In Schweinfurt

Erste bayerische Vesperkirche eröffnet

Menschen in einer Kirche

Guten Appetit! Die Vesperkirche in Schweinfurt kommt gut an bei den Menschen

Bild: (c) Lisamarie Kaspar / Vesperkirche Schweinfurt

In der evangelischen Schweinfurter St. Johanniskirche lädt noch bis Sonntag, 8. Februar, die erste bayerische Vesperkirche ein. Die Menschen nehmen das außergewöhnliche Angebot mit großer Freude an.

Geschirr klappert, Menschen unterhalten sich, ein paar feixen und lachen - in der evangelischen Schweinfurter St. Johanniskirche herrscht seit Sonntag jeden Mittag reges Leben. Bis zum 8. Februar findet dort die erste bayerische Vesperkirche statt.

Diakon Norbert Holzheid ist sprachlos. "Ich hatte schon mit Zuspruch gerechnet, aber dass so viele Menschen kommen, das ist wirklich toll", sagt der Schweinfurter hörbar überrascht. In der St. Johanniskirche ist am Sonntag die erste bayerische Vesperkirche offiziell eröffnet worden. Das Organisations-Team um Norbert Holzheid hatte zunächst "mit etwa 200 Essen" kalkuliert. "Am Freitag haben wir dann auf 250 erhöht, weil wir so viele positive Rückmeldungen bekommen haben, und heute mussten wir dann noch mal 20 Essen nachbestellen", erzählt er.

"Die Menschen wollen wiederkommen"

In Schweinfurt geht es - wie auch in Württemberg, wo es Vesperkirchen seit mehr als 20 Jahren gibt - um gemeinsames Essen und Begegnung. Dazu wurden Tische und Stühle in St. Johannis aufgestellt. Bis zum 8. Februar ist täglich zwischen 11.30 Uhr und 14.30 Uhr jeder eingeladen, in die Kirche zu kommen: zum Essen, zum Reden, auch mit Seelsorgern. Um 13 Uhr findet jeden Tag eine fünfminütige geistliche Besinnung statt. Damit es sich jeder leisten kann, gibt es Vorspeise, Hauptgericht sowie Kaffee und Kuchen für einen symbolischen Preis von 1,50 Euro.

Holzheid ist begeistert, dass schon bei der offiziellen Eröffnung das Publikum aus einer "typischen Vesperkichen-Mischung besteht". Gut Situierte säßen neben Hartz-IV-Empfängern, Junge neben Alten, treue Kirchgänger neben völlig unbekannten Gesichtern. "Das Schöne ist: Es sind auch Leute gekommen, die total gegen unser Projekt Vesperkirche waren", erläutert der Diakon. Einigen Schweinfurtern sei es zuerst nicht recht gewesen, dass im Kirchenraum gegessen wird. "Einige waren heute da, waren begeistert und wollen sogar wiederkommen", sagt er.

Gesamtkosten liegen bei rund 90 000 Euro

Der bayerische Diakonie-Präsident Michael Bammessel hatte zuvor im Gottesdienst eine Öffnung der Kirche gefordert: "Wir haben oft eine einseitige Prägung als Mittelschichtgemeinde." In Vesperkirchen fänden aber auch Leute den Weg, die beim üblichen Angebot der Kirche "eher abwinken". Er betonte den Unterschied des Projektes zu Wärmestuben. Die Vesperkirche sei auch für Leute, die sich "keinen Restaurantbesuch leisten können", aber sie sei "keine Armenspeisung, wo man mit einer Kelle Suppe im Blechnapf mal schnell den ärgsten Hunger stillt".

Gerade deshalb sei es auch wichtig, dass das Angebot in einem als solchen erkennbaren Kirchenraum stattfinde und nicht etwa in einem Gemeindezentrum, auch wenn dort praktischerweise eine große Küche vorhanden sei, sagte Bammessel: "Damit jeder sofort erkennt, dass eben alles zusammengehört: Kirche und soziales Engagement, christliche Überzeugung und praktische Hilfe." Die Diakonie Bayern hat gemeinsam mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern 45.000 Euro in das Pilotprojekt investiert. Die Gesamtkosten liegen bei etwa 90.000 Euro.

Vesperkirche benötigt noch Spenden

Das Pilotprojekt soll nach dem Willen der Organisatoren keine einmalige Sache bleiben. "Wir wollen das auch kommendes Jahr wieder machen", sagt Holzheid bereits am Premierentag. Dazu braucht die Vesperkirche aber nach wie vor noch Spenden. Um die 20.000 Euro fehlen nach wie vor, damit die erwarteten Gesamtkosten gedeckt sind. "Und wenn wir mehr zusammenbekommen, ist es auch gut - dann haben wir gleich das Startkapital für 2016", sagt der Diakon.


22.01.2015 / epd / Daniel Staffen-Quandt
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