Regionalbischof predigt in der Oper

"Einkehr mit Bach"

Johann Sebastian Bach im Alter von 61 Jahren, von Elias Gottlob Haussmann, Kopie oder Zweitversion seines Gemäldes von 1746.

Mit "Worten zur Passion" begleitet der Nürnberger Regionalbischof Stefan Ark Nitsche die Aufführung von Johann Sebastian Bachs Johannespassion.

Bild: Elias Gottlob Haußmann [Public domain], via Wikimedia Commons

Eine besondere Karfreitagsmusik können Besucher des Nürnberger Opernhauses erleben: Zwischen den beiden Teilen von Bachs Johannes-Passion spricht Regionalbischof Ark Nitsche "Worte zur Passion".

Eine Passionsmusik im Opernhaus? Ein ungewöhnliches Projekt ist das Konzert „Einkehr mit Bach“, bei dem Generalmusikdirektor Marcus Bosch und die Staatsphilharmonie Nürnberg Johann Sebastian Bachs Johannespassion zuerst im Opernhaus und am folgenden Karsamstag in der Laurentius-Kirche in Altdorf musizieren werden. Regioalbischof Stefan Ark Nitsche wird das Konzert mit „Worten zur Passion“ begleiten.

Zitat

Es gibt eine alte Distanz der Kirche zum Theater, die bis auf die Kirchenväter zurückgeht.... Dabei liegen doch Kunst und Religion eigentlich sehr dicht beieinander, denn beide suchen nach deiner Wahrheit und nach Möglichkeiten, diese darzustellen."

Regionalbischof Stefan Ark Nitsche

Ursprünglich für den Gottesdienst geschrieben, haben die Oratorien von Bach und Händel spätestens seit dem 19. Jahrhundert ihren Weg in die Konzertsäle gefunden, auch außerhalb der Passionszeit. Dennoch ist die Aufführung in einem Opernhaus eher ungewohnt. Denn die Johannespassion hat einen anderen Charakter: Sie ist ein bewegendes Glaubensbekenntnis, ein zentrales Werk der protestantischen Kultur.

Regionalbischof Stefan Ark Nitsche weiß um die Vorbehalte, Passionen in einem Opernhaus aufzuführen: „Es gibt eine alte Distanz der Kirche zum Theater, die bis auf die Kirchenväter zurückgeht“, berichtet er. „Dem Theater wird da schnell eine Unwahrhaftigkeit, eine Scheinhaftigkeit unterstellt. Dabei liegen doch Kunst und Religion eigentlich sehr dicht beieinander, denn beide suchen nach deiner Wahrheit und nach Möglichkeiten, diese darzustellen.

Zitat

Ich spüre gerade bei den Chorälen eine zutiefst religiöse Ergriffenheit, vielleicht weil das so eine ehrliche, reine Musik ist. Das ist meine persönliche Motivation, dieses Stück aufzuführen.“

Generalmusikdirektor Marcus Bosch

Auch Marcus Bosch ist sich der Problematik dieser Konstellation bewusst. „Wir bringen die Johannespassion ja nicht als Theaterstück, wobei auch das, etwa im Ballett, schon gemacht worden ist. Wir spielen die Passion erst in einem Theater und dann in einer Kirche, und ich glaube, dass man das Werk da zweimal sehr unterschiedlich erleben kann. Wahrscheinlich lösen sich alle Vorbehalte, ob man Bachs geistliche Musik in einem Opernhaus spielen kann, ohnehin in dem Moment auf, wenn der erste Ton erklingt. Die Musik ist so stark, dass sie den Raum und die Zeit dominiert.“

Die Staatsphilharmonie Nürnberg führt mit dem Pr-jekt ihre Reihe „Einkehr mit Bach“ fort. „Natürlich bleibt der stille Charakter des Tages bewahrt“, betont Bosch. „Aber nach dem Konzert in Altdorf soll es auch ganz gezielt Gelegenheit zum Austausch und zum gemeinsamen Zusammenkommen geben.“ (Gasthaus „Alte Nagelschmiede“)

Informationen zum Thema

Johannespassion mit Worten zur Passion

Musikalische Leitung: Marcus Bosch Solisten Sophie Klußmann (Sopran), Ida Aldrian (Mezzosopran), Dávid Szigetvári (Evangelist und Tenor-Arien), Sebastian Geyer (Christusworte und Bass-Arien), Daniel Dropulja (Pilatus)
Vokalwerk Nürnberg (Einstudierung: Andreas Klippert)
Staatsphilharmonie Nürnberg

Worte zur Passion: Stefan Ark Nitsche

25. MÄRZ 2016, 18.00 UHR, OPERNHAUS Nürnberg
26. MÄRZ 2016, 17.00 UHR, LAURENTIUS-KIRCHE, Altdorf

Marcus Bosch ist mit geistlicher Musik aufgewachsen, hat als Jugendlicher Orgel gespielt, während seine Eltern den Kirchenchor geleitet haben. „Diese Choräle, die Bach verwendet, das ist meine musikalische Herkunft, der Ursprung des Musik-Machens für mich. Und ich spüre gerade bei den Chorälen eine zutiefst religiöse Ergriffenheit, vielleicht weil das so eine ehrliche, reine Musik ist. Das ist meine persönliche Motivation, dieses Stück aufzuführen.“

Dennoch, die Johannespassion dirigiert der Generalmusikdirektor zum ersten Mal: „Wahrscheinlich bin ich der einzige der Mitwirkenden, der das noch nie musiziert hat“, schmunzelt der Dirigent. Auch für Stefan Ark Nitsche ist es eine neue Situation, sich nicht als Prediger in der Kirche, sondern als Vortragender in einem Konzert mit der Passionsgeschichte auseinanderzusetzen. Seine Worte zur Passion werden „keine Predigt, aber auch kein Referat“, stellt der Bischof klar. „Ich werde versuchen, die Welt der Passion aus einer theologischen Perspektive zu entschlüsseln, und zwar an genau der Stelle zwischen den beiden Teilen der Passion, an der zu Bachs Zeit die Predigt stattgefunden hat.“

Überwindung von Gewalt und Rache

Was interessiert einen Theologen an Bachs Werk? „Das Besondere an der Johannespassion ist ihre Figurenkonstellation: Es ist vor allem der Evangelist, der leidet, während er die Passionsgeschichte erzählt. Christus bleibt, gerade im Vergleich zur Matthäuspassion, sehr souverän.“ Eine Souveränität, die in sich die Hingabe birgt, das ist für Stefan Ark Nitsche der religiöse Kern dieser Passionserzählung. „Es gibt im Barock diese Faszination von Blut und Wunden“, erläutert er. „Schuld verlangt nach Blut, und die Schuld der Welt wird durch das Blut Jesu gesühnt. Diese Dialektik von Jesu Leiden und Vergebung ist in Bachs Passionen sehr stark. Aber dennoch: Der Sinn des Karfreitags ist eben die Überwindung von Gewalt und von Rache. Das ist etwas sehr Tröstliches.“

Zur Person

Stefan Ark Nitsche, Regionalbischof im Kirchenkreis Nürnberg, Bild: © (c) ELKB / Poep

Prof. Dr. Stefan Ark Nitsche

Regionalbischof im Kirchenkreis Nürnberg, begann seine Laufbahn als Regisseur, Dramaturg und  Autor u.a. in München, Wien und Salzburg.


23.03.2016 / Kai Weßler
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