Landesbischof verteidigt Kirchensteuern

Segensreiche Abgaben

Geld

Immer wieder steht die Kirchensteuer in der Kritik. Zu Unrecht sagt LAndesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Bild: iStockPhoto / muharrem öner

Für eine Beibehaltung der Kirchensteuern hat sich der bayerische Landesbischof ausgesprochen. Hauptgrund für die Abgaben sei ihre segensreiche Verwendung, schrieb er in der Wochenzeitung DIE ZEIT.

Mit seinem Diskussionsbeitrag antwortete Heinrich Bedford-Strohm auf einen Artikel von „Christ und Welt“- Redakteur Wolfgang Thielmann, in dem dieser den staatlichen Einzug der kirchlicher Mitgliedsbeiträge kritisch hinterfragt hatte.

Dieser der Kirche vom Staat in Rechnung gestellte Dienst, so Bedford-Srohm, erzeuge keine Abhängigkeit. Im Gegenteil entlaste die Kirchensteuer Landeskirche und Gemeinden davon, sich permanent auf das Geldsammeln konzentrieren und sich finanziell potente Mitglieder gewogen halten zu müssen. Das mache sie frei dazu, sich drängenderen Aufgaben – in den Gemeinden und weltweit – zu widmen.

Dankbar für finanzielle Unterstützung

Finanziell ärmere Partnerkirchen seien dankbar „dass wir die besonderen finanziellen Möglichkeiten haben, sie solidarisch zu unterstützen." Mit der Kirchensteuer könnten sehr konkrete Projekte und Stellen finanziert werden, die wegfallen würden, wäre die Bayerische Landeskirche genau so arm wie manche ihrer Partnerkirchen.

Zitat

Wenn die Kirchen in Deutschland ihren großen Beitrag zum Gemeinwesen nicht mehr leisten könnten, hätten wir ein kulturell und sozial erheblich ärmeres Land vor uns. Sogar Menschen, die selbst mit Religion nichts anfangen können, erkennen das an."

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Auch innerhalb Bayerns gebe es zahllose Projekte und Aktivitäten in Kirchengemeinden sowie im öffentlichen Leben, die nur möglich seien, „weil wir als Kirchen die finanziellen Mittel dazu haben.“ Bedford-Strohm nannte die sozialpädagogische Betreuung von Hauptschülern in Michelau, die Jugendlichen ohne Schulabschluss eine zweite Chance ermöglicht, kirchliche Umweltberatung sowie zusätzlich finanzierte Asylsozialarbeit. Vielerorts seien Kirchen die einzigen Träger kultureller oder sozialer Angebote.

„Wer die Abschaffung der Kirchensteuer fordert, der muss auch bereit sein, vor die vielen Menschen zu treten, die jetzt diese segensreiche Arbeit tun oder von ihr profitieren, und ihnen sagen: Sorry, geht leider nicht mehr.“

Dennoch sei die Kirchensteuer leider oft Anlass für Proteste von Kirchenmitgliedern. Der automatische Einzug der Steuer sowie ihre Abhängigkeit von äußeren Faktoren wie Steuererhöhungen führe immer wieder dazu, dass sich Menschen von der Kirche abwendeten. So habe das neue automatische Einzugsverfahren bei der Kirchensteuer auf Kapitalerträge zu einer erhöhten Zahl an Kirchenaustritten geführt. "Auch wenn es hier nur um ein neues Verfahren im Rahmen der durchaus gerechten Festlegung der Mitgliedschaftsbeiträge geht, ist durch missverständliche Informationen mancher Banken gelegentlich der falsche Eindruck entstanden, hier würde eine neue Kirchensteuer erhoben."   

Die meisten Menschen, so der Landesbischof, zahlten die Kirchensteuer aus innerer Einsicht. Sie  wollten mit ihrem finanziellen Beitrag das Wirken der Kirche bewusst unterstützen. Glücklicherweise gründe die Kirche auf Christus und nicht auf der Kirchensteuer. "Aber für die Erfüllung des Auftrags, den Christus uns gegeben hat, ist die Kirchensteuer ein Segen."

Zur Person

Landesbischof Bedford-Strohm, Bild: © ELKB / Poep

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Heinrich Bedford-Strohm ist Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Er macht sich stark für Themen wie Soziale Gerechtigkeit, Öffentliche Kirche, Ökumene und Bewahrung der Schöpfung.


14.08.2014 / Anne Lüters
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