Tagung der EKD-Synode in Würzburg

Leben und Würde von Flüchtlingen schützen

Plenum EKD-Synode mit bayerischen Synodalen

Plenum der EKD-Synode mit bayerischen Synodalen. Von links: Rudolsf Forstmeier, Hans-Peter Hübner, Christine Kaas und Wolfgang Oertel.

Bild: EKD

Mit einem eindringlichen Appell zum Stopp des Flüchtlingssterbens im Mittelmeer ist die Synodentagung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Würzburg zu Ende gegangen.

Die Synode forderte eine "Asylpolitik, die Würde, Leib und Leben der Flüchtlinge schützt und dem Anspruch einer europäischen Wertegemeinschaft gerecht wird". Erforderlich seien unter anderem eine umfassende europäische Seenotrettung sowie mehr legale Wege für Schutzsuchende in die Europäische Union.

Zu Beginn ihrer sechsjährigen Legislaturperiode wählte die neu zusammengesetzte Synode in Würzburg am Samstag zudem ihr Präsidium neu. Als Präses wiedergewählt wurde die ehemalige FDP-Spitzenpolitikerin Irmgard Schwaetzer. Die ehemalige Bundesministerin Schwaetzer, die der Synode seit November 2013 vorsteht, wurde mit deutliche Mehrheit wiedergewählt. 111 Mitglieder des Kirchenparlaments stimmten am Samstag für die 73-Jährige. Auch ein Bayer befindet sich im neuen Präsidium. Der schwäbische Jugenddelegierte Jonas Straßer, jüngstes Mitglied der EKD-Synode, wurde zum Beisitzer gewählt.

Zitat

Dass jeden Tag 24.000 Menschen sterben, weil Nahrung und Medizin auf der Welt nicht gerecht verteilt ist, bleibt ein moralischer Skandal."

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm auf der EKD-Synode

Im Schlussgottesdienst am Sonntag in der Würzburger St. Johanniskirche würdigte der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof  Heinrich Bedford-Strohm die europäische Versöhnung nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. "Frühere Feinde sind heute im gemeinsamen Europa Freunde", sagte der oberste Repräsentant der mehr als 23 Millionen deutschen Protestanten. Nicht die herausgestreckte Brust, sondern der Kniefall sei zur größten Geste der Stärke geworden.

Zur Not der Flüchtlinge sagte der bayerische Landesbischof, wer am Sonntag Kantate singe, der wisse, "dass wir auch für die schreien müssen, die verfolgt werden, die heute bittere Not erleiden, die heute aus nackter Verzweiflung auf hoher See ihr Leben riskieren". Am Samstag hatte der Ratsvorsitzende vor den 120 Synodalen betont, Flüchtlingspolitik dürfe nicht nur kurzfristiges Krisenmanagement sein. Grund für die weltweiten Flüchtlingsströme seien Krieg und Gewalt sowie eine extreme Ungerechtigkeit in der Verteilung der weltweiten Ressourcen. "Dass jeden Tag 24.000 Menschen sterben, weil Nahrung und Medizin auf der Welt nicht gerecht verteilt ist, bleibt ein moralischer Skandal", sagte Bedford-Strohm.

Angesichts der technologischen Möglichkeiten auf dieser Welt sei er davon überzeugt, dass "so etwas wie ein globales soziales und ökologisches Wirtschaftswunder" möglich ist. Dann könne jeder Mensch auf dieser Erde in Würde leben, ohne dass die natürlichen Lebensgrundlagen zerstört werden, sagte der Sozialethiker. Künftig sollten alle Regierungsbeschlüsse einer "Eine-Welt-Verträglichkeitsprüfung" unterzogen werden, um zu klären, ob sie den Schwächsten auf der Welt schaden oder nützen.

Günther Beckstein auf der EKD-Synode

Mit einer Andacht verabschiedete sich der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein aus der EKD-Synode

Bild: EKD

Eine Andacht zum Abschied

Mit einer Andacht verabschiedete sich der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein aus der Synode der EKD. Sechs Jahre lang war er Vizepräsident gewesen, Seine Kandidatur für die Nachfolge von Katrin Göring-Eckardt hatte er nach einem quälenden Wahlmarathon zurückgezogen.

Die Zeit in der EKD-Synode möchte er nicht missen, so Beckstein. Vor allem die Besuche und Begegnungen mit Gemeinden in ganz Deutschland, die er als Vize-Präses absolvierte, hätten ihm Freude gemacht. Er scheide aber ohne Wehmut und freue sich auf neue persönliche Freiräume.

Herbstsynode: Schwerpunkt Reformationsjubiläum

Schwerpunkthema der nächsten Synodentagung vom 8. bis 11. November in Bremen sind die Vorbereitungen zum 500. Reformationsjubiläum im Jahr 2017. In Bremen wird auch der 15 Mitglieder zählende Rat neu gewählt. Ebenso wie bei der Synodenpräses Schwaetzer ist eine Wiederwahl Bedford-Strohms möglich, der von einem halben Jahr dem aus persönlichen Gründen ausgeschiedenen Nikolaus Schneider gefolgt war. Als Präses der Synode gehört Schwaetzer dem Rat qua Amt an.

Sie sprach sich für eine enge Einbeziehung des Parlaments in die Vorbereitungen für 2017 aus. "Die Synode wird weiterhin darüber nachdenken, wie der Reformationsansatz vor 500 Jahren heute in einer modernen und sehr pluralistischen Gesellschaft ausformuliert wird." Es gehe darum, welche Impulse die Reformation in die Gesellschaft hinein entfalten kann.


06.05.2015 / epd
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