ELKB-Herbsttagung 2014

Ernesto Cardenal als Ehrengast bei der Synode

Eine Frau und zwei Männer

Weit gereister Ehrengast: Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel (li.) und Landesbischof Bedford-Strohm (re.) begrüßen Ernesto Cardenal aus Nicaragua (Mitte).

Bild: ELKB / Poep

Einen weit gereisten Überraschungsgast konnte die bayerische evangelische Landessynode am Montagabend begrüßen: Ernesto Cardenal aus Nicaragua.

Der fast 90-jährige Dichter, Befreiungstheologe und Politiker informierte vor dem Kirchenparlament der rund 2,5 Millionen Protestanten über das umstrittene Kanalbauprojekt in seinem Heimatland. Wenn das geplante Vorhaben umgesetzt werden sollte, wäre dies "die größte irreparable Zerstörung" in der Geschichte Nicaraguas, warnte er eindringlich.

Das Land würde durch die über 270 Kilometer lange Wasserstraße zwischen Atlantik und Pazifik so nicht nur in zwei Teile geteilt, sondern hätte massive ökologische Auswirkungen, sagte Cardenal. Der Kanal, der durch den Nicaragua-See führen soll, bedrohe 36 Städte und viele kleine Ortschaften rund um den See in ihrer Existenz. Die Menschen dort würden zu wenig Geld für ihr Land erhalten und müssten umgesiedelt werden. Auch der Fischfang, die eigenen Trinkwasserreserven und der Tourismus seien dann gefährdet.

Hilfe für den Erhalt der Landschaft

Cardenal warb um Unterstützung im Kampf gegen den Kanal und für den Erhalt der Landschaft. Das evangelische Dekanat Nürnberg pflegt eine Städtepartnerschaft mit St. Carlos. Eine Nürnberger Synodale sagte, dass alle Freundschaftsvereine von St. Carlos die Proteste der Bevölkerung unterstützen werden. Die Bauarbeiten für das umgerechnet rund 30-Milliarden-Euro-Projekt sollen noch im Dezember beginnen. Die Rechte daran hat Nicaraguas Präsident an einen chinesischen Bauträger verkauft.

Ernesto Cardenal ist derzeit im Rahmen einer bundesweiten Konzertlesereihe zu seinem bevorstehenden 90. Geburtstag in Deutschland unterwegs. Am Montagabend las er in der historischen Regensburger Dreieinigkeitskirche, wo auch die Landessynode mit einem Gottesdienst eröffnet wurde.


25.11.2014 / epd
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