misstrauen betrachten, sondern als Reichtum entdecken, den Gott in unsere Welt hineingelegt hat," heißt es im ökumenischen Grußwort der Stadtdekane von Augsburg.

Ein einzigartiger Feiertag des Friedens

Das Augsburger Hohe Friedensfest am 8. August ist seit 1950 ein auf die Stadtgrenzen von Augsburg begrenzter einzigartiger "Feiertag des Friedens". Er geht zurück auf das Jahr 1650, als die Protestanten Augsburg ihre Gleichberechtigung mit der römisch-katholischen Kirche feierten, die sie erstmals im Augsburger Religionsfrieden von 1555 formuliert und schließlich im Westfälischen Frieden von 1648 durchgesetzt hatten.

An das mühsam erlernte friedliche Miteinander der christlichen Konfessionen zu erinnern und dieses als Ermutigung zu verstehen für die Herausforderungen des Pluralismus von heute - das ist der Auftrag, den die "Friedensstadt Augsburg" noch bis 8. August mit Fröhlichkeit und Feierfreude begehen wird.


15.07.2014 / Katharina Wörn / Evang.-Luth. Dekanat Augsburg