Christuskirche Nürnberg: Online-Aktion

"Fenster"-Paten für Kunstwerke gesucht

Kirchenfenster

Die drei wertvollen Kirchenfenster des Künstlers Georg Meistermann: zur Renovierung ihrer Meisterwerke sucht die Christuskirche Nürnberg derzeit "Fensterpaten" im Rahmen einer besonderen Online-Aktion.

Bild: (c) www.christuskirche-nuernberg.de

Die drei wertvollen Kirchenfenster von Georg Meistermann (1911 bis 1990) in der Christuskirche in Nürnberg werden in kleine Stücke geteilt und verkauft - und zwar auf ziemlich ungewöhnlichem Wege...

Jede Kirche braucht für ihre Fassade hin und wieder eine Schönheitskur - und die nötigen finanziellen Mittel für dazu. Die Christuskirche Nürnberg hat sich für ihre bevorstehende Renovierung für ihre drei wertvollen Kirchenfenster von Georg Meistermann (1911 bis 1990) eine ganz besondere Fundraising-Aktion ausgedacht. Die evangelische Gemeinde teilt die Fenster in kleine Stücke und verkauft sie - aber glücklicherweise nicht Scherbe für Scherbe.

Eine lohnende Sache für alle Teilnehmer

Vielmehr bietet die Christuskirche Nürnberg eine Internet-Aktion an, bei der man für 50 Euro pro Parzelle "Fenster"-Pate werden kann. Mit der gleichen Fundraising-Methode hat die Augsburger Annakirche vor einigen Jahren ihren barocken "Himmel" aufgeteilt und etwa 70 000 Euro mit rund 300 Paten erlöst.

Am vergangenen Sonntag, 19. April, ist der Startschuss für die Aktion gefallen, und sie ist auch für die Teilnehmer eine lohnende Sache; Peter Meyer, Pfarrer der Gemeinde, hat sich mit den Motiven der 60 Jahre alten Kunstwerke und der Künstlerpersönlichkeit Georg Meistermann beschäftigt und hält die Nürnberger Glaskunst für "eines seiner schönsten Werke".

"Auch ein Musikstück kann man nicht erklären", antwortete Meistermann 1956 auf die Anfrage der Christusgemeinde, zur Einweihung der Fenster sein Werk zu erklären. Vielmehr müsse man sich in das Werk hineinhören und sich mit ihm verbinden. Das Nordfenster beschreibt er so: "Gnadenströme fallen auf ein Meer von Rot, auf eine Welt, die Sie deuten mögen wie Sie wollen." Meistermanns Kunst füge sich so "in die Zeit der Demokratie", konstatiert Pfarrer Meyer, "der Bürger soll nicht blind gehorsam, sondern frei und mündig" sein. Meistermann habe die drei Fenster, zwei große und ein kleineres, für diesen Raum geschaffen. Seine Motive seien bewusst mehrdeutig.

Meistermann war der einzige Sohn einer musischen Mutter und einem politisierenden Vater, einem Abgeordneten der Zentrumspartei. Georg soll in seiner Schulzeit rebellisch gewesen sein und wollte bereits mit 13 Jahren Maler werden. Der Klassenlehrer förderte ihn. Von 1930 bis 1933 besuchte Meistermann die Kunstakademie in Düsseldorf. Seine Werke galten den Nazis als entartete Kunst. Er wurde aus der Kunstakademie ausgeschlossen.

Restaurierungskosten auf etwa 170 000 Euro geschätzt

Zur kirchlichen Kunst kam Meistermann aus Not. Weil er einen Einkommensnachweis benötigte, um nicht an die Front zu müssen, erteilte ihm eine Kirchengemeinde in Solingen einen Auftrag für ein Kirchenfenster. Nach dem Krieg wurde Meistermann Kulturamtsleiter in Solingen, trat zurück und lehnte auch das Angebot des amerikanischen Präsidenten Dwight Eisenhower ab, in den USA eine Schule zu gründen.

Der katholische Rheinländer Meistermann war mit Kardinal Julius Döpfner, Joseph Beuys oder Heinrich Böll befreundet. Er gestaltete in der Nachkriegszeit auch Kirchenfenster für die Alfonskirche in Würzburg und St. Kilian in Schweinfurt. Die meisten seiner über hundert Werke befinden sich in Gotteshäusern im Westen der Republik.

Veranstaltungsreihe "Im Licht der Freiheit"

Für die Instandsetzung der Meistermann-Fenster in Nürnberg schätzen Fachleute die Restaurierungskosten auf etwa 170 000 Euro. Davon muss die Kirchengemeinde in der Nürnberger Südstadt 100 000 Euro übernehmen. Es sollen Risse im Glas und Korrosionsschäden in den Metalleinfassungen behoben werden, erklärt Pfarrer Peter Meyer.

Wer sich mit Blick auf die Kunst weiterhin fachlich informieren will: Gemeinsam mit der evangelischen Stadtakademie bietet die Christuskirchengemeinde eine Veranstaltungsreihe mit dem Titel "Im Licht der Freiheit" zu den Meistermann-Werken an. Der Kunstbeauftragte der Landeskirche, Helmut Braun, wird im Rahmen dessen am Dienstag, 5. Mai, um 19 Uhr im Nürnberger "Haus Eckstein" über Glasfenster referieren. Am Mittwoch, 20. Mai, um 17 Uhr werden Pfarrer Peter Meyer und der Kunsthistoriker Rüdiger Scholz (München) die Fensterbilder zudem in der Christuskirche erklären.


22.04.2015 / epd / ELKB/Poep
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