Jugendbegegnung im schwedischen Skara

Gemeinsam Wege des Friedens gehen

Walking to Emmaus

Heute in schwedischer Weite, 2015 im Heiligen Land unterwegs: die Gruppe "Walking to Emmaus" aus Schweden, Südafrika, Palästina und Bayern

Bild: Lüters

Völkerverständigung hautnah: Eine Woche lang pilgern Jugendliche aus vier Nationen gemeinsam in Schweden und lernen dabei, einander besser zu verstehen - eine Begegnung, die alle begeistert.

"We are the chosen ones“ - Chobeka lacht stolz. Die Südafrikanerin weiß, dass viele junge Christen aus ihrem Land jetzt gerne mit ihr tauschen würden - sie wurde ausgewählt, nach Schweden zu fahren. Sally aus Palästina hatte es schwer, aus Jerusalem herauszukommen. Kurzfristig wurde ihr Flug abgesagt und sie musste den beschwerlichen Weg über Jordanien auf sich nehmen.

Dagegen war es für Sophia und Verena, Elias und Carmen aus Bayern vergleichsweise einfach, nach Schweden zu kommen. Doch auch sie sind sich sehr bewusst, welch einmalige Chance sich ihnen gerade bietet. „Ich bin so dankbar, dass mir diese Gelegenheit ermöglicht wurde“, schwärmt Emilia.

Nun sind sie alle da – schwedische,  südafrikanische, palästinensische und bayerische Jugendliche an einem stillen See, zwischen lichten Birkenwäldern, grünen Wiesen mit malerischen roten Häuschen – eine Bilderbuchlandschaft mitten in Schweden. Sie alle wissen, dass sie an einer außergewöhnlichen Begegnung teilnehmen. Eine Woche lang werden sie im Tagungshaus Flämslätt der Diözese Skara zusammen leben, wandern, beten und sich Tag für Tag ein bisschen besser kennen und verstehen lernen.

Blick zurück und nach vorn

Eingeladen dazu haben die schwedischen Gastgeber anlässlich ihres 1000-jährigen Gründungsjubiläums: 1014 wurde der sächsische Bischof Thurgot in das etwa im 8. Jahrhundert christianisierte Schweden entsandt, um in Götland ein Bistum zu errichten – das erste im ganzen Land. In der Mitte des 12. Jahrhunderts wurde der Sitz des Bistums nach Skara verlegt. Seitdem ist Skara Bischofssitz und damit die älteste Diözese in ganz Schweden.  Die kleine freundliche Stadt ist stolz darauf. Ein Wochenende lang wird das 1000-jährige Jubiläum im Schatten der hohen Kathedrale festlich begangen: mit einem großen Festgottesdienst, zu dem sogar das Kronprinzenpaar sein Kommen zugesagt hat, und mit einem bunten Programm präsentiert sich die Diözese gleichermaßen traditionsbewusst und modern.

Begegnung im Gehen

Jugendbegegnung,© Lüters

Beim gemeinsamen Gehen lernen sich die Jugendlichen (hier Mario aus München und Sally aus Jerusalem) besser verstehen - ob mit oder ohne Worte.  

Sprache der Musik

Walking to Emmaus,© Lüters

Genauso wichtig ist die Musik: Am Tanzen und  gemeinsamem Singen haben alle Freude - ob nun auf südafrikanische, schwedische oder bayerische Musik.

Skara feiert

Skara Stift ,© Lüters

Hier entstand die Idee: Zu seinem 1.000. Jubiläum will das Bistum Skara nicht nur zurück-, sondern auch nach vorne blicken. Deshalb wurden Jugendliche aller Partnerkirchen eingeladen - sie werden in Zukunft Kirche bauen.

Bischöfe zu Besuch

Walking to Emmaus,© Lüters

Jeder Tag beginnt mit dem Abendmahl. Fast täglich ist ein anderer Bischof zu Gast: Neben dem südafrikanischen und dem palästinensischen Bischof auch Bischof Åke Bonnier (Bild) und Landesbischof Heinrich Bedford-Srohm.

Gemeinsames Gebet

Walking to Emmaus,© Lüters

 Gelebte Spiritualität spielt eine wichtige Rolle: Bei den Andachten, beim Bibellesen und in Reflexionsrunden, erfahren die Jugendlichen etwas über die Frömmigkeit der anderen und beten mit- und füreinander.

Für eine friedliche Zukunft

Walking to Emmaus,© Lüters

Initiator Göran Rask ist fast immer mit dabei. Seine Vision: Wo junge Menschen verschiedener Kulturen sich wirklich begegnen, wird der Grundstein für eine friedliche Zukunft gelegt.

Ein Stab für den Weg

Walking to Emmaus,© Lüters

Zur Pilgerausrüstung gehören Rucksack, Bibel und Wanderstab. Den hat sich jeder Teilnehmende selbst geschnitzt. 2015 in Palästina werden die Stöcke auch mit dabei sein.

Zu Besuch in schwedischen Kirchen

Walking to Emmaus,© Lüters

In Skövde stellen zwei junge Schwedinnen ihre Kirche und ihren Weg zum Glauben vor.  Jeden Tag lernt die Gruppe eine anderes Gebäude und dabei auch die schwedische Kirche besser kennen.

Bayerisch-international

Walking to Emmaus,© Lüters

An jedem Abend stellt sich eine andere Nationalität vor: die Südafrikanerinnen und -Afrikaner mit vielen fröhlichen Liedern und die Bayern in Dirndln und Lederhose.

Kunstvoller Tanz

Walking to Emmaus,© Lüters

Nach einer Gedenkminute für die im Gaza-Krieg getöteten Menschen zeigen die Palästinenserinnen und Palästinenser, wie kunstvoll sie tanzen können.

Die Frage nach einer trotz ihres Alters jungen Kirche bewegte auch Göran Rask, Beauftragter für internationale Beziehungen in der Diözese Skara. Die Kirche sollte zum Jubiläum nicht nur zurück, sondern auch in die Zukunft schauen. Deswegen regte er die Jugendbegegnung an: Jugendliche aller Kirchen, mit der die Diözese partnerschaftlich verbunden ist, sollten mit jungen Schwedinnen und Schweden zusammentreffen und gemeinsam mit ihnen das Jubiläum zu feiern.

Aber nicht nur das: Sie sollten auch die Chance erhalten, sich wirklich zu begegnen und gemeinsam an der Zukunft der weltweiten Kirche zu bauen. Sie sollten sich gemeinsam auf den Weg machen, zu Orten in der wunderbaren Landschaft der Diözese und zueinander. Denn "wie können wir mehr in der Welt bewegen, als dadurch, dass wir junge Menschen zusammenbringen und ihnen Gelegenheit geben, mehr voneinander zu erfahren?", fragt Rask.

So entstand „Walking to Emmaus“ – ein Pilgerweg für etwa 50 junge Menschen – aus Schweden, Palästina, Südafrika und Bayern. Und weil Beziehungen Zeit brauchen, um zu wachsen, soll es nicht nur bei diesem einen Treffen bleiben. 2015 wird die Gruppe wieder gemeinsam unterwegs sein: diesmal in Palästina auf dem Weg nach Emmaus.

Gelebte Glaubensgemeinschaft

Die Tage in Flämslätt und unterwegs sind erfüllt und reich an neuen Erfahrungen: Das geht schon nach dem Frühstück los. Beim gemeinsamen Abendmahlsgottesdienst werden die Teilnehmer und Teilnehmerinnen in den Tag gesandt: Jeden Tag mit einem Impuls aus dem Vaterunser - und meist von einem der Bischöfe ihrer Heimatkirchen, der zum Jubiläum nach Skara gereist ist. Am Freitag ist Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in Flämslett zu Gast. Er freut sich, über die guten Beziehungen, die inzwischen gewachsen sind und über die Begeisterung und Dankbarkeit der jungen Menschen, an dieser Begegnung teilnehmen zu dürfen. "Nachhaltigkeit" ist das Thema des Vormittags. Hier müsse ein weltweites Umdenken erfolgen, fordert der Landesbischof. Auf ihrem Pilgerweg werden die Jugendlichen darüber diskutieren.

"Anfangs war es schon merkwürdig für uns Deutsche, jeden Tag mi dem Abendmahl zu beginnen", meint Elena. Aber jetzt sei die Gemeinschaft in der Morgenfeier wichtig für sie. Auch das Pilgern - etwa acht bis zwölf Kilometer am Tag - wird mit einem Bibelvers und einem Thema begonnen, das erst einmal schweigend, dann mit wechselnden Gesprächspartnern und in der Großgruppe bedacht wird. Zum Abschluss der Wanderung wird eine schwedische Kirche  besichtigt bevor die Pilger wieder nach Flämslätt zurückkehren.

Tiefe Gespräche

Gerade die vielen Gespräche unterwegs sind es, die Carmen begeistern. Die junge Münchnerin hat schon einige Erfahrung mit Jugendbegegnungen in Tansania und El Salvador gesammelt. Während dort manchmal die Verständigung etwas schwierig gewesen sei, "sprechen hier alle hervorragend Englisch". Das ermögliche wirklich tiefe Gespräche - auch und gerade über die Religiosität. "Für mich ist besonders beeindruckend, dass alle anderen Nationen - auch die Schweden -  sich so extrem sicher in ihrem Glauben sind. Das ist etwas, das ich so nicht kenne." Sie selbst ist in einem kritischen Glauben aufgewachsen und schätzt das auch."Ich bin froh darum, dass ich in einer Gruppe bin, in der ich meine Zweifel offen ansprechen kann." Ob die anderen das nachvollziehen können? Ganz sicher ist sie sich da nicht. "Ab und zu würde ich mir schon gerne ein Stück von dieser Glaubenssicherheit abschneiden", gesteht sie ein.

Walking to Emmaus

Große Dankbarkeit: Mario, Sophia, Elena, Emilia und Elias erzählen dem Landesbischof von ihren Erfahrungen bei der Jugendbegegnung

Bild: Lüters

Was ist das - Frieden?

Abends wird noch einmal in der Kleingruppe über das Tagesthema gesprochen - in einer Offenheit und Tiefe, die sich wohl keiner von ihnen vorstellen konnte. Geht das denn: Die linke Backe hinzuhalten, wen man auf die rechte geschlagen wird - auch im Palästinakonflikt? Was ist das überhaupt Frieden? Nur die Abwesenheit von Krieg? Hier hören die Palästinenserinnen sehnsüchtig von Menschen, die ohne militärische Konflikte aufgewachsen sind. Die Südafrikaner erzählen von ihrem langen Ringen um Frieden und Versöhnung. Und Deutsche und Schwedinnen erkennen ganz tief, dass Frieden nie zu selbstverständlich genommen werden darf.

Gerade der Konflikt in Israel und Palästina, ist allen sehr nahe gekommen. "Man kann sich gar nicht vorstellen, aus welchem Hintergrund heraus manche von uns kommen", überlegt Elias Bomblies, der die Münchner Gruppe begleitet. Mit den Jugendlichen von dort zu sprechen, sie nach ihren Erfahrungen zu fragen und sie besser zu verstehen, das ist ihm ganz wichtig. Auch Elena hat die Begegnung mit den Palästinensern sehr bewegt. Sie werde jetzt anders an die Menschen in Palästina denken - und für sie beten.

Die Sprache der Musik

Trotz aller tiefer und ernster Gespräche kommt auch der Spaß nicht zu kurz: Beim Kanufahren und Schwimmen, aber besonders bei den Abenden, die von den einzelnen Nationalitäten gestaltet werden wird viel gelacht - und getanzt. Ob zu Klängen aus Südafrika, palästinensischer Musik oder zum bayerischen "Fliegerlied" - hier in der Bewegung und bei der Hingabe an die Musik sprechen alle eine Sprache, die sich ohne Worte versteht.

"We are walking to Emmaus" - fröhlich und zuversichtlich klingt das Lied der internationalen Gruppe. Es wird Hannah und Elias, Sally und Fredrica zurück in ihre Heimatländer begleiten.  Am liebsten würden die Deutschen die Gruppe gleich nach Bayern einladen. Jetzt werden sie dort erst einmal ihren Freunden in der Evangelischen Jugend von ihren wertvollen Erfahrungen erzählen und die neu gewonnenen Freundschaften pflegen, bis sie sich - so Gott will - 2015 in Palästina wiedersehen.


29.08.2014 / Anne Lüters
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