Urlaubsseelsorge

Glaubensfragen im Seenland

Brombachsee, Fränkische Seenplatte

Blick auf den Brombachsee, dem größten Stausee im Fränkischen Seenland - und ein beliebtes Ziel für heimische Urlauber.

Bild: Tourismusverband Fränkisches Seenland

Sommerzeit - Ferienzeit. Doch viele Menschen lassen jetzt nicht nur die Seele baumeln, sondern nutzen die freien Wochen auch für Glaubensfragen; ein Blick zur Urlaubsregion "Fränkische Seenplatte".

Eigentlich ist Helmut Müller schon fast vier Jahre im Ruhestand. Doch wenn im Sommer die meisten Menschen das Urlaubsfieber packt, zieht es den 67-Jährigen zurück in den Dienst. Schon zu seiner aktiven Zeit als evangelischer Pfarrer und Dekan hat er in den Sommerwochen als Touristen- und Urlaubsseelsorger gearbeitet. In Markt Oberstdorf etwa oder in Prien am Chiemsee war er. Nun - im Ruhestand - zieht es Müller nicht mehr so weit weg von seinem Wohnort Haundorf (Kreis Ansbach). Zum dritten Mal ist er heuer der Urlaubspfarrer am Brombachsee.

Müller kommt immer im August. Vier Wochen. Immer dann, wenn die mit der Urlaubs- und Touristenseelsorge beauftragten Gemeindepfarrer aus dem Fränkischen Seenland südwestlich von Nürnberg selbst mal in den Urlaub fahren wollen. Der Theologe kommt dann aber nicht, um auch in den Kirchengemeinden Vertretung zu leisten - er kommt vor allem für die Urlauber. "Natürlich kommen zu den Gottesdiensten auch Einheimische", sagt er. Aber sein Hauptauftrag sei es, gerade auch eher kirchenfernen Touristen im Urlaub ein "besonderes Erlebnis mit Kirche" zu ermöglichen.

"Urlaubsfreundliche Uhrzeiten sind ein Muss"

Predigten von der Kanzel gibt es in den vier Wochen deshalb kaum oder gar nicht von Helmut Müller. Jeden Sonntag um 11 Uhr steht er am Ufer des Kleinen Brombachsees unterhalb von Absberg. "Urlaubsfreundliche Uhrzeiten sind ein Muss", sagt er und lacht. Unter den drei Bäumen am Ufer parkt eine der drei Schäferwagenkirchen des Seenlandes, Bänke laden zum Sitzen ein, viele Familien mit Kindern breiten Decken aus. Die Posaunenchöre aus der Region gestalten den Seegottesdienst mit.

Nach Angaben der bayerischen evangelischen Landeskirche tun allein in diesem Sommer 79 Pfarrerinnen und Pfarrer solch einen Urlaubsdienst. Für die Kirche sind solche niederschwelligen Angebote wichtig. "Wenn ich am Abend eine kurze Andacht beim Minigolfplatz halte, dann hören eben auch Leute zu, die mit Kirche sonst nichts am Hut haben", erläutert Helmut Müller. Das müsse dann theologisch gar nicht tiefschürfend sein, was er erzähle: "Das kann auch mal ein kurzes Gedicht als Impuls sein." Dies könne das "in jedem vorhandene " religiöse Interesse wecken.

"Sinnsuche ist ein Urbedürfnis"

Müller sieht seinen "Ferienjob" als eine Art Türöffner für die Kirche - er, der früher als Dekan in Uffenheim und Feuchtwangen meistens eher mit kirchennahen Menschen zu tun hatte. "Niemand will doch nur einfach so durchs Leben rumpeln, bis es vorbei ist - Sinnsuche ist ein Urbedürfnis", sagt er. Und das könne Kirche vor allem dann leisten, wenn Menschen Zeit haben, sich zu öffnen, über ihr Leben nachzudenken - eben im Urlaub. Dazu brauche es dann eben "Hingucker und Hinhorcher", zum Beispiel auch die Bläserserenade am Sonntagabend auf dem Schiff.

Auch wenn alles nach viel Spaß und Freude klingt - die Vertretung eines Touristenpfarrer im Sommer ist kein Urlaub. "Deshalb bekommen aktive Pfarrer noch einmal zwei Wochen Urlaub für den Urlaubsdienst obendrauf", sagt Müller. Zur Erholung von der Ferienzeit.


/ epd / Daniel Staffen-Quandt
drucken