Nürnberg: Spendenaufruf für Nicaragua

100.000 Familien von Hunger bedroht

Dürre Nicaragua

Die Auswirkungen des Klimawandels treffen Nicaragua hart: Monatelange Dürre hat nicht nur Ernteverluste verursacht, sondern lässt auch die Trinkwasserquellen schrumpfen.

Bild: WFP/ Oswaldo Rivas.

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit ist Nicaragua von einer schweren Dürrekatastrophe betroffen. Deshalb ruft das Dekanat Nürnberg dringend zu Spenden für die von Hunger bedrohte Partnerkirche auf.

Dies sei die schlimmste Dürre in Nicaragua seit 1976 schätzt das Welternährungsprogramm. Es habe zwar in der Zwischenzeit immer wieder Trockenheit und dadurch bedingte Ernteausfälle in dem extrem durch den Klimawandel gefährdeten Land,  in dem sich Hurrikans, Überschwemmungen, Dürren und Vulkanausbrüche abwechseln, gegeben, berichtet Pfarrerin Kerstin Voges vom leitenden Team der Partnerschaftsgruppe - "aber nicht in diesem Maß".  

Informationen zum Thema

Spendenkonto Nicaragua

Spenden für die Opfer der Dürrekatastrophe:

Dekanat Nürnberg; EKK;

IBAN: DE55 5206 0410 0001 5708 03

Verwendungszweck: Hunger in Nicaragua,

HHSt. 3600.01.2110

Bitte Name und Adresse angeben, wenn Spendenquittung erwünscht

Denn in diesem Jahr habe die anhaltende Trockenheit, von der ganz Mittelamerika betroffen ist, in einigen Landstrichen Nicaraguas zu einem Ausfall der gesamten Ernte geführt, so Voges. Das bedeute, dass es sowohl an Ernährungsmitteln als auch an Saatgut für die nächste Ernte mangele. 23 Gemeinden seien laut Regierungsangaben besonders schlimm betroffen. 90 Prozent der Familien dort verfüge schon jetzt über keinerlei Reserven mehr. Die internationale Entwicklungsorganisation Oxfam spreche von 1000.000 von Hunger betroffenen Familien, berichtet die Partnerschaftsgruppe in Nürnberg. Sie fürchtet, dass auch die zweite Ernte gefährdet ist und dass zahlreiche Familien, die bereits in den vergangenen beiden Jahren Ernteausfälle hatte, auch noch 2015 mit Missernten rechnen müssen.

Beide Partnerkirchen, die stark diakonisch ausgerichtet sind und vor allem mit den ärmeren Bevölkerungsteilen in den ländlichen Regionen arbeiten, hatten dem Dekanat Nürnberg einen Maßnahmekatallog vorgelegt: Soforthilfe und Versorgung mit Grundnahrungsmittel für besonders bedürftige Familien sowie die Wiederherstellung der Saatgutbanken in acht ländlichen Gemeinden, um eine zukünftige Ernte sicher zu stellen. Allein diese Maßnahmen erfordern – unter Mithilfe aller Einsatzkräfte vor Ort – eine Summe von etwa 100.000 Dollar, die die Kirchen mit Hilfe Ihrer Partnerkirchen in Deutschland und den USA aufbringen müssen.

Das Dekanat Nürnberg, das seit 1996.eine Kirchenpartnerschaft zu den lutherischen Kirchen in Nicaragua pflegt, hat bereits 12.500 Euro Soforthilfe bereitgestellt. Das sei eine bisher einmalige Hilfsaktion für eine Partnerkirche, erklärt der Nürnberger Stadtdekan Jürgen Körnlein. "Wir wissen, dass es viel Not in der Welt gibt, aber wir wollen jetzt auf diese existenzgefährdenden Zustände aufmerksam machen." Der Dekan hat auch Kirchengemeinden und Bevölkerung zu Spenden aufgefordert, für die Menschen in der Partnerkirche zu spenden. Denn die Soforthilfe soll auf 25.000 Euro erhöht werden. Sollte dies Spendenziel nicht erreicht werden, bedeute das zusätzliche Härten für die mittelamerikanischen Familien, meint Voges: "Die Familien werden vom Land zu Verwandten in die Stadt wandern, weil dort wenigstens die Trinkwasserversorgung gesichert ist, die Väter werden Arbeit außerhalb suchen und z. B. nach Costa Rica emigrieren um Geld ranschaffen zu können. Manche Familien (= Frauen und Kinder) werden vor Ort bleiben, die Wasserqualität wird schlechter werden, mehr Menschen werden krank…. "

Dürre in Nicaragua

Produzenten von Milch und Rindfleisch berichten über Verluste von circa 2.500 Rindern, die verhungert sind. Die einst grünen Weiden sind ausgetrocknet.

Bild: Bild: WFP/ Oswaldo Rivas

"Sie werden nicht verhungern, aber sie werden hungern"

Kerstin Voges berichtet von einem älteren Pfarrersehepaar, das seine Gemeinden bestimmt nicht im Stich lassen wird. "Sie werden hoffen, dass die Kinder und Enkelkinder, die migrieren, ausreichend Geld schicken. Sie werden weiter zumindest das Gemüse am Haus gießen und dafür mehrere Kilometer entfernt Wasser holen, sie werden aber alles andere zukaufen müssen. Dafür müssen sie in die Stadt, das sind mindestens ein Tag anstrengende Wegstrecke hin und zurück." Weit über die Dürre hinaus würde sich das Paar verschulden müssen. Es werde zwar irgendwie weitergehen, aber sehr an ihrer Substanz zehren. "Sie werden sicher nicht verhungern, aber sie werden hungern."

Dazu käme die psychische Belastung für die Menschen: Einerseits seien sie zur Untätigkeit verdammt, weil sie nicht säen und ernten könnten, "auf der anderen werden die einfachsten Dinge, wie Wasser- und Nahrungsmittelbeschaffung zum Kraftakt". Neben der großen Dürre plagen die Bewohner Nicaraguas noch andere Sorgen: Das schwere Erdbeben, das in der Nacht auf Dienstag El Salvador traf, war auch in Nicaragua zu spüren. Eine Tsunamiwarnung jedoch wurde wieder zurück genommen.


15.10.2014 / Anne Lüters /epd
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