Gedenkfeier in Flossenbürg

Demokratie und Menschenwürde verteidigen

Jugendvertreter beim FEstakt in Flossenbürg

VertreterInnen der internationalen Jugendbegegnung bei ihrer Ansprache beim feierlichen Gedenkakt des 70. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Flossenbürg.

Bild: KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

Mit Appellen an die Jugend, die Demokratie zu verteidigen, endete der Gedenkakt in Flossenbürg. Zum 70. Jahrestag der Befreiung hatten sich Überlebende, Angehörige und Gäste versammelt.

Aus aller Welt waren sie nach Flossenbürg gekommen, um der Toten zu gedenken, die dort im KZ sterben mussten. Mehr als 40 ehemalige Häftlinge mit rund 500 Angehörigen sowie zahlreiche weitere Gäste nahmen an der Gedenkfeier anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers vor 70 Jahren teil. Sie lobten die Erinnerungs- und Bildungsarbeit sowie die Neugestaltung der Gedenkstätte.

Jack Terry war mit 14 Jahren einer der jüngsten Häftlinge in Flossenbürg. Der Sprecher der ehemaligen Lagerhäftlinge hat als einziger seiner Familie den Holocaust überlebt. Gemeinsam mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit ging er durch das von zwei Betonblöcken angedeutete KZ-Tor. Beim feierlichen Gedenkakt unterstrichen sie, wie wichtig die Erinnerungs- und Bildungsarbeit für die Zukunft ist.

Ein Ort des Gedenkens und der Bildung

Bildung sei äußerst wichtig und müsse unterstützt werden, wenn das Postulat "Nie wieder" eine reale Bedeutung haben solle, sagte heute 85jährige Terry, der aus den USA angereist war. In Flossenbürg sei es gelungen, den Ort zu einem Ort des Gedenkens und der Bildung zu machen, "zu einem Ort der Wahrheit über das, was hier geschehen ist".

Der bayerische Ministerpräsident Seehofer nannte die Befreiung des KZ Flossenbürg durch die US-Armee am 23. April 1945 als eine der größten Taten der Humanität in der Menschheitsgeschichte. "Wir verneigen uns vor den Toten und blicken mit Hochachtung auf die Überlebenden", sagte er. Zugleich unterstrich Seehofer, dass eine menschenverachtende Ideologie in Deutschland nie mehr Fuß fassen dürfe. Die junge Generation müsse die Menschenrecht, Freiheit und Demokratie verteidigen.

"Steht auf gegen Ausgrenzung"

 Auch Kulturstaatsministerin Grütters rief dazu auf, sich mit Vergangenheit auseinanderzusetzen. An junge Menschen gerichtet sagte sie: "Steht auf gegen Ausgrenzung. Nehmt es nicht gleichgültig hin, wenn antisemitische oder rassistische Parolen verbreitet werden." Weiter betonte Grütters, Bund und Ländern wollten die ehemaligen Konzentrationslager als Lernorte erhalten.

Künftige Generationen sollten sich die Konzentrationslager nicht als Hölle vorstellen, die mit dem Leben, das sie kennen, nichts zu tun haben. "Wir wollen - was ja als Warnung noch viel eindringlicher ist -, dass man die Konzentrationslager kennenlernt als Orte menschlichen Alltags, als Orte, die zu unvorstellbarer Grausamkeit fähig waren", sagte Grütters.

Gründliche Neugestaltung

Die Grundrisse des ehemaligen KZ in der Oberpfalz sind wieder erkennbar. In den vergangenen Jahren wurde das Gelände der heutigen Gedenkstätte gründlich neu gestaltet. Auf einer einst fast parkähnlichen Anlage zeugen heute Betonstelen, wo Menschen zusammengepfercht in einer der zahlreichen Baracken hausen mussten. Eine neue Ausstellung dokumentiert die Entstehung des Erinnerungsortes. In einem ehemaligen SS-Casino entstanden neue Seminarräume und eine Museumscafé, das künftig Menschen mit Behinderung betreiben.

Das KZ Flossenbürg war am 23. April 1945 von Angehörigen der US-Streitkräfte befreit worden. Zwischen 1938 und 1945 waren etwa 100.000 Frauen und Männer aus mehr als 30 Ländern in Flossenbürg und seinen rund 90 Außenlagern inhaftiert. Zum Abschluss wurden für sie Kränze im "Tal des Todes" des früheren KZ niedergelegt


27.04.2015 / Dirk Johnen, epd