KZ-Gedenkstätte Dachau

Gedenken an die Todesmärsche

Mahnmal für die Opfer der Todesmärsche in Dachau.

Mahnmal für die Opfer der Todesmärsche in Dachau.

Bild: Björn Mensing

Am 26. April 1945 schickte die SS angesichts der nahen Befreiung des Konzentrationslagers Dachau 9000 Häftlinge auf Todesmärsche. Ein Stationenweg soll an die Menschen erinnern, die dabei starben.

Am Sonntag, 26. April 2015, erinnerte in Dachau und Karlsfeld ein breites Veranstalterbündnis an die Geschehnisse vor 70 Jahren. Angesichts des Vorrückens der US-Armee und der nahen Befreiung des Konzentrationslagers Dachau brachte die SS am 26. April 1945 etwa 9000 Häftlinge auf den Weg in Richtung Alpen. Die meisten mussten sich gegen Mitternacht zu Fuß auf den Todesmarsch machen, andere wurden in Zügen und Bussen abtransportiert. Wer nicht mehr weitergehen konnte, blieb am Straßenrand liegen und wurde von SS-Männern ermordet. Manche kamen bei irrtümlichen alliierten Luftangriffen auf die Züge um. Mehr als 1000 Häftlinge starben im Zusammenhang mit der Teilräumung.

"Wir stolperten über Menschen"

Zum Auftakt in der Evangelischen Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau am 26. April 2015 sprachen Dr. h.c. Max Mannheimer (95, Präsident der Lagergemeinschaft Dachau und Vizepräsident des Internationalen Dachau-Komitees), der vor 70 Jahren selbst von der SS aus dem Dachauer Außenlager Mettenheim (bei Mühldorf) Richtung Süden abtransportiert wurde, und Diakon Fritz Koeniger, der mit seiner Familie unmittelbar neben dem KZ wohnte und mit 10 Jahren Augenzeuge von Endphase-Verbrechen der Nazis wurde. Herzog Franz von Bayern, als „Sippenhäftling“ mit 11 Jahren im Zug aus dem KZ Dachau abtransportiert, nahm als Ehrengast teil, ebenso der Holocaust-Überlebende Karl Rom (89) aus Litauen, der vom Außenlagerkomplex Kaufering/Landsberg den Todesmarsch in Richtung Dachau/Allach antreten musste.

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Für die Veranstalter sprachen Pfarrer Dr. Björn Mensing und Pastoralreferent Ludwig Schmidinger, die Beauftragten der evangelischen und der katholischen Kirche für Gedenkstättenarbeit. Schülerinnen und Schüler des Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasiums sorgten für die musikalische Gestaltung und lasen aus Zeitzeugenberichten wie dem von Heinrich Pakullis: „Es begann zu regnen, und wir stolperten über Menschen, die zusammengebrochen sind. Noch sind es nur Ohnmächtige. Aber bald sehen wir auch die ersten Toten. Nur wenig Blut; ein kleiner blutiger Fleck auf der Stirn, aber im Nacken ein großes Loch. Also es geht schon los.“

Stationenweg durch Dachau und Karlsfeld

Im Anschluss folgte ein Stationenweg den ersten Kilometern des Todesmarsches durch Dachau und Karlsfeld. Gemeinsam mit den Zeitzeugen gehen Bundestagsabgeordnete, der bayerische Kultusstaatssekretär, Landtagsabgeordnete, Oberbürgermeister und Landrat aus Dachau, sowie Vertreter der Kirchen und der Türkisch-Islamischen Gemeinde. Der Weg führte nach einem kurzen Gedenken am Dachauer Todesmarschmahnmal an einer maroden Barackenunterkunft für Flüchtlinge auf dem Gelände eines früheren KZ-Außenlagers entlang.

Für menschenwürdige Unterbringung von Flüchtlingen heute

Mit der Station auf dem Parkplatz an der Theodor-Heuss-Straße auf Höhe der Unterkunft setzten der Arbeitskreis Asyl Dachau und der „Runde Tisch gegen Rassismus Dachau e.V.“ ein Zeichen für eine menschenwürdige Unterbringung der Flüchtlinge und gegen aktuelle Menschenrechtsverletzungen. Jutta Neupert, Autorin von Fernsehdokumentationen zur Ausländerfeindlichkeit und zur Situation von Flüchtlingen in Deutschland, stellte Yazdan Ayo (23) aus Syrien vor, der in einer der Baracken wohnt und über seine Erfahrungen sprach. Senegalesische Flüchtlinge, die im Landkreis Dachau leben, gestalteten die Station mit afrikanischer Musik.

Im Anschluss setzten die Veranstalter den Gedenkzug in Richtung Karlsfeld fort, wo am Todesmarschmahnmal an der Allacher Straße Blumen niedergelegt werden. Stefan Kolbe, Erster Bürgermeister von Karlsfeld (CSU), hatte seine Teilnahme zugesagt. In der benachbarten Korneliuskirche schilderte Irmgard Schmidt nach der Begrüßung durch Marie-Luise Moj, wie sie am 27. April 1945 am frühen Morgen mit 16 Jahren in München-Pasing den Häftlingen auf ihrem Todesmarsch begegnet ist. Für den Abschluss gestaltete der Chor „Kornelius Voices“ einen musikalischen Rahmen, Anton Jais, Vorsitzender des Dachauer Forums, beendete die Veranstaltung.

Für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen bieten die Veranstalter einen Fahrdienst zwischen den Stationen an. Fahrräder dürfen auf dem ersten Wegabschnitt über das Gelände der KZ-Gedenkstätte nicht mit-geschoben werden. Sinnvoll ist ein Abstellen der Räder an der dafür vorgesehenen Stelle am Besucherzentrum, von wo aus diese dann auf dem weiteren Weg mitgeschoben werden können.