Interview mit neuer Schwanberger Priorin

"Schon eine Art spezieller Selbstversuch"

Neue Priorin Heidrun Perpetua-Schörk

Die neue Schwanberger Priorin Heidrun Perpetua-Schörk

Bild: (c) Communität Casteller Ring / Schwanberg

Die evangelische Communität Casteller Ring hat eine neue Priorin: Seit Oktober agiert Schwester Heidrun Perpetua Schörk auf dem Schwanberg. Ein Interview über ihr Amt und Leben in der Kommunität.

Seit Oktober ist Schwester Heidrun Perpetua Schörk neue Priorin der evangelischen Communität Casteller Ring (CCR) auf dem Schwanberg bei Kitzingen. Am 26. Oktober wird sie um 15 Uhr in einem Gottesdienst von der Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski offiziell in ihr Amt eingeführt. Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) erklärt die 52-Jährige, wo den Frauenorden der Schuh drückt, wie sie die Zukunft ihrer Gemeinschaft sieht und weshalb sie die lebenslange Profess für ein Leben im Kloster nicht für ein Auslaufmodell hält.

epd: Schwester Heidrun, ist Ihre Wahl zur Priorin für Sie mehr Freude über die Verantwortung oder doch mehr eine Last?

Schörk: "Es ist beides. Ich habe mich sehr gefreut über das Vertrauen meiner Schwestern! Aber ich merke schon seit den ersten Tagen, dass viele und vor allem viele neue Dinge auf mich zukommen. Der Umfang erschreckt mich manchmal ein bisschen, aber ich hoffe, dass sich bei mir mit der Zeit eine wachsende Selbstverständlichkeit entwickelt. Ich war bislang als Cellerarin vor allem fürs Finanzielle zuständig, da fühle ich mich sehr sicher - aber das war zu Beginn damals auch anders."

epd: Wie steht es um die Communität - finanziell und personell?

Schörk: "Im Moment geht es uns wirtschaftlich betrachtet gut, der Jahresabschluss für 2013 war sehr solide. Wir leben von unserer Hände Arbeit und von den Renten unserer alten Schwestern. Dadurch, dass wir in den nächsten Jahren vermutlich insgesamt weniger werden, wird es finanzielle Veränderungen geben, auf die wir uns einstellen müssen."

epd: Im Moment leben auf dem Schwanberg 35 Schwestern. Wie wenige müssen es mindestens sein, damit die Communität überlebt?

Schörk: "Das kann man nicht so pauschal sagen. Das hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Zum Beispiel, wie hoch unsere Ausgaben und was unsere Aufgaben sind - und natürlich ganz wesentlich von der Einkommenssituation der jüngeren Schwestern. Im Moment sind unsere Gebäude und auch die Kirche gut in Schuss."

epd: In Würzburg verlassen nun die drei letzten übriggebliebenen Kapuziner-Mönche das berühmte Wallfahrtskloster "Käppele". Wie groß sind die Nachwuchssorgen auf dem Schwanberg?

Schörk: "Solche Entwicklungen haben wir auch schon erlebt. Wir haben vor einigen Jahren unsere Stadtstation in Erfurt aufgegeben - schweren Herzens zwar, aber wir mussten unsere Kräfte am Hauptsitz bündeln. Die Zukunftssicherung unserer Gemeinschaft wird eine Hauptaufgabe in meinem Amt als Priorin in den kommenden sechs Jahren sein. Der Blick auf möglichen Nachwuchs uns unsere aktuelle Altersstruktur werden mit Sicherheit die beiden ausschlaggebenden Themen sein."

epd: Die sinkende Zahl an Ordensleuten - hat die auch etwas mit der lebenslangen Bindung zu tun? Ist das vielleicht nicht mehr zeitgemäß?

Schörk: "Es gibt heutzutage sehr viele verschiedene Lebensentwürfe und -modelle. Und ich finde es wichtig, dass eine Option wie die unsere auch weiterhin in dieser Palette erhalten bleibt. Ich sage es mal so: Ja, es ist schon eine Art spezieller Selbstversuch, sein ganzes Leben zu geben, um in einer geistlichen Gemeinschaft zu leben. Das kann letzten Endes nur eine Berufung sein - rein rational kann man das nicht entscheiden. Nur der Selbstversuch wird zeigen, ob es bei einem selbst funktioniert. Wir hatten auch schon viele Frauen, die wieder gegangen sind."

epd: Wie wäre es mit dem Angebot, auf Zeit bei Ihnen mitzuleben?

Schörk: "Wir haben in der Vergangenheit schon solche Versuche unternommen und ich schließe es auch für die Zukunft nicht aus. Aber die Erfahrung zeigt, dass es schwierig ist, wenn beide Lebensmodelle nebeneinander existieren. Für mich persönlich wäre es keine Option. Das Vorhaben, mein Leben lang hierzubleiben, hat mich in eine andere Tiefe geführt, als wenn ich von vornherein wüsste, in soundso viel Jahren gehe ich wieder. Kurzum: Ich würde nicht sagen, dass unser Lebensentwurf ein Auslaufmodell ist."

epd: Was hat Sie damals dazu bewogen, in die Kommunität einzutreten?

Schörk: "Ich habe mich verliebt! Auf dem Schwanberg habe ich damals Gottesdienstfeiern in einer Intensität erlebt, die ich vorher nicht kannte und ich habe in dieser Zeit sehr tiefe Gotteserfahrungen gemacht. Ich habe wirklich gespürt, er meint mich! Deshalb wollte ich Gott mein Leben schenken - weil er mir so viel geschenkt hat, wollte ich ihm das bisschen an Leben, das ich von ihm bekommen habe, zurückgeben."

epd: War das für Sie auch ein Schnitt? Haben Sie die Brücken in Ihr vorheriges Leben abgebrochen?

Schörk: "Der Weg in eine solche Gemeinschaft ist immer ein Neubeginn. Aber es kommt auf die eigene Persönlichkeit an. Bei uns wird kein totaler Schnitt erwartet, aber ein Einschnitt ist es trotzdem. Man bekommt auf einen Schlag eine neue Familie - im Moment 35 Schwestern. Wenn ich mich richtig einleben will, braucht das Zeit und Aufmerksamkeit. Wenn ich alles aus meinem vorherigen Leben mitnehmen will, gelingt das nicht."

epd: Sie sind vor 30 Jahren in die Kommunität eingetreten. Wie hat sich das Leben dort, wie haben sich die Schwestern verändert?

Schörk: "Wir sind sichtbar älter geworden. Unsere Kommunität wurde 1950 gegründet, aus dieser Zeit stammt die erste Generation. Die sind jetzt alle um die 80. Als ich vor 30 Jahren hierher kam, war ich gerade mal 22 Jahre alt - heute sind die meisten Novizinnen 30 Jahre oder älter - manchmal auch schon Anfang 40. Ich sehe das aber vor allem als eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung - denn die Zeitspanne vom ersten Kennenlernen bis zum Eintritt hat sich seit 1950 kaum verändert."

epd: Welche Spuren haben die gesellschaftlichen Entwicklungen in der Communität noch hinterlassen?

Schörk: "Die Hierarchien sind flacher geworden, das Miteinander noch partnerschaftlicher. Ich war 1984 deutlich mehr Novizin als man heute Novizin ist. Auch in der persönlichen Entscheidung, wann fahre ich mal wohin oder unternehme etwas außerhalb der Gemeinschaft, sind wir heute freier als früher. Das spiegelt sich auch in der Leitung wider. Wir sind alle für unser Wohl verantwortlich, nicht nur die Priorin..."

epd: Sie haben jetzt aber als Priorin sechs Jahre Zeit, die Communität maßgeblich mitzugestalten. Haben Sie ein Zukunftsprogramm?

Schörk: "Nein, ich habe mir kein Programm zurechtgelegt. Mein großer Wunsch ist es, dass wir als Gemeinschaft den Weg in die Zukunft auch gemeinsam suchen und entwickeln. Diesen Prozess, den bereits meine Vorgängerin angestoßen hat, will ich fortführen, damit wir als lebendige Gemeinschaft weiterbestehen - egal wie viele oder wenige wir sind."


22.10.2014 / Interview: Daniel Staffen-Quandt / epd