Gedenkfeier in Dachau

Erinnerung an die Befreiung vor 70 Jahren

KZ Gedenkstätte Dachau - Zaun und Lampen (Ostseite)

Zahlreiche Überlebende und US-Soldaten und Gäste aus Politik und REligion erinnerten am Wochenende an die Befreiung des Konzentrationslagers Dachau vor 70 Jahren.

Bild: Guido Radig/ CC BY 3.0

Bei der Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau haben Vertreter aus Politik und Religion zu einem aktiven Einsatz für Demokratie und Freiheit aufgerufen.

Bei einem ökumenischen Gottesdienst betonte die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, dass Gott dieses Leid nicht gewollt habe. Deshalb vertrauten die Christen darauf, dass die Opfer im Himmel seien, wo Menschen Gottes Güte nicht mehr zerschlagen könnten. Ausdrücklich hob die Ständige Vertreterin des bayerischen Landesbischofs den Einsatz der US-Soldaten hervor. "Wir verneigen uns in Respekt vor denen, die ihr Leben eingesetzt haben, um den Terror zu beenden", sagte Breit-Keßler. Kardinal Reinhard Marx erklärte, dass die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten und die Befreiung des Konzentrationslagers "wichtig für Europa und den Aufbau einer humanen Zivilisation" sei. Der Kardinal dankte insbesondere den Zeitzeugen, von denen viele erst nach Jahrzehnten die Kraft gefunden hätten, über das Erlittene zu sprechen.

Zitat

Entsetzen und die Scham über das Unrecht, das im Namen unseres Volkes verübt wurde, lassen unsere Herzen noch immer erzittern."

Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler

Niemand dürfe die Augen vor antisemitischen Übergriffen verschließen, betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Zelt auf dem ehemaligen Appell-Platz des Konzentrationslagers. Diese Anschläge und Hassparolen zielten auf die Würde des Menschen und damit auch auf die freiheitliche Grundordnung. Alle Kräfte in Politik und Gesellschaft müssten unmissverständlich klar machen, dass jüdisches Leben ein Teil unserer Identität sei und das Antisemitismus in Deutschland keinen Platz haben dürfe, sagte Merkel weiter. Wie die Bundeskanzlerin appellierte auch der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) an alle Demokraten, gemeinsam gegen die Feinde dieser Gesellschaftsordnung einzustehen. "Demokratie braucht "Wachsamkeit", sagte Seehofer.

Bei dem Festakt, zu dem auch Überlebende des KZ Dachau und Soldaten der US-Armee gekommen waren, hob Merkel die Bedeutung der Zeitzeugen hervor. Es sei wichtig, dass diese ehemaligen KZ-Häftlinge von ihren furchtbaren Erlebnissen berichten. Denn nur so ließe sich dieses Leid erahnen, das sich dem menschlichen Vorstellungsvermögen entziehe. Durch diese Schilderungen würden hinter den bloßen Zahlen Gesichter, Namen und Lebenswege sichtbar.

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Gottesdienst am 8. Mai

Am 8. Mai um 16 Uhr begeht die Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte einen weiteren Jahrestag: So erinnert Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm zusammen mit Zeitzeugen und zahlreichen Vertretern aus Kirche und Gedächtnisarbeit in einem Gottesdienst an den 70. Jahrestag der Befreiung Europas von der NS-Gewaltherrschaft und den 50. Jahrestag der Grundsteinlegung der Versöhnungskirche. Zum 20. Jahrestag des Kriegsendes waren ehemalige Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau, kirchliche Vertreter und Ehrengäste aus mehreren Ländern zusammengekommen, um in der KZ-Gedenkstätte den Grundstein für die Versöhnungskirche zu legen.

Diese Erinnerungen der Überlebenden des Holocaust seien "heute kostbarer denn je", sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster. Das Geschehen rücke in immer weitere Ferne, für viele junge Menschen seien der NS-Terror und die Shoa "nur noch geschichtliche Daten" ohne persönlichen Bezug. Deshalb sollte der Besuch einer KZ-Gedenkstätte für alle Mittelstufen-Schüler verpflichtend sein.

Bei der Ablehnung des Antisemitismus sieht Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, eine klaffende Lücke zwischen dem Verantwortungsbewusstsein der Politik und den Einstellungen und Stimmungen in der Bevölkerung. Antisemitismus sei wieder salonfähig. Diese Stimmung spürten die Juden auch in ihrem Alltag. "Der Antisemitismus begegnet uns inmitten unserer Gesellschaft mit blankem Hass, mit Genugtuung, mit Arroganz und Hochmut", sagte Knobloch.

Über 40.000 Menschen getötet

Nach dem Gedenkakt legten Merkel und Seehofer in Erinnerung an die über 40.000 Menschen, die im KZ Dachau zu Tode kamen oder ermordet wurden, Kränze ab. Das KZ Dachau wurde am 22. März 1933 errichtet und bestand als einziges KZ während der gesamten zwölf Jahre der NS-Herrschaft. In Dachau und seinen Außenlagern waren rund 200.000 Menschen aus ganz Europa inhaftiert. Am 29. April 1945 befreiten US-Truppen rund 32.000 Überlebende des Lagers.


06.05.2015 / epd
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